Mittwoch, 4. November 2009

Ein Unglück kommt selten allein

Naischel Pov

Die vergangene Woche war hart gewesen.
Kellan war in der Nacht, noch nach Chicago aufgebrochen, am selben Tag wo Neele und auch Rob aufbrachen. Er hatte in den frühen Morgenstunden bereits die ersten Proben, also entschloss er sich den letzten Flug des Tages zu nehmen, damit er den restlichen Tag noch mit mir verbringen konnte.
Ich vermisste sie alle jetzt schon, ich konnte immer noch nachvollziehen warum Neele so übereilt abgereist war. Ich hatte ihr am Abend noch eine Email geschrieben und sie versucht anzurufen, hatte damit aber keinen Erfolg.
Ich drehte mich lustlos in unserem Bett herum. Es war so leer ohne Kellan. Er hatte mir heute Nacht noch einen innigen Abschiedskuss gegeben, bevor er in sein Taxi stieg. Am Wochenende wollte er wieder kommen, klasse eine Wochenendfernbeziehung, genau dass was ich wollte. Aber es war ja nicht auf Dauer, vielleicht konnte ich ihn das nächste mal zu seinem Drehs begleiten.
Mit zugekniffenen Augen sah ich auf meinen Wecker, der neben mir auf dem Nachtischschränkchen stand. Es war bereits kurz vor zehn, langsam war es Zeit aufzustehen. Ashley wollte gegen Mittag hier sein, eine genaue Uhrzeit hatte sie mir allerdings nicht genannt.
Ich beschloss dennoch auf zu stehen, krabbelte aus dem Bett und ging Richtung ab, als mein Handy klingelte.
Schnell drehte ich mich um und rannte zum Nachttisch, wollte mein Handy greifen und kam ins straucheln. Verdammt, gerade so konnte ich mich noch abstützen, sonst wäre ich wohl hingefallen.
Ohne auf die Nummer zu achten, nahm ich ab.
„Hm…ja…“
„Hey Baby, hier ist dein ganz persönlicher Weckdienst“
Es tat so unglaublich gut seine Stimme zu hören, mein Herz schlug vor Freude schneller.
„Hi Schatz“
„Na wie geht’s meiner Süße, vermisst du mich schon?“
„Oh Kell, ich weiß nicht wie ich die Woche ohne dich aushalten soll. Du fehlst mir so“, gab ich seufzend zurück.
„Babe, du fehlst mir auch. Hast du wenigstens gut schlafen können?“
„Nein“, gab ich trocken zurück.
„Ich auch nicht, ich wollte mich auch nur kurz melden, dass ich gut angekommen bin, ich muss gleich zum Fitting zurück. Bist du denn schon aufgestanden, Ash müsste doch bald aufkreuzen?“
„Ich war gerade auf dem Weg ins Bad, aber du hälst mich ja ab“, sagte ich lachend und konnte ihn förmlich durch den Hörer grinsen hören.
„Ich vermisse dich, aber ich bin bald wieder da. Ich muss Schluss machen, ich ruf dich heut Abend an, um dir Gute Nacht zu sagen okay“
„Okay, bis dann, ich liebe dich Kellan“, seufzend legte ich auf und ich bemerkte wie sich Tränen in meinen Augen sammelten. Wie sollte das nur werden, wenn ich ihn jetzt schon so sehr vermisste? Aber daran würde ich mich wohl gewöhnen müssen, wenn ich mich für ein Leben mit ihm entschied und das hatte ich. Ich war mir voll und ganz sicher, dass er der eine war – der Richtige.
Ich schüttelte den Kopf über meine Gedanken, wenn man verliebt war, dachte man ja immer es sei die große Liebe.

Schmunzelnd warf ich mein Handy aufs Bett und ging ins Bad, entkleidete mich und stieg unter die Dusche.
Das warme Wasser entspannte mich und lenkte mich ab.
Nachdem ich aus der Dusche gestiegen und mich angezogen hatte, klingelte es bereits unten an der Tür.
Schnell rannte ich nach unten, um dem jenigen zu öffnen. Vor mir stand eine breit grinsende Ashley.
„Guten Morgen, na gut geschlafen?“, trällerte sie fröhlich und trat mit zwei riesigen Koffern ein.
Fragend sah ich sie an, es waren nicht gerade kleine Koffer.
„Na komm schon, im Auto sind noch zwei“, sagte sie, nahm mich an der Hand und zog mich nach draußen zu ihrem Wagen.
„Was zum Teufel willst du mit den ganzen Kram Ash? Du bist fünf Tage hier und du wohnst quasi um die Ecke?“, erwiderte ich als wir die restlichen Koffer ins Haus und ins Gästezimmer brachten.
„Das verstehst du eh nicht“, gab sie zischend zurück, ich hatte wohl einen wunden Punkt getroffen.
„Also, wann kommt Martha?“, fragte sie mich mit großen Augen.
„Keine Ahnung, ich hab nicht mehr mit ihr gesprochen, seit sie gestern mit Taylor abgezogen ist“
„Alles muss ich alleine machen“, schnell zückte sie ihr Handy und wählte eine Nummer, vermutlich die von Martha, wie ich annahm.
„Ja hier ist Ash, genau, wo seit ihr? Nein… bring sie her, wir warten hier bei Kellan, gut bis dann“
Fragend sah ich sie an. „Sie kommt gleich… Also hast du schon gefrühstückt? Gibt’s Kaffee?“, gut gelaunt schlenderte Ashley in die Küche.
„Ähm nein, ich bin gerade aufgestanden, aber ich kann dir einen machen Ash“, sagte ich während ich ihr wie ein Hündchen nachlief.
„Warum, macht ihr den in Deutschland anders als hier?“, sie schürzte die Lippen und wartete auf meine Antwort.
„Keine Ahnung…entschuldige…. Das war nur ein Vorschlag, ich weiss ja nicht…“
„Ich kann sehr wohl einen Kaffeeautomaten bedienen, guck hier… da drückt man drauf und stellt die Tasse unter… fertig“, sagte sie tadelnd.
Na das konnte ja was werden, dachte ich bei mir.
Ich biss mir auf die Unterlippe und nickte nur.
„Ich hab halt so Zeug nicht, bei mir fließt der Kaffee durch ne Oldschool Maschine, nicht auf Knopfdruck. Also was hast du heute mit mir vor?“ Nervös setzte ich mich an den Küchentisch und sah Ashley dabei zu, wie sie herumhantierte und uns ein paar Sandwiches machte.
„Das wird erst verraten wenn Martha kommt, aber wir werden erstmal Shoppen gehen und dann werden wir an eurem Eifersuchtsproblem arbeiten, wie haben ja gesehen wie weit das führt, wenn man sich nicht rechtzeitig drum kümmert. Apropos, hast du was von Neele gehört?“
Seufzend schüttelte ich den Kopf. „Nein… ich hab sie gestern Abend noch mal angerufen, nichts…Ob sie auf meine Mail geantwortet hat, kann ich dir auch nicht sagen“
„Ja dann hopp, hol deinen Laptop her und lass uns nachsehen…“, forderte sie. Ich stand auf und holte diesen aus dem Wohnzimmer, stellte ihn auf den Tisch und fuhr ihn hoch. Ich checkte meine Emails aber von Neele war keine dabei.
Ashley tippte sich mit dem Finger gegen die Lippen. „Ruf sie an – jetzt“
„Jetzt? Bei denen ist …gott weiß wie spät“
„Ruf an“, sagte sie bestimmend und ich tat wie mir befohlen.
Ich nahm ihr Handy, welches sie mir entgegenstreckte und wählte Neeles Nummer von Zu hause. Ich hatte es aufgegeben es auf ihrem Handy zu versuchen und daheim erreichte ich wenigstens ihre Eltern.
Ihr Mum nahm ab.
„Hi, hier ist Naischel, ich würde gerne mit Neele sprechen“, sagte ich unsicher.
„Oh, Hallo Naischel, ja, warte kurz“, gab ihre Mutter fröhlich zurück. Neele war also da, immerhin ein Fortschritt. „Tut mir leid, sie ist nicht da, wahrscheinlich ist sie im Stall oder so“, erklärte ihre Mutter seufzend.
Ich wusste es war gelogen, Neele saß bestimmt vor ihr und wollte nur nicht mit ihr sprechen.
„Sagen Sie ihr bitte, sie soll mich anrufen, ich mache mir wirklich Sorgen“
„Ja, richte ich ihr aus“, erwiderte sie noch, bevor sie auflegte.
„Sie war da, wollte aber nicht mit dir sprechen oder?“, fragte Ashley und schürzte dabei die Lippen.
Ich nickte und sah traurig aus dem Fenster.
„Sie wird zurück kommen, sie braucht nur Zeit. Du solltest weiterhin Mails schreiben und versuchen, sie anzurufen, damit sie sieht, dass sie euch nicht egal ist“
„Denkst du wirklich, sie kommt zurück?“
„Natürlich, es sei denn sie ist total bescheuert und lässt so einen Mann laufen“, erklärte sie lachend und ich stimmte in ihr Lachen mit ein.
Es klingelte, Ash hastete zur Tür und nahm Martha im Empfang.
„Verabschiede dich von Tay Kleines, du wirst ihn jetzt erstmal nicht sehen, gleiches Recht für alle“, trällerte sie und nahm Taylor die Tasche von Martha ab.
„Bitte was? Du spinnst doch, ich werde nicht hier bleiben, ich will bei Tay…nein..“, rief Martha wütend.
„Schatz, wir können doch telefonieren und so kann ich meine anstehenden Termine ohne Probleme vorbereiten“, hörte ich nun Taylor beruhigend sagen.
„Ach und ich bin also ein Problem für dich, diese nicht wahrzunehmen. Ihr spinnt doch alle, als ob ich ein Training bräuchte, um mich öffentlich zeigen zu können“, zischte sie.
„Komm schon rein Martha, das wiedersehen wird um so schöner sein am Freitag abend, wenn wir alle zusammen ausgehen und du Taylor zeigen kannst, was du gelernt hast“
„Ha gelernt, ich brauch nix lernen, ich bin gut so wie ich bin, verdammt“
„Martha, Schatz, darüber haben wir doch gestern Abend noch geredet, ich ruf dich an okay und jetzt sei lieb“, versuchte Taylor sie zu beruhigen.
Ich war mittlerweile aufgestanden und in den Flur getrottet, lehnte grinsend an eine Wand, um mir das Schauspiel anzusehen, welches sich vor mir bot.
Martha war total sauer und Taylor machte es durch sein bevormunden nur noch schlimmer. Ich wusste das, aber er schien die Gefahr nicht zu ahnen.
Sie fuchtelte genervt mit ihrem Armen herum und atmete tief ein, versuchte sich dadurch zu beruhigen, was ihr aber nicht gelang. Sie sah ihn funkelnd an, in ihren Augen sah man ihren blanken Zorn.
„WAS HAST DU GRADE GESAGT?“, schrie sie ihn plötzlich an. „Ich bin doch kein kleines Kind, dem man auftragen muss, was es zu machen hat. Ich glaub du hast einen anne Klatsche Taylor Lautner, ich bin doch keine Barbie, die du dir zu recht biegen kannst. Ich dachte du liebst mich, aber da lag ich wohl falsch“
Martha warf ihm noch einen bösen Blick zu, machte auf dem Absatz kehrt und stolzierte an mir vorbei in die Küche.
„Bis dann Tay“, sagte ich, drehte mich um und folgte Martha in die Küche.
Sie saß am Küchentisch und schnaubte verächtlich. „Der spinnt doch…nicht dass ich nicht gerne bei dir bin, aber seine Wortwahl ist das letzte“
Lautlos ließ ich mich neben sie auf den Stuhl sinken.
„Was von der anderen gehört?“, fragte sie weiter. „Weißt nur wegen der müssen wir so was machen, weil die abhaut und wir dürfens ausbaden“
„Nein ich hab nichts von ihr gehört, sie lässt sich verleugnen. Komm schon Hasi, wir packen dass… mit gehangen mit gefangen..“
„Ja wir werden schon unseren Spass zusammen haben, denen werden wirs zeigen“, rief Martha jetzt voller Enthusiasmus.
„Das ist genau die richtige Einstellung, Ladies let´s go shopping!“, trällerte Ashley fröhlich und stand breit grinsend in der Tür.

Ashley schleppte uns alle möglichen Geschäfte. Sie zwang uns haufenweise aufreizende Unterwäsche zu kaufen und mehr als knappe Bikinis.






„Das wird euch noch bei euren Männer zu Gute kommen, meine Lieben. So und jetzt gehen wir essen, Sonnenbrillen auf Ladies und benehmt euch“, trällerte sie und zog uns mit sich in ein Restaurant am Sunset Blvd. Davor standen ein paar Tische und ich wollte gerade ins Restaurant hineingehen, als Ash mich sanft festhielt.
„Nein Ladies, wir speisen heute hier draußen. Ihr braucht euch nicht zu verstecken“, sagte sie fröhlich und setzte sich.
„Okay…“, gaben Martha und ich fast gleichzeitig zurück und ließen uns neben sie
in die Stühle sinken.
Ein Kellner kam und Ashley bestellte für uns alle ein Wasser, während der Ober uns die Speisekarten aushändigte.
„So…. boa ich nehm das Schnitzel“, sagte Martha fröhlich, „mit Pommes natürlich“
„Und ich nehm…oh das sieht ja alles so lecker aus“, ich konnte mich kaum entscheiden.
„Ladies, wir sind hier an einem öffentlichen Ort, wir werden vermutlich auch gerade beobachtet, gefilmt und fotografiert. Man ist immer beobachtet, man tut daher nie dumme Dinge wie z.b. sich ein fettes Schnitzel mit Pommes rein zu pfeifen“ Ashley sah uns mahnend an.
„Na toll….soll ich verhungern oder was“, murmelte Martha genervt und ich konnte sie verstehn.
Hieß dass wir dürften nun nie mehr das Essen wozu wir Lust hatten, dass tun, was uns Spass machte?
Was für ein schreckliches Leben sollte das nur werden? Ich beschloss Ashley und auch Kellan noch einmal darauf anzusprechen.
„Was schlägst du stattdessen vor Ash?“, wollte ich neugierig wissen.
„Caesar Salad natürlich, der beste hier in der Stadt. Keine Sorge der wird euch schmecken und Martha zieh nicht so ein Gesicht“, sanft kniff sie Martha in die Seite.
Seufzend ergab sie sich und zwang sich ein Lächeln auf. „Was machen wir heute noch?“
„Klatschblätter lesen, ich hab schon einiges für uns zurück legen lassen…“
„Okay… muss das dann sein?“
„Natürlich, damit ihr lernt nicht mehr alles ganz so ernst zu nehmen, was in der Presse verbreitet wird, so und jetzt bestellen wir erstmal…“
Der Kellner kam zurück an unseren Tisch und brachte uns unsere Getränke. Ashley lächelte ihn an und bestellte uns drei Caesar Salads.
„Also Mädels, das wird toll, ihr braucht keine Angst vor mir zu haben. Ich möchte euch doch nur einführen in diese grauenvolle Paparazzi Welt“, versuchte sie uns aufzumuntern.
„Ja Ash, wir wissen schon dass du nur unser bestes willst, aber wir haben einfach Angst dabei selbst auf der Strecke zu bleiben, verstehst du?“, fragte Martha und ich nickte ihr zustimmend zu.
„Wieso ihr müsst ja nur öffentlich ein Gesicht wahren, immer nett grinsen, keine Skandale, das ist alles“, sagte sie grinsend. „Ich bin gleich wieder da, ich geh mich ebend frisch machen“ Schon war sie aufgesprungen und lief ins Restaurant.
Martha sah mich entnervt an. „Ich hab da so was von keinen Bock drauf“
„Sie meints doch nur gut, lass ihr ihren Spass und bis jetzt is ja nicht schlimm und vor allem.. ich brauch eh Ablenkung“, erwiderte ich seufzend.
„Ja du, aber mein Typ ist in der Stadt und meint ich wäre ein Problem… Ach sind doch alle Scheisse, die Typen“
„Nicht alle“, gab ich grinsend zurück und ließ meinen Blick über die Strasse schweifen. Auf einmal blieb mir fast das Herz stehen. Auf der anderen Straßenseite sah ich einen jungen Mann stehen, der Ähnlichkeit mit Trace Cyrus hatte. Wahnsinn wie ähnlich sich die beiden schienen.

Martha sah meinen Blick und ging diesem nach, auf einmal fing sie an zu schreien „OH MEIN GOTT, NAISCHEL! Guck mal wer da steht????!!!!“
„Ich habs schon gesehen“, murmelte ich grinsend, den Blick nicht von ihm abwendend.
„Oh Gott los geh hin, frag ihn um ein Autogramm“
„Das ist doch voll peinlich, dass kann ich nicht machen“
„Natürlich, los beeil dich bevor Ash wieder da ist man“, stummste sie mich an. Ich atmete tief durch, stand auf, sah nach links und nach rechts, bevor ich auf die andere Straßenseite rannte.
Er stand gerade vor einem Schuhgeschäft und unterhielt sich mit ein paar Fans, wie es aussah. Ich war einen kurzen Blick über meine Schulter zu Martha, die mir beide Daumen hoch zeigte.
Ich räusperte mich kurz und musste leider bemerken, dass ich damit seine Aufmerksamkeit auf mich gelenkt hatte.
Er trug wie ich ebenfalls eine dunkle Sonnenbrille und das war das erste Mal dass ich dankbar dafür war, dass er sie trug, denn er hatte so wunderschöne blaue Augen, in denen ich sonst versunken wäre.
Er sah mich grinsend an, während mein Herz mir bis zum Hals pochte. Trace Cyrus spielte in einer meiner absoluten Lieblingsbands und es war schon immer mein Traum gewesen ihn mal zu treffen. Wir waren in Hollywood, nichts war mehr unmöglich, bei dem Gedanken musste ich leise kichern. Oh Gott, dass konnte er ja hören, scheisse, wie peinlich.
Ich atmete noch einmal tief durch und brachte schließlich ein leises „Hi“ zustande.
Er musterte mich immer noch, beugte sich zu mir herunter und hauchte mir ein „Hi“ entgegen.
Ich hatte das Gefühl ohnmächtig zu werden, was war nur los mit mir. Ich hatte doch sonst nicht so viel Schiss, nicht mal als ich Kellan traf.
„Ähm…Also… ich wollte dich fragen…“, stammelte ich nervös herum.
„Autogramm, Foto?“, fragte er höflich.
Ich nickte verlegen, das wurde er offenbar regelmässig gefragt. „Ja Sorry, ich wollte nicht…“
„Nein ist okay, ich mach das gerne für unsere Fans“
„Ja das muss trotzdem nervig sein, tut mir leid… ich hätte nicht… herkommen sollen“
„Nein es ist okay, wirklich. Also komm her, hast du ne Cam dabei?“, sagte er und zog mich schon in seine Arme.
„Ähm nein… aber Handy“, murmelte ich leise und zog es schon aus meiner Hosentasche.
„Ich glaube ich sollte es lieber machen…“, erwiderte Trace grinsend und hielt die Hand auf. Ich verstand erst nicht, was er von mir wollte.
„Das Foto… ich hab längere Arme“
„Oh ja..natürlich ähm..“ Ganz klasse Naischel, mal wieder die Peinlichkeit in Person, perfekt.
Trace legte seinen Arm um mich, nahm mein Handy in die Hand und machte ein Foto von uns, danach sah er es sich auf dem Display an.
„Das ist nicht gut genug, lass uns noch eines machen“ und schon hatte er es gelöscht.
„Ich will dich wirklich nicht aufhalten Trace, du hast bestimmt viel zu tun“
„Das passt schon…so say Cheese“ und schon hatte er das nächste Foto geschossen.
„Hier bitte schön“, sagte er und gab mir das Handy zurück. „Wie heißt du?“
„Naischel...Soll ich’s buchstabieren?“
„Moment...Naischel… ähm..kann es sein…hast du Twitter?“
Fuck, erwischt…. Oh man wieso musste er sich auch an mich erinnern?
Ich hatte bevor ich nach Cannes gefahren bin, seinen Account regelmässig zugespamt mit Nachrichten, wie toll ich ihn fand. Peinlicher konnte es wirklich nicht mehr werden.
Er musterte mich wieder eindringlich, sah dann auf meinen Arm und lächelte breit.
„Du bist es….Hey schön dich kennen zu lernen. Ich hab jede Nachricht von dir gelesen, du bist also ein großer Fan hm…“
„Es kann nicht peinlicher werden… oh mein Gott“, murmelte ich mehr zu mir selbst.
„Ich mag unsere Fans und wenn sie dann noch so nett sind wie du, ist das fantastisch“, flüsterte er mir leise zu.
Ich sah ihn einfach nur an, er grinste immer noch über beide Backen, ich konnte gar nichts sagen, war in seinem Lächeln gefangen.
„NAISCHEL – schnell sie kommt…“, brüllte Martha von der anderen Straßenseite zu mir herüber.
„Danke fürs Foto, ich muss leider…meine Freundin…“
Er hielt mir einen Zettel hin, er hatte mir tatsächlich noch ein Autogramm geschrieben. Wie süss, dachte ich.
„Ich danke dir, ruf mich an“, hauchte er mir in den Nacken, bevor er sich umdrehte und weiterging.
In dem Moment sah ich das erste Mal auf den Zettel in meiner Hand.

„Für Naischel <3
eine unserer treusten Fans, kanns nicht erwarten, dich wieder zu sehen.
Ruf mich an,
Love, Trace xxx“

Darunter stand eine Telefonnummer, schnell drehte ich mich noch mal zu ihm um, ich konnte ihn aber nirgends mehr entdecken. Das war doch bestimmt ein Scherz. Ich seufzte, packte den Zettel in meine Hosentasche, schaute auf den Straßenverkehr und rannte über die Strasse zurück zu Martha.
„Oh mein Gott, was hat er dir da zugesteckt? Du hättest grad dein Gesicht sehen müssen Naischel…Was hat er gesagt?“
In dem Moment setzte sich Ashley wieder an unseren Tisch und der Ober kam mit unserem Salad.
„Psst…später…“, flüsterte ich Martha zu, sie nickte zustimmend.
„Sorry Girls, ich hatte noch ein Telefongespräch zu führen… so dann guten Appetit“, trällerte Ashley strahlend und wir fingen an zu essen.

Nach dem Essen fuhren wir zurück zu Kellans Strandhaus. Ashley meinte wir könnten schon einmal unsere Sachen verstauen und die Klatschblätter durchschauen, während sie noch ein paar Termine wahrnehmen musste.
„Ich hatte denen extra gesagt, dass ich die Woche keine Zeit habe….Tut mir leid…ich versuch so schnell es geht wieder da zu sein, kommt ihr alleine klar? Ich denke es wird erst früher Abend werden, bis ich wieder da bin. I´m so sorry“, erklärte sie niedergeschlagen, bevor sie dass Haus verließ.
Martha setzte sich aufs Sofa und zog mich mit sich. „Jetzt erzähl… Was war mit Trace?“, wollte sie neugierig wissen.
Ich erzählte ihr alles und sie kam aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus.
„Ruf ihn an, ich versteh gar nicht warum du´s nicht schon längst getan hast“
„Kellan, schon vergessen?“ seufzte ich.
„Du liebst ihn doch trotzdem noch auch wenn du Trace anrufst. Ruf ihn an, verdammt, du stehst doch total auf ihn, wolltest ihn immer mal kennen lernen, jetzt hast du die Möglichkeit, ruf an oder ich tu´s“, tadelte sie mich und hielt mir mein Handy hin.
Ich atmete noch einmal tief ein, schaute auf meinen Zettel und wählte seine Nummer.
Es klingelte, Martha fing schon neben mir an zu kichern, während mir mein Herz bis zum Hals schlug.
„Er geht nicht ran, ich leg lieber auf“, sagte ich leise, als es immer weiter klingelte. „Vielleicht hat er zu tun“
„Hm…na ja er sieht ja deine Nummer, dann soll er zurück rufen“, meinte Martha und ich nickte zögerlich und legte auf.
Wir begannen, wie von Ashley aufgetragen, die Klatschzeitungen zu durchforsten. Wir lagen schon am Boden vor Lachen, die ganzen Gerüchte, waren einfach der Knaller.
Wir verstanden jetzt, warum man nicht alles glauben sollte, was in der Presse stand.
Alleine über Rob und Kristen gab es fünf verschiedene Stories, sie sei schwanger, er sei nach New York geflüchtet, Neele sei nur seine Fake-Freundin, etc.
Ich lachte bereits Tränen als mein Handy klingelte, immer noch lachend sah ich auf den Display: Trace rief an.
„Oh mein Gott, dass ist er“
„Ja worauf wartest du noch, nimm ab“, zischte Martha.
„Hi?“, sagte ich und es klang fragend.
„Hey…ähm, ich hatte deine Nummer auf meinem Handy… wer istn da?“
„Naischel..., also die von heute Mittag...du hast mir…“, Gott er wusste gar nicht mehr wer ich war, na super.
„Oh ja, hi wie geht’s dir?“, gab er freundlich zurück.
„Danke gut, denke ich… ähm.. du sagtest ich soll dich anrufen..also..hi“, ich hätte mich schon wieder selbst schlagen können, für den Stuss, den ich da zusammenbrachte.
Ich hörte ihn lachen „Du brauchst nicht nervös zu sein oder so… Ich wollte dich gern wieder sehn, näher kennen lernen, hast du Lust, meine Schwester gibt morgen Abend ne Party, wir treten sogar auf…Also wenn du Lust hast..“
„Ähm… also ich weiß nicht…“, gab ich stotternd zurück. Ich war völlig überrumpelt.
„Überlegs dir, ich hab ja jetzt deine Nummer, ich schick dir die Adresse per Sms, dann kannst dus dir überlegen. Würd´ mich freuen wenn du kommst, ehrlich“
„Ich werd´s mir überlegen Trace“, sagte ich ehrlich. Ich wusste nicht ob das wirklich so eine gute Idee war, mit jemanden den ich eigentlich recht heiß fand, Umgang zu pflegen. Ich liebte Kellan, natürlich, aber was sollte das mit Trace jetzt werden? Was wollte er von mir?
„Hör zu, ich gebe nicht oft Leuten einfach meine Nummer, aber ich hab im ersten Moment an gemerkt, dass du nicht so ein daher gelaufener Freak bist oder so. Ich würd dich wirklich gern näher kennen lernen, einfach nur mit dir abhängen, mehr nicht, also komm vorbei, bis morgen bye“, hörte ich Trace noch sagen bevor er auflegte.
Martha sah mich fragend an. „Er hat mich zu ner Party eingeladen, er schickt noch die genaue Adresse“
„Geil, dann gehen wir morgen Abend auf unsere erste Hollywood Party“, freudestrahlend rieb sich Martha die Hände.
„Du spinnst doch Ashley wird uns niemals gehen lassen“
„Sie muss es ja nicht erfahren“, erklärte Martha und zwinkerte mir zu.
„Du bist unmöglich….“
„Ich will nur dein bestes Hase, außerdem wurden wir von unseren Männer beraubt, wir brauchen Abwechslung, wir gehen da morgen hin“, erwiderte sie feststellend, ich konnte nur noch grinsen.
Wir waren so in unserer Unterhaltung vertieft gewesen, dass wir nicht mitbekamen, wie Ashley zurückkam.
„Wie ich sehe, habt ihr auch ohne mich Spaß“, hörten wir sie plötzlich sagen und fuhren herum.
Fröhlich tänzelte sie auf uns zu und ließ sich neben uns aufs Sofa fallen.
„Und was steht in der Presse?“
„Nur Bullshit!“, sagte Martha trocken, worauf hin wir alle drei anfingen zu lachen.
„Gut dann kam die Lektion an….Mädels ich hab leider schlechte Neuigkeiten für euch… ich muss für zwei Tage nach New York, meine Agentur hat mir einen Fotoshoot reingedrückt, aber bei der Gelegenheit werde ich gleich mal nach Rob schauen können, heißt ich muss euch alleine lassen“
„Wir sind keine Babies Ash, ich denke das kriegen wir hin“, sagte ich mit leichtem Unterton in der Stimme.
„Ich hab mir auf der Herfahrt hierher Gedanken gemacht und euch ein paar Dvds gekauft. Filme von Taylor und Kellan, die werdet ihr euch morgen ansehen und mir aufschreiben, was ihr dabei fühlt. Bei Tay ist es nicht ganz so schlimm, da er in Filmen noch nicht ganz so viele Frauen geküsst hat, aber Kellan schon. Schreibt eure Gefühle auf und gebt es mir dann, damit wir darüber sprechen können. Ich geh und pack meine Sachen zusammen, tut mir echt leid“
„Kein Ding Ash, somit können wir auf die Party“, flötete Martha leise, aber Ashley hatte es wohl mitbekommen.
Sie drehte sich um und musterte uns eindringlich.
„Was für ne Party?“
„Ach nichts…“, sagte ich und versuchte glaubhaft zu wirken.
„Was für eine Party?“, bewusst betonte Ashley jedes einzelne Wort.
Ich warf Martha einen bösen Blick zu, bevor ich Ash antwortete.
„Ich bin von Trace Cyrus auf ne Party eingeladen worden, wir wollten da beide morgen Abend hingehen“
„Trace Cyrus? Dieser Metro Station Tattoo Freak? Kommt auf gar keinen Fall in Frage, das ist nicht gut für dein Image“
„Bitte was? Darf ich jetzt auch schon nicht mehr entscheiden, wen ich mag und wen nicht? Ich finde ihn sehr nett und im übrigen, ist das genau die Art von Musik, die ich mag Ashley. Ich werde mich nicht in eine Person reinzwängen lassen von dir, die ich nicht bin“, zischte ich. „Ich bin wer ich bin und ich habe nicht vor meine Persönlichkeit komplett zu ändern, nur weil sie dir nicht zu passen scheint“
Ich warf ihr einen enttäuschten Blick zu, stand auf und ging nach oben in mein Schlafzimmer.
Ich hörte Martha noch unten mit ihr diskutieren, bis beide oben plötzlich vor meiner Türe standen.
„Ich glaube du hast mich falsch verstanden Naischel, ich möchte euch nicht umpolen oder so, ich möchte euch einfach nicht ins kalte Wasser werfen. Natürlich kannst du mögen, wen immer du möchtest. Aber ich halte es trotzdem nicht für ne gute Idee auf eine Party von denen zu gehen, vor allem wenn ich nicht dabei bin“
„Ash wir brauchen keinen Babysitter“, gab ich trocken zurück.
„Tut was ihr nicht lassen könnt, ich versuche euch nur zu helfen. Also dann, ich nehm meinen Krams und schlafe heute Nacht bei mir. Ich melde mich wenn ich wieder da bin, viel Spass bei eurer Rockerparty“, zischte Ashley es sollte wohl gleichgültig klingen, aber an ihrer Stimme merkte man, dass sie total angepisst war.
Martha setzte sich zu mir aufs Bett, schweigend warteten wir bis wir unten die Türe hörten.
Nach etwa fünf Minuten hörten wir diese ins Schloss fallen.
„Krass war die sauer… Hättest du gedachte dass die so austicken kann?“, fragte Martha und schüttelte dabei den Kopf.
„Nee und ich denke wir werden bestimmt Ärger dafür kriegen“
„Wofür denn, sie muss doch weg nach New York und wir haben hier nur unseren Spass… Ich geh jetzt und bestell mir beim Lieferservice ein schöööönes Schnitzel mit Pommes, willste auch was?“
„Ja ich nehm nen Salat, danke Süße“
„Salat ist was für Hasen….das passt ja“, gab sie kichernd zurück und ging nach unten.
Ich ließ mich in meine Kissen fallen und starrte zur Decke unten hörte ich Marthas Handy klingeln. Ihr Klingelton war unverwechselbar.
Ich schloss meine Augen und versuchte ein paar Minuten Ruhe zu finden, als ich auch schon mein Handy in der Hosentasche vibrieren hörte. Ich hatte den Ton extra ausgeschaltet.
Die Augen noch geschlossen, ging ich dran.
„Hey Schatz“, hörte ich eine vertraute Stimme sagen.
„Hey“, gab ich grinsend zurück.
„Na hattet ihr Spaß heute mit Ash?“, fragte er neugierig.
„Japp, war nett…aber damit dus gleich weißt, Ash ist total sauer auf Martha und mich. Ich glaub wir müssen da einiges klarstellen Kell. Ich lasse mich nicht verbiegen“, erklärte ich ruhig und hoffte auf Verständnis seinerseits.
„Babe, das erwartet doch auch niemand, ich glaube Ash hat sich da einfach nur falsch ausgedrückt. Ich vertraue dir und meinetwegen kannst du ruhig zu Trace gehen“
Moment mal woher, wusste er davon? Boa, Ashley, dieses Biest hatte ihm bereits davon erzählt. Na klasse, was eine Petze, aber sie waren ja nun mal „best Friends“ und dass musste ich akzeptieren.
„Du bist schon wieder so still…Schatz?“
„Sie hat es dir erzählt? Sie hat dich gleich angerufen?“, hakte ich nach.
„Wir haben telefoniert ja, es tut mir leid… Ich vertraue dir, ich wollte nicht dass du das Gefühl hast, ich wollte dich umpolen oder so. Ich wollte eigentlich nur dass du deinen Spass mit Ash hast. Ich dachte ihr beiden…“
„Naja das kam anders rüber“, gab ich zickig zurück.
„Tut mir leid… also gehst du zu Trace?“
„Ich weiss es noch nicht, aber wahrscheinlich schon. Muss ich dich jetzt auch um Erlaubnis bitten?“
„Sag mal was ist denn mit dir schon wieder los? Ich hab dir nichts getan okay…“
„Ja okay… tut mir leid… ich bin einfach mies drauf…Schlaf gut Kellan, wir hören uns“, dann legte ich auf.
Ich wusste ich dürfte es nicht an ihm auslassen, aber ich war stock wütend.
Kaum dass ich aufgelegt hatte, klingelte es schon wieder.
„Was willst du noch verdammt?“, schrie ich fast in den Hörer.
„Ähm…Hi“, kam es zögerlich. Oh Scheiße, es war Trace und ich hatte ihn eben angefahren.
„Shit“, entfloh es mir, „ Sorry, ich dachte du wärst jemand anderes“
„Naja bin froh dass dein Zorn nicht wegen mir war“, gab er lachend zurück.
Und auch ich musste unwillkürlich lächeln.
„Was machst du?“
„Wie was ich mache?“
„Ja was machst du? Was treibst du heut Abend?“
„Ähm meine Freundin und ich warten aufs Essen und ich hab… mich grade mit jemanden gestritten…“
„Oh…okay… wahrscheinlich mit nem Kerl so sauer wie du warst“
„Der Kandidat hat hundert Punkte“
„Haha, ähm.. .also ich hab heute nen Tag frei…und ich weiß irgendwie nichts mit meiner Zeit anzufangen, alle meine Leute haben was anderes vor…und ich könnte mich natürlich auch ausruhen oder so, dafür ist ja ein freier Tag da….“
„Ähm… ich weiss nicht ob das jetzt genauso aufdringlich rüber kommt wie es klingt, aber wenn du Lust hast, komm vorbei“
„Okay, bis gleich, wo muss ich hin?“
Ich grinste in in mich hinein, während ich ihm die Adresse nannte, auflegte und nach unten ging.

Martha war immer noch am Telefon mit Taylor, wie ich bemerkte, beschäftigt. Ich pflanzte mich aufs Sofa und zappte durch die Programme. Zehn Minuten später klingelte es an der Haustür.
Da Martha immer noch am Telefon hing, ging ich hinüber und öffnete. Mit dicker Sonnenbrille und schwarzen Kapuzenpulli stand eine vermummte Persönlichkeit vor mir.
Fragend hob ich eine Augenbraue, während ich von hinten schon lautes Lachen hörte, ich stimmte mich ein.
Die Person trat ein und schloss hinter sich die Tür. Erst als sie verschlossen war, nahm er seine Sonnenbrille ab und zog seinen Kapuzenpulli aus.
Ich sah ihn immer noch fragend an.
„Sonst gibt’s gleich wieder Gerüchte, ich hab versucht unauffällig herzukommen“, erklärte er verteidigend.
„Ja sicher, Kapuzenpullis sind auch mehr als unauffällig im Sommer Trace“, grinste ich, drehte mich um und hockte mich zurück aufs Sofa.
Er kam zu mir und setzte sich neben mich.
„Ja… also..“
„Ja da wärste jetzt also“, gab ich lachend zurück.
„Ist das dein Haus? Schick“, stellte er fest und ließ seinen Blick schweifen.
„Nee, ist nicht meins… ich wohne hier nur...irgendwie“
„Irgendwie…?“, fragend hob er eine Augenbraue.
„Das ist das Haus von meinem Freund“, murmelte ich leise.
„Dein Freund? Okay… kenn ich ihn?“
„Kann sein, wenn du Kellan Lutz kennst“
„Ach jetzt weiß ich auch woher ich dein Gesicht noch kenne.. genau… Du bist mit Kellan zusammen, das böse Mädchen was Anna ihm weggeschnappt hat“, grinste er.
„Man sollte nicht alles glauben, was in der Presse steht“
„Glaub mir das weiß ich nur zu gut“
Wir schwiegen für einen Moment, bis er wieder das Wort ergriff.
„Erzähl mir von dir“
„Was willst du denn wissen?“
„Alles…woher kommst du, was machst du?“
„Ich komme aus Deutschland… Ich hab Kellan in Cannes kennen gelernt bei den Festspielen und was ich hier mache… hm...gute Frage…“
Martha trat ins Wohnzimmer. Langsam ging sie auf Trace zu.
„Hi wir kennen uns noch nicht, ich bin Martha“
„Trace, hi – freut mich“
Martha setzte sich auf die gegenüberliegende Couch und grinste über beide Backen. „Also ich hab noch was zusätzlich bestellt, wäre ja unhöflich wenn wir vor dir Essen, ich hoffe du magst Schnitzel“
Ich warf ihr einen Bösen Blick zu, nicht jeder stand auf Schnitzel so wie sie.
„Ähm, ja das wäre aber nicht nötig gewesen, trotzdem danke“
Es klingelte und das Essen kam.
Martha hatte bereits den Küchentisch gedeckt und wir konnten sogleich essen.
Wir unterhielten uns angeregt. Trace erzählte von seinem Leben auf Tour und wie er versuchte sich einen eigenen Namen zu machen, um nicht immer als Bruder von Miley Cyrus dazu stehen. Martha und ich erzählten ihm von unserer Zeit und unseren bisherigen Erfahrungen in der Welt der High Society.
Wir verbrachten einen schönen Abend zusammen, bis Trace sich gegen Mitternacht verabschiedete und nach Hause fuhr.
„Dann bis morgen Ladies, war wirklich schön mit euch. Das sollten wir öfter machen, wenn ich in der Stadt bin“
Er umarmte uns beide und verließ dann das Haus so vermummt wie er gekommen war.
Martha grinste mich spitzbübig an, ich ging aber nicht darauf ein, sondern ging direkt nach oben und ließ mich so wie ich war in s Bett fallen.

Der nächste Tag verlief relativ ruhig, Martha war tagsüber mit Taylor unterwegs. Er hatte sich bei ihr für sein Verhalten entschuldigt. Ich verbrachte den Tag zu Hause. Schrieb noch die ein oder andere Email, unter anderem an Neele, die sich immer noch nicht bei mir gemeldet hatte.
Ich sah mir die Filme auf Dvd an, die Ashley mir da gelassen hatte. Kellan hatte sich seit gestern Abend auch nicht noch mal gemeldet, vielleicht sollte ich ihn anrufen, bevor er sich Sorgen machen konnte.
Es klingelte gegen Nachmittag an der Tür, da ich niemanden erwartete, öffnete ich auch nicht.
Kurz darauf brummte mein Handy. Eine Sms von Trace.
Mein Herz machte vor Freude einen Hüpfer. Ich möchte ihn wirklich sehr, er war ein netter Kerl. Auf den Boden geblieben trotz seines Erfolgs mit Metro Station.

„Hey, wo bist du, steh bei dir vor der Tür, ich geb dir Fünf Minuten, bevor ich wieder fahre, wenn du da bist, mach auf“

Lächelnd legte ich mein Handy weg, ging zur Tür und öffnete. Trace saß tatsächlich davor, mit dem Rücken zu mir gewandt. Er drehte sich um und stand auf. „Ich wusste dass du da bist“, begrüßte er mich, nahm mich kurz in den Arm und ging an mir vorbei ins Wohnzimmer.
„Man könnte meinen du hättest nichts Besseres zu tun Tracie“
„Tracie? Ist das mein neuer Spitzname?“ lächelnd ließ er sich auf dem Sofa nieder und klopfte auf den Platz neben sich. Grinsend setzte ich mich zu ihm.
„Was hast du gemacht, bevor ich gekommen bin?“
„Nichts…Fernsehen geguckt, tut mir leid dass mein Leben nicht aufregend ist“
Er schaute auf den Wohnzimmertisch und seufzte als er die Dvd Hüllen betrachtete.
„Machst du Recherche?!“
„So ungefähr ja. Ashley hat mir das aufgetragen zu gucken, damit ich meine Eifersucht in den Griff kriege“
Trace begann lauthals zu lachen. „Eifersucht kann manchmal was gutes sein“
„Ja aber nicht wenn du einen vor versammelter Mannschaft zur Sau scheißt“
„Hast du das denn gemacht?“
Ich nickte, es war die Wahrheit warum, sollte ich ihn irgendetwas vormachen?
„Witzig, wie hat Kellan reagiert?“
„Fand er nicht so toll.. ich hab Anna als Schlampe beschimpft… ich kenne sie eigentlich gar nicht… aber sobald ich ihn mit ner anderen sehe, dreh ich durch und da der Abend eh im Eimer war, haben Martha und ich angefangen zu saufen… und na ja ist dann ausgeartet“
Trace grinste immer noch.
„Okay also kein Alkohol für dich, das ist gut zu wissen“
Ich zog eine Grimasse, die ihn noch mehr zum Lachen brachte.
Wir unterhielten uns noch den ganzen Nachmittag, bis er sich gegen fünf Uhr verabschiedete.
„Wir sehn uns dann später auf der Party, soll ich jemanden schicken, der euch abholt?“, fragte er noch, mit einem Fuß schon aus der Tür.
„Ähm…ich weiss nicht, ich denke ich fahre selbst. Ich muss es ja lernen, hier zu recht zu kommen“
„Okay dann bis später Süsse“, erwiderte er, zog mich in eine Umarmung, die ich sehr genoss. „See you“, hauchte er mir noch in den Nacken, bevor er sich löste und durch die Tür ging.

Ich schloss hinter ihm ab und ging in die Küche um ein kleines Abendessen zu zu bereiten. Ich hatte zwar keine Ahnung wann Martha nach Hause kommen würde, aber da sie immer und überall essen konnte, machte ich gleich etwas für sie mit.
Nachdem ich gegessen hatte, ging ich nach oben, checkte noch einmal meine Emails, wieder keine Antwort von Neele, langsam wurde ich ungeduldig.
Ich beschloss Ashley anzurufen und mich zu entschuldigen, als das Telefon bereits klingelte. Die Nummer kannte ich nicht, daher nahm ich zögerlich ab.
Es war Ashley, die sich bei mir entschuldigen wollte. Wir redeten einen ganze Weile und sprachen uns aus. Sie kam schließlich auf das Thema Rob zu sprechen und erzählte mir dass es ihm gar nicht gut ginge. Er hänge total in den Seilen wegen der Sache mit Neele, könnte sich kaum auf die Arbeit richtig konzentrieren, allerdings telefonierten Neele und er, immerhin.
Ich schlug Ashley vor, morgen zu uns zu kommen, damit wir an ihrer „Wutprobe“, wie Martha es nannte, weiter arbeiten konnten.
Nachdem ich unser Telefonat beendet hatte, schrieb ich Neele noch einmal eine letzte Email.
Ich hatte es aufgegeben. An ihr Telefon ging sie nicht und auf meine Emails antwortete sie auch nicht.
Es war schon Acht als Martha endlich nach Hause kam. Ich saß schon frisch geduscht und aufgestylt unten im Wohnzimmer.
„Sorry, sorry…. Ich bin sofort fertig… Tay und ich waren nach Wohnungen gucken.. und haben na ja… ich komm gleich“, flötete sie und rannte schon die Treppe hinauf.
Ich hörte ein paar Türen knallen, sie lauthals fluchen und dann die Dusche. Eine viertelstunde später, kam auch sie frisch gestylt runter ins Wohnzimmer.




Martha hatte eine schwarze Hotpan mit goldenen Nieten an, dazu ein rotes figurbetontes Top und rote HighHeals. Ich hingegen trug schlichte ausgewaschene Jeans und ein schwarzes Shirt, um das ganze aufzupeppen hatte mir Martha noch pink-schwarze Pumps verpasst.
Wir stiegen in Kellans Wagen, der in der Garage stand und ich brauchte ein paar Minuten bis ich mich mit diesem zu Recht fand, Martha gab währenddessen die Adresse ins Navi ein, dann fuhren wir los.

Wir fanden uns dank Navigationssystem recht gut auf den Straßen von Los Angeles zurecht. Nach gut zwanzig Minuten hatten wir die Auffahrt der Cyrus´ passiert, parkten und liefen dem „Lärm“ nach.
Im Außenbereich des Hauses war eine kleine Bühne aufgebaut und jede Menge Menschen tummelten sich bereits davor.
Suchend ließ ich meinen Blick durch die Menge gleiten, konnte Trace aber nirgendwo ausmachen.
An der aufgebauten Bar konnte ich seinen Bandkollegen Mason Musso ausmachen und beschloss diesen einfach zu fragen.
Martha zog ich dabei mit mir, sie lief an die Bar und bestellte sich erstmal ein Bier, der Barkeeper sah sie fragend an, brachte es ihr aber dennoch.
Offenbar war es hier nicht so üblich, dass Frauen auch Bier tranken, selbst bei uns in Deutschland wurden wir regelmäßig blöde angeguckt.
Ich tippte Mason leicht auf die Schulter, dieser drehte sich grinsend zu mir um.
„Hi“
„Hi Mason, wir beide kennen uns noch nicht… aber ich bin..“
„Naischel, ich weiß…Hi“
Okay offenbar hatte Trace uns angekündigt.
„Ähm…Das ist meine Freundin Martha“
„Hey Martha Honey, alles fit?“, sagte er nun an Martha gewandt, diese grinste nur und ließ ihren Blick weiter über die Menge schweifen, bis er schließlich an Nick Jonas haften blieb.
„Ei schau mal einer guck…“, murmelte sie leise und setzte sich bereits in Bewegung.
„Martha“, zischte ich und hielt sie fest, „ Das wirst du schön bleiben lassen, dass der Freund von Miley“
„Ich will doch nur Hallo sagen gehen, spiel hier mal nicht die Mutter Teresa ja“
„Oh man, haben wir nicht erst genug Ärger gehabt, bitte Martha…“
Jetzt drehte sie sich zu mir um „Ich geh nur Hallo sagen, mehr nicht“, erwiderte sie und ging weiter.
Ich sah ihr nach wie sie hinüber zu Nick lief und sich angeregt mit ihm zu unterhalten schien. Als mich von unten zwei Arme umschlangen, zuckte ich kurz zusammen.
„Hey“, hauchte Trace mir in den Nacken und ich bekam augenblicklich eine Gänsehaut.
„Ihr seit genau pünktlich, wir treten in fünf Minuten auf. Komm ich stell dich allen vor“, sagte er grinsend, nahm mich an meiner Hand und zog mit mich sich.
Ich wurde seinen übrigen Bandkollegen Anthony und Blake vorgestellt, Mason kannte ich ja schon, sowie seiner Familie, die alle bis auf seinen Stiefvater und seine kleine Schwester Noah anwesend waren.
Martha stand immer noch ziemlich nahe bei Nick Jonas und kicherte am laufenden Band.
Miley warf ihr schon ständig böse Blicke zu, bis sie schließlich mit ein paar Freundinnen aus meiner Sichtweite verschwand.
„Wenn du willst, können wir nach dem Auftritt gehen, wir müssen nicht hier bleiben“, flüsterte er mir zu, während er sich seine Gitarre umband.
„Das sehen wir dann, ich weiss noch nicht...“
„Okay… lass es mich einfach wissen… Also Jungs, lasst uns LA einheizen“, sagte er mit einem breiten grinsen und betrat mit seinen Jungs die Bühne.
Ich stellte mich ziemlich weit vorne an die Ecke und betrachtete mir das Schauspiel. Trace Blick suchte den meinen und er fixierte mich richtig, während er seine Zeilen sang.
Die Menge tobte und auch für mich gab es kein Halten mehr. Es war mir schon fast peinlich von Trace angestarrt zu werden, während ich tanzte und die Songs lauthals mitgröhlte.
Martha hatte ich dabei völlig aus den Augen verloren, aber sie würde mit Sicherheit ihren Spaß haben, ich hoffte nur sie wusste sich auch zu benehmen.
Der Auftritt war für meine Verhältnisse viel zu kurz. Trace hatte sich wie immer völlig verausgabt, war völlig verschwitzt und ich war total von meinem ersten Metro Station Live Erlebnis beflügelt.
Als er auf mich zu kam, konnte ich nicht anders und rannte ihm direkt in die Arme, sprang an ihm hoch und gab ihm einen kurzen Kuss auf den Mund.
„Danke, dass war toll“, flüsterte ich ihm leise zu und er grinste nur verlegen.
„Wenn ich immer so begrüßt werde, wenn ich von der Bühne komme, bist du ab heute mein persönliches Maskottchen“
Wir beide lachten laut, er ließ mich sanft hinunter und legte den Arm um mich, als wir plötzlich lautes Geschrei vernahmen.
Sofort machte ich die Geräuschquelle aus.
Trace Schwester Miley stand laut kreischend vor Martha, die an Nick klebte und beschimpfte diese.
„Der gehört mir, lass gefälligst deine Hände von meinem Freund, wer bist du überhaupt du kleine Schlampe“
In dem Moment veränderte sich die Szenerie und eine weitere Person trat in Akton, die wir nur zu gut kannten.
„Miley Schatz, dass ist diese kleine Schlampe von der ich dir erzählt habe, sie hat mir meinen Tay ausgespannt“, rief diese laut und grinste heimtückig.
Selena. Schlimmer konnte der Abend nicht werden.
„Ich glaube wir sollten jetzt gehen, tut mir echt leid Trace“, sagte ich genervt, lief zu Martha und packte diese am Arm. Sie verteidigte sich ebenfalls wild kreischend, wehrte sich mit Armen und Beinen gegen mich, kratze mich sogar ein paar mal in den Arm.
Widerwillig fügte sie sich dann doch und lief schweigend mit mir zu Kellans Wagen… Ich stieg ein, wartete bis sich Madame angeschnallte hatte und fuhr uns nach Hause.
Erst als wir die Auffahrt verließen, sah ich die ganzen Paparazzi stehen, die uns beobachtet haben mussten, sie standen auf Mülltonnen um über die Hausmauern schauen zu können.
Ich hoffte inständig, dass wir nicht all zu sehr aufgefallen waren und uns dadurch nicht noch mehr Ärger ins Haus stand.

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