„Muss ich da mit?“, fragte ich genervt aus dem Badezimmer, während Kellan sich bereits anzog.
„Neele wäre ganz schön enttäuscht, wenn du nicht da wärst, wenn sie ans Set kommt“
„Aber die wird auch da sein“
„Die da, heißt Kristen und ja sie wird auch da sein. Ich dachte Neele hätte ein Problem mit ihr, was stimmt jetzt zwischen dir und ihr nicht?“
„Dass sie existiert“, murmelte ich leise und hoffte er hatte mich nicht gehört.
Kurz darauf steckte er den Kopf durch die offen stehende Badezimmertüre und seufzte. „Habt ihr euch gezankt?“
„Zanken, das sagt kein Mensch mehr Kellan. Ich mag sie einfach nicht, sie ist total arrogant und ich kann Neele verstehen, dass sie gewisse Abneigungen gegen sie hat“, antwortete ich mit scharfen Unterton in der Stimme und Kellan verdrehte die Augen.
„Mit Nikki kommst du doch auch gut klar, obwohl sie meine Freundin spielt“
„Nikki ist auch nett im Gegensatz zu anderen Personen da“
Wieder dieses theatralische Seufzen von ihm, was mich fast zur Weißglut trieb.
„Kommst du jetzt mit oder nicht, ich muss langsam echt los. Ich hab keine Lust mich wieder von Slade anschnauzen zu lassen“
Jetzt war ich es die seufzte „Ich komm gleich“
Kellan sah mich einen kurzen Moment durchdringend an, schüttelte dann aber den Kopf und verschwand aus dem Badezimmer.
Schnell zog ich mich an und machte mich fertig.
Wir waren seit ein paar Wochen wieder in Vancouver, da der Dreh für den dritten Teil der Twilight Saga begonnen hatte.
Neele und ich hatten unsere Jungs begleiten können, David Slade hatte keinerlei Einwände gehabt, vorausgesetzt wir hielten niemanden von seiner Arbeit ab.
Es war nicht das erste Aufeinandertreffen mit dem restlichen Cast, schon bei der Comic Con in San Diego hatten wir einige wieder getroffen.
Kellan war ein gern gesehener Gast auf den Conventions, Rob blieb als Hauptdarsteller davon weit gehend verschont. Gott, was ein Glück Neele hatte, ich hingegen hatte das Glück Kellan auf jeder dieser Conventions begleiten zu dürfen und mich zu langweilen, während er Interviews gab. Ich hing meistens mit Ashley herum, wenn sie ebenfalls anwesend war oder mischte mich unter die Besucher. Manchmal blieb ich aber auch einfach nur auf unserem Hotelzimmer und beschäftigte mich mit meinem neuen Laptop, den mir Kellan geschenkt hatte.
Wenn immer es die Zeit zu ließ, hielt ich den Kontakt mit meinen Freunden und ins besondere Trace aufrecht. Er war immer noch mein bester Freund, aber da Metro Station momentan auf großer US Tour waren, hatte er auch weniger Zeit, sich meinen Kummer anzuhören und mich abzulenken. Während seinem Urlaub verbrachten wir einige Tage zusammen in LA während Kellan sich bereits in Vancouver seinem Kampftraining unterzog.
Ich reiste einige Tage später an und hatte einen mehr als eifersüchtigen Freund vor mir am Flughafen stehen.
Seitdem vermied ich es zu viel über Trace zu reden, obwohl Kellan keinerlei Grund zur Eifersucht hatte.
Er verbrachte in den letzten Tagen wieder viel Zeit mit Ashley außerhalb des Drehs, offenbar wollte er mir aus dem Weg gehen. Wir merkten beide, dass wir mit der Situation momentan unzufrieden waren, keiner hatte aber den Mut es anzusprechen.Ich warf einen letzten Blick in den Spiegel, stolperte aus dem Bad, stieg in meine Stiefel und in meine dicke Jacke und sah ihn erwartungsvoll an. „Also von mir aus kann´s losgehen“, sagte ich grinsend.
Schweigend fuhren wir zum Set, auf dem Parkplatz hinter den Sicherheitskontrollen stoppte er den Leihwagen, machte aber keinerlei Anstalten auszusteigen.
Offenbar wollte er mir irgendetwas sagen. Ich schnallte mich ab und sah ihn fragend an.
Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum, als er seufzte und mich traurig ansah.
„Was stimmt nicht mit uns?“
Ich schluckte, wich seinem Blick allerdings nicht eine Sekunde aus. „Ich weiß es nicht“
„Ashley meint ich soll mit dir reden…“
„Warst du deswegen so oft mit ihr zusammen?“, unterbrach ich ihn.
Er nickte entschuldigend. „Es tut mir leid, ich hätte gleich zu dir kommen sollen. Wenn wir Probleme haben, müssen wir sie auch gemeinsam lösen“
Ich sah ihn liebevoll an, er sah so zerbrechlich aus in diesem Moment. Ich kletterte zu ihm hinüber auf seinen Schoß und legte meine Arme in seinen Nacken.
„Ich liebe dich Kellan und ich weiß, wir werden das hinkriegen“
„Aber was ist dann los mit dir?“
„Es ist schwierig für mich, ich langweile mich manchmal einfach am Set oder auf Conventions wenn niemand da ist, mit dem ich die Zeit verbringen kann, weil du arbeiten musst“
„Aber Neele ist doch hier“
„Ja hier, aber auf den Cons ist sie meistens nicht. Ich werde mich dran gewöhnen, es ist noch immer alles so neu. Es tut mir Leid wirklich“
„Vielleicht hängen wir auch so viel auf einander? Ich meine, ich finde es toll, wenn du mich begleitest, aber ich habe nicht dran gedacht, wie langweilig es manchmal für dich sein muss“
„Können wir am Wochenende nach Hause fahren? Ich würde gern zu Kola“
„Vielleicht können wir sie herholen, was meinst du?“
Kola war seine Mischlingshündin, sie blieb meistens bei Freunden vom ihm, während wir unterwegs waren. Aber ich hatte sie selbst in so kurzer Zeit in mein Herz geschlossen, dass ich sie schrecklich vermisste.
Er hatte sie mir erst nachdem wir aus New York wieder nach Los Angeles gefahren waren, vorgestellt. Da er bis dahin viel zu tun hatte, war sie in einer Hundepension untergebracht gewesen. Umso mehr freute sie sich als sie endlich wieder nach Hause durfte zu ihrem Herrchen.
Ich nickte freudestrahlend. „Das wäre toll Kellan“
„Dann machen wir das so, wir werden ja noch eine Weile hier bleiben und Ash hat Marlo auch dabei, von daher durfte es wohl kein Problem geben, wenn wir sie hier haben“
Er überbrückte den letzten Abstand zwischen uns und sanft legten sich seine warmen Lippen auf meine.
Er intensivierte den Kuss, doch bevor ich mich ganz fallen lassen konnte, zog er sich zurück. „Wir müssen“, hauchte er in den Kuss hinein.
„Hm…“, murmelte ich leise, als es auch schon gegen die Fensterscheibe klopfte.
„Kellan, sie werden am Set erwartet“, rief einer der Sicherheitsleute von draußen.
Seufzend stiegen wir beide auf der Fahrerseite aus, was den Sicherheitsbeamten einen Moment aus dem Konzept brachte.
Ich begleitete Kellan noch in die Maske, in der auch schon meine neue beste Freundin Kristen saß. Sie würdigte mich wie immer keines Blickes, was mir aber auch egal war, es bestätigte nur noch mehr meine Meinung über sie.
Ashley kam wenige Minuten später hereingewirbelt und begrüßte uns alle freudestrahlend und gutgelaunt wie immer.
Ich stand nichts tuend in einer Ecke und fühlte mich wieder irgendwie fehl am Platz, zudem warf mir Kristen immer wieder abwertende Blicke zu.
„Ich geh mir mal ein bisschen die Füße vertreten“, sagte ich leise und Kellan warf mir einen entschuldigenden Blick zu.
„Na endlich, was will die eigentlich hier?“, hörte ich Kristen noch sagen, als ich die Tür genervt hinter mir zu schlug.
Ich tigerte auf dem Gelände hin und her, hielt Ausschau nach Neele und Rob, die waren längst überfällig, wie immer in letzter Zeit.
Jackson kam an mir vorbei geschlendert und lächelte mir freundlich zu, bevor er ebenfalls in der Maske verschwand.
Ich kramte in meiner Tasche, irgendwo musste doch mein Zigarettenpäckchen sein. Zwar hatten Kellan und ich beschlossen mit dem Rauchen aufzuhören, aber hier und momentan klappte das nicht. Meine Nerven lagen wieder einmal blank, was bildete sich diese Schlampe eigentlich ein?
Trat hier auf als Supermegastar und jeder der ihr nicht passte, sollte am besten gleich vom Set verbannt werden.
Neele war ihr immer noch ein ganz besonderer Dorn im Auge. Jeder hier sah, dass Kristen total verschossen in Rob war und eifersüchtig auf Neele. Kristen schürte selbst die Gerüchteküche bezüglich ihrer angeblichen Affäre mit Rob, was Neele ebenfalls zur Weißglut brachte, aber Rob hatte ihr immer wieder gezeigt, dass sie die einzige wäre, die sein Herz erwärmte.
Schon kurz vor neun und immer noch waren die beiden nicht zu sehen, aber immerhin fand ich meine Zigaretten.
Schnell steckte ich mir eine an, als sich jemand hinter mir räusperte.
„Du hättest nicht zufällig noch eine für einen alten Mann?“, freudestrahlend drehte ich mich um und stand Peter gegenüber.„Für dich immer Dr. Cullen“, gab ich grinsend zurück und bot ihm eine an.
„Was ist dir denn über die Leber gelaufen, dass du so ein Gesicht ziehst?“, hakte er nach.
„Dasselbe wie immer in letzter Zeit“, antwortete ich leise und er nickte zustimmend.
„Lass dich nicht immer provozieren. Sie ist ein nettes Mädchen, du müsstest ihr nur ne Chance geben, sie richtig kennen zu lernen“
„Na sicher Pete, nicht in diesem Leben, sorry“, erwiderte ich trotzig.
Peter seufzte und schmunzelte.
„Ich weiß gar nicht warum ihr Mädchen immer Probleme seht, wo gar keine sind“
„Peter ich weiß dass wirklich sehr zu schätzen, dass du versucht zwischen uns zu vermitteln, aber der Kristen-beste-Freunde-Zug ist leider abgefahren“
Beschwichtigend hob er die Hände. „Schon gut, schon gut… Also bis später ich muss zum Dreh“, rief er und verschwand.
Kellan kam mit Ashley zusammen aus der Maske geschlendert und legte einen Arm um mich. „Du riehst nach Rauch, wollten wir nicht…?“
Entschuldigend sah ich ihn an. „Schon gut Schatz… Also .. kommst du mit, wir drehen gleich die Szene, wo Bella mit Edward von Jake kommt und sie sich die Hand gebrochen hat… wenn unser Edward denn da wäre…“, erklärte er grinsend.
In dem Moment klingelte mein Handy. „Ich komme später dazu okay“, antwortete ich leise und sah auf den Display, es war Trace.„Okay, aber komm auch…“, rief er mir noch nach, während ich schon in Richtung unseres Wagens lief und abnahm.
„Heeeeeeeeeeeeeey“, hörte ich es ihn von der andren Leitung kreischen.
„Hey, wo zum Teufel bist du?“
„In Vegas Baby, hörst du das, dass ist die tobende Menge, die mehr von mir will, hörst du das… ?“ Ich versuchte ihn genau zu verstehen, bekam aber immer nur Bruchstücke mit und hörte lautes Kreischen und Jubelschreie.
„Trace, ich kann dich kaum hören…. Die Verbindung ist super schlecht…“ versuchte ich ihm zu erklären, als auf einmal das Gespräch komplett abbrach. Ich sah frustriert auf mein Handy, probierte ihn noch zurück zu rufen, aber er war nicht mehr zu erreichen. „Na toll…“, murmelte ich mehr zu mir selbst, als jemand an meine Scheibe klopfte. Ich drehte den Kopf langsam herum und sah Neele breit grinsend vor mir stehn.
Ich stieg aus dem Wagen aus und zog sie in meine Arme. „Ihr seid zu spät“
„Eigentlich waren wir sogar recht pünktlich“
„Boa Neele meine Laune ist gerade richtig, für solche bescheuerten Witze“
„Kristen?“
„Oh ja….“
„Na, dann mal auf in die Höhle des Löwen. Ich habe sie heute noch gar nicht gesehen. Sieht man mir an, dass ich gerade den besten Guten-Morgen-Sex hatte, den man sich nur vorstellen kann?“
„Warte, lass mich dich kurz ansehen.“ sie betrachtete mich von oben bis unten. „Ja, man sieht es dir deutlich an. Grinse sie so breit an und sie wird ausrasten.“
„Sehr gut, dreht sie nicht gerade?“
„Ich glaube....“
Sie beschleunigte ihre Schritte und ging geradewegs auf Kristens Set zu. Sie war gerade mitten im Dreh, Neele winkte ihr nur zu und grinste sie breit an. Die erwünschte Reaktion kam sofort. Sie verhaspelte sich im Text, dann funkelte sie Neele böse an.
„Mission erfüllt“, breit grinsend wandte sich Neele an mich, während David uns einen weiteren bösen Blick zu warf.
„Wenn die dabei sind, kann ich einfach nicht mein volles Potenzial zeigen“, keifte Kristen wütend herum.
„Als wenn die Potenzial hätte“, kicherte Neele leise und ich musste ein lautes Lachen unterdrücken.
„Kristen…bitte..“
„Nein David, so geht das nicht, die bringen mich mit ihrem Gelächter ständig aus dem Konzept und dann stimmt die Chemie zwischen mir und Rob nicht“, zischte sie und sah wieder böse in unsere Richtung.
„Ladies, würde es euch etwas ausmachen…“, begann David genervt, aber wir hatten schon verstanden.
„Kein Problem David, wenn der Star Ruhe brauch und sich gestört fühlt, wir werden euch nicht mehr aufhalten…“, sagte ich, nahm Neele an die Hand, die es sich nicht ließ und Kristen noch ein einmal einen bösen Blick zu warf und verschwanden.
„So eine dumme Pute“, schimpfte Neele leise. „Was bildet die sich eigentlich ein“
„Sie darf alles, hat alles, kann alles, dämliche Fotze“
„Naischel, solche Ausdrücke… ich bin entsetzt“, tadelte mich Neele grinsend.
„Is doch so… und was machen wir jetzt, vom Filmset vertrieben?“
„Hmpf, keine Ahnung… Shoppen?“
„Schon wieder?... Lass uns … ach keine Ahnung... lass uns erstmal hier abhauen… Das kotzt mich alles so an…“
„Was denn los?“, hakte Neele nach.
„Vancouver ist los… ich will nach Hause… nach LA, hier komm ich mir so fehl am Platz vor… ich weiß es ist Kellans Job aber ich ertrage diese Langeweile nicht mehr, er überlegt schon ob er nicht Kola einfliegen lässt“
„Na das wäre doch super…“
Schulternzuckend sah ich sie an.
„Dann müssen wir jetzt was finden, um dich auf andere Gedanken zu bringen… Ich fahre“, flötete sie und wedelte schon mit Robs Wagenschlüssel vor mir her.
Ich schmunzelte, während sie sich den Wagen aufschloss und elegant hinein glitt.
„Jetzt komm schon“
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und stieg in den Wagen…..

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