Ich blinzelte, dann schlug ich die Augen auf. Ich sah mich um und wusste für einen kurzen Moment nicht, wo ich war, doch dann fiel es mir wieder ein.
Ich war in Bonn. Deutschland. Mehr oder weniger zu Hause. Gerade wollte ich mich wieder in mein Kissen kuscheln, als ich einen Arm um mich spürte. War Rob hier? Nein, sicherlich nicht und das Armband an diesem Arm gehörte auch definitiv nicht ihm, da war ich mir sicher. Dann konnte es nur Tom sein. Tom?? Während ich noch darüber nachdachte, schien auch er langsam zu erwachen. Er strich mir leicht über den Arm und rückte ein bisschen näher an mich heran. Ich lag auf der Seite und es war fast, als kuschelte er sich an mich. Und nicht nur das, ich fühlte nicht nur seine Nähe und seine Wärme, welche mir beide ein wenig unangenehm waren. Ziemlich deutlich spürte ich an meinem Rückgrat sein bestes Stück und zwar nicht in schlaffer Form, nein, als wäre das noch nicht genug schien er eine Morgenlatte zu haben. Und was für eine. Himmel. Als er noch näher zu mir rutschte, wurde es endgültig unangenehm. Offenbar war er kurz davor, aufzuwachen und ich betete, dass er es nicht tun würde. Auf diese Situation war ich nicht vorbereitet. Das Schicksal schien es gut mit mir zu meinen, denn er wachte nicht auf. Dass das nicht besser war, zeigte sich kurz danach. Erneut fuhr seine Hand meinen Arm hinab, stoppte dieses Mal an meiner Taille. Eine Veränderung an meinem Rücken machte sich bemerkbar und zu allem Überfluss entfuhr ihm ein Geräusch, welches definitiv nicht angebracht war, der Name, der dem folgte, war es erst recht nicht.
Ich versuchte, ein wenig Platz zwischen uns zu schaffen, wobei ich merkte, dass ich keine Hose trug. Hilfe, was war am vorherigen Abend passiert? Ich lag ohne Hose eng an ihn gekuschelt in Toms Bett. Ich musste hier raus. Schnellstmöglich. Vorsichtig hob ich Toms Arm hoch und schlüpfte unter ihm heraus. Dann eilte ich um das Bett herum um meine Hose aufzusammeln.
„Neele.“ okay, er war also doch aufgewacht. Ich antwortete ihm nicht, sondern stieg rasch in meine Hose, dann lief ich in Richtung Tür. Ich hörte, wie er hinter mir aus dem Bett stieg, doch ich war schneller. Ich riss die Tür auf und rannte den Gang entlang.
„Neele, warte.“
Er konnte froh sein, dass unsere Zimmer im sechsten Stock lagen und man diesen nur im Fahrstuhl mit der Zimmerkarte frei schalten konnte. Ansonsten wäre es für ihn sehr peinlich geworden, wenn ihn die Leute so gesehen hätten. Und für mich. Ich wusste nicht, wohin ich lief, fand mich unwillkürlich vor Naischels Zimmertür wieder. Ich zögerte, vielleicht schlief sie noch, ich wollte sie nicht wecken. Andererseits musste ich unbedingt verhindern, dass Tom mich vor ihrer Tür stehen sah. Ich klopfte.
„Naischel?“ keine Antwort. Also klopfte ich erneut, dieses Mal ein wenig lauter. „Naischel? Ich bin's, Neele.“ immerhin hörte ich nun Bewegung hinter der Tür.
„Hm....“ kam es verschlafen zurück.
„Kann ich reinkommen?“
„Ist auf.“ sie gähnte lautstark.
Vorsichtig öffnete ich die Tür und trat ein, Naischel blinzelte mich verschlafen an. Ich setzte mich auf einen Stuhl.
„Wart mal kurz, ich mach mich mal eben frisch. Oder wach...“ sie stand auf und verschwand im Bad. Ich hörte, wie sie den Wasserhahn andrehte. Es dauerte nicht lange, da kam sie zurück und setzte sich auf ihr Bett. Sie sah bereits um einiges wacher aus.,
„Was gibt’s?“
„Kannst du mir sagen, was gestern Abend vorgefallen ist?“
„Häh? Du bist zu Tom gegangen.“
„Ja und dann?“
„Keine Ahnung, ich habe ihn irgendwann angerufen und Tom meinte, dass du bei ihm schläfst.“
„Na toll. Warum hast du das nicht verhindert?“
„Wieso denn? Was ist denn passiert?“
„Keine Ahnung, das versuche ich doch gerade herauszufinden. Alles war ich weiß ist, dass ich gerade eben im Bett, ohne Hose, in Toms Armen und mit seinem mega Ständer im Rücken aufgewacht bin, verdammt.“
„Oh...“
„Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?“
„Na ja... ist doch gar nicht so schlimm. Ich habe auch mit Trace in einem Bett geschlafen.“
„Jaha, es geht auch nicht um die Tatsache mit dem Bett, da mach dir mal keine Sorgen. Es stört mich nicht mehr, mein Bett mit Kerlen zu teilen, darüber bin ich hinweg.“
„Wo ist dann dein Problem?“
„Erstens habe ich keine Ahnung, wie meine Hose und ich uns getrennt haben. Zweitens lag sein Arm um mich und drittens hatte er einen verdammten Ständer dabei.“
„Morgenlatte ist doch ganz normal.“
„Ach ja? Und wie erklärst du dir dann, dass er meinen Arm gestreichelt, dabei gestöhnt und MEINEN NAMEN gesagt hat? Und dass sich dabei NOCH MEHR geregt hat?“
„Was hat er bitte?“
„Jaha, man. Hallo träumt er von mir oder was?“
„Und ich dachte, er wüsste, was er tut. Man ich habs ihm doch sogar gesagt.“
„Na, für seine Träume kann er ja nichts.“ nahm ich ihn in Schutz, dann wurde mir der Rest ihrer Worte bewusst. „Moment mal. Wie du hast es ihm gesagt??“
Naischel wandte den Blick ab und druckste herum.
„Ich höre.“
„Ich hab ihm nur gesagt, dass ich hoffe, dass er weiß, was er tut.“ gab sie dann zu.
„Wieso sollte er das nicht wissen?“
„Ehm...“ ich hatte wirklich keine Idee, mein Gehirn arbeitete auf Hochtouren.
Es klopfte an der Tür, beinahe panisch sah ich zu Naischel.
„Naischel? Ich bin's, Tom.“
„Sag ihm nicht, dass ich hier bin!“ bat ich sie flüsternd und lief ins Badezimmer, bevor sie etwas erwidern konnte. Obwohl ich die Tür geschlossen hatte, konnte ich ihrem Gespräch lauschen.
„Naischel, ist Neele bei dir?“
„Wieso? Ich denke, sie hat bei dir geschlafen?“ fragte sie, als ob sie völlig ahnungslos wäre.
„Sie ist nicht mehr bei mir, sie ist gerade gegangen.“
„Aber dann wird sie doch sicherlich in ihrem Zimmer sein? Sie hat bestimmt nur vergessen, es dir zu sagen.“
„Sie hat nicht mit mir gesprochen, sie ist aufgewacht und einfach abgehauen.“ erklärte er niedergeschlagen. Er hörte sich geknickt an, er tat mir leid.
„Einfach so?“ ich bemerkte eine Veränderung in ihrer Haltung, doch ich konnte sie mir nicht erklären. Noch nicht.
„Ja, ich habe keine Erklärung dafür.“
Naischel seufzte. „Willst du nicht reinkommen?“ Jetzt wusste ich, was die Veränderung zu bedeuten hatte. Ich war entsetzt, ich saß hier im Badezimmer und sie bat Tom in ihr Zimmer.
„Gern.“ er trat ein und die beiden setzten sich an den Tisch. Tom nahm auf eben jenem Stuhl Platz, auf dem ich noch kurz zuvor gesessen hatte.
„Du hast überhaupt keine Vorstellung, warum Neele einfach abgehauen ist?“
„Nein.“
„Was ist gestern Abend passiert, nachdem ich dich angerufen habe?“
„Wie meinst du das? Wir haben geschlafen.“
„Genauer.“
„Als du angerufen hast, war Neele schon eingeschlafen, sie hat sich nicht mal umgezogen, also habe ich ihr die Schuhe und die Hose ausgezogen und mich dann zu ihr gelegt. Alles ganz normal.“
„Und heute Morgen?“
„Ich bin aufgewacht, weil sie aufgestanden ist.“
„Mehr weißt du nicht?“ Was sollte das denn jetzt?
„Nein, habe ich doch gesagt, deshalb bin ich hier.“
„Hm... und was ist mit deinen Gefühlen für Neele?“ hakte Naischel nach.
„Das tut hier nichts zur Sache.“ Die Art und Weise, wie er das sagte, ließ mich zurückschrecken. Was um Himmels Willen ging hier vor?
„Doch, das tut es. Also?“
„Ich glaube.... nein... ich bin mir sicher, dass es mehr ist als Freundschaft, du hattest Recht.“ Ich wollte meinen Ohren nicht trauen.
„Warum glaubst du das?“
„Da ist einfach mehr zwischen uns. Ich spüre es, wenn ihre Augen leuchten, wenn wir zusammen sind. Man muss das Knistern doch sogar hören können. Und sie merkt es auch. Das weiß ich.“ Bitte nicht, mir wurde flau im Magen. War es das, was Naischel gemeint hatte?
„Und du denkst wirklich, dass sie das genauso sieht?“
„Natürlich, sie muss einfach, es geht nicht anders. Sie muss es auch spüren.“
„Tom, du bist ihr Freund. Sie mag dich, sehr sogar, aber sie ist mit Rob zusammen... und sie ist glücklich.“
Tom schnaubte.
„Glücklich nennst du das? Wenn sie nicht anrufen kann, wen sie will? Wenn sie zu weinen anfängt, wenn sie von ihm redet?“
„Sie machen eine schwierige Zeit durch, aber das ändert nichts an ihren Gefühlen.“
„Aber er tritt ihre Gefühle mit Füßen, er schmeißt sie in den Dreck. Hat er sich schon ein einziges Mal gemeldet, seit sie hier ist? Er hat sie nicht verdient, er....“
„Rede jetzt besser nicht weiter, Tom.“ unterbrach Naischel ihn warnend. Sie konnte sich vermutlich denken, dass ich hier saß und kurz davor war in die Luft zu gehen. Was bildete er sich ein?
„Er ist ein Arschloch, sie hat was besseres verdient.“
„Boah, jetzt reicht´s!“ rief ich, schnellte hoch und riss die Tür auf. Wäre ich nicht so aufgebracht gewesen, hätte ich bei dem Anblick des fassungslosen Toms sicherlich laut losgelacht, doch in dieser Situation war mir alles andere als zum Lachen zumute. „Was bildest du dir ein???“
„Hast du die ganze Zeit zugehört?“ fragte er kleinlaut.
„Was denkst du, wer du bist?“
„Neele...“ warf Naischel ein, sie wollte offenbar versuchen, mich zu beruhigen, doch ich beachtete sie nicht.
„Du merkst doch selber, dass Rob dich im Moment absolut scheiße behandelt.“ sagte er geradeheraus.
„Das gibt dir noch lange nicht das Recht, so über ihn zu reden!“
„Du hast jemand besseren verdient, jemanden, der zu dir passt.“
„Haha, wen denn, dich vielleicht?“ ich lachte ironisch.
„Vielleicht...“
„TOM!“ Naischel schaltete sich erneut ein.
„Nein, lass ihn doch ausreden.“ sagte ich.
„Ich würde für dich da sein, dir nicht vorschreiben, mit wem du Kontakt haben darfst. Und...“ er sah mich abschätzend an.
„Ich warte.“
„Ich würde dich nicht mit meiner Kollegin betrügen.“
Fassungslos starrte ich ihn an.
„Fuck, Neele, ich wollte das nicht.“ er stand auf und kam zu mir. Flehend sah er mich an, streckte seine Hand nach mir aus.
„Fass – mich – nicht – an.“ ich betonte jedes einzelne Wort.
„Bitte, das ist mir so rausgeruscht.“
„Das hättest du dir früher überlegen sollen.“
Ich merkte, dass die Tränen in mir hochstiegen. Ich stand auf und ging ohne ein weiteres Wort an ihm vorbei, ohne etwas zu sagen öffnete ich die Tür und trat auf den Flur. Ich hörte, dass er hinter mir war, doch ich verspürte keinen Drang, zu laufen. Warum auch. Ich hatte keinen Grund, davonzulaufen. Dieses Mal nicht. Ich hatte mir nichts vorzuwerfen und die Tränen fanden ihren Weg nicht nach draußen.
„Warte doch, lass es mich dir doch erklären.“ bat mich Tom, als er neben mir angekommen war.
„Warum? Ich habe alles gehört, was du gesagt hast. Das reicht mir erstmal für die nächste Zeit.“ erwiderte ich, ohne ihn anzusehen.
„Ich habe es nicht so gemeint“
„Es ist so spontan aus dir herausgesprungen, das kam von Herzen.“
„Aber...“
„Nichts aber. Ich weiß, was ich davon zu halten habe. Du solltest einen klaren Kopf bekommen. Und ich möchte jetzt gerne die Con erleben, wenn du mich bitte entschuldigen würdest?“
Das war mehr eine Aussage, als eine Frage und er schien es verstanden zu haben.
Naischel Pov
„Scheiße“, hörte ich Tom vom Gang her fluchen. Stirnrunzelnd trat ich hinaus, als ein wütender Tom an mir vorbei rauschte.
„Okay, das wird ja ein super Wochenende“, murmelte ich mehr zu mir selbst, als ich die Tür meines Zimmers hinter mir schloss.
Neele musste sich erstmal abreagieren und bevor ich ihre ganze Wut noch zu spüren bekam, beschloss ich erst einmal in Ruhe duschen zu gehen.
Nachdem ich mich wieder wie ein Mensch fühlte und angezogen hatte, verließ ich mein Zimmer und fuhr mit einem der Aufzüge nach unten in die Hotelhalle.
Zwar war es noch relativ früh am Morgen, kurz nach zehn, aber es waren schon einige Leute unten im Foyer versammelt.
Der offizielle Conbetrieb sollte allerdings erst in zwei Stunden losgehen, also nahm ich an dass nur Hotelgäste und Angestellte momentan Zutritt im Hotel hatten.
Ich hielt nach Neele Ausschau, war so konzentriert dabei, dass ich prompt in jemanden hineinlief und es kur darauf klirren hörte. Erschrocken drehte ich mich herum und half demjenigen seinen leeren Teller und sein Besteck aufzusammeln.
„Oh, scheiße, Entschuldigung“, sagte ich freundlich und sah erst jetzt in wen ich da gerannt war. Zwei strahlend blaue Augen sahen mich grinsend an.
„Kein Problem…. Hi…bist du nicht…“
„Bin ich nicht..?“, fragend sah ich ihn an.
„Okay, ähm… Hi ich bin Kyle und du bist glaube ich die Freundin von Kellan oder?“Scheiße, warum kannte er mich und ich ihn nicht?
„Hm…. Warum hab ich was angestellt?“, fragte ich nervös zurück.
„Nein, also nicht dass ich wüsste… Ich wollte gerade frühstücken, hast du nicht Lust… also..“
„Ähm, ich suche eigentlich meine Freundin… du hast nicht zufällig eine blonde junge Frau hier aufgebracht vorbei rauschen sehen?“
Er musterte mich einen Augenblick und schien zu überlegen. „Doch, wenn du Neele meinst, ich wollte ihr gerade einen Kaffee holen“
Ich seufzte erleichtert aus, sie war hier und nicht geflüchtet, aber moment mal, warum…
„Sie ist hier bei dir?!“
„Ja sie ist in etwa ebenso in mich gerannt wie du eben, das wird glaube ich heute nicht mein Tag“ erklärte er lächelnd.
Ich nickte verwirrt und sah mich wieder nach Neele um. „Sie sitzt dort hinten“, holte er mich aus meinen Gedanken zurück. Ich nickte dankbar und endlich entdeckte ich sie. Neele saß in einer abseits stehenden Sitzecke und hatte einen riesenteller Köstlichkeiten vor sich stehen.
Sofort war ich bei ihr. „Neele, Mensch ich hab mir schon Sorgen gemacht“
„Na wenn du dir seit ner halben Stunde Sorgen machst, warum bist du mich erst jetzt suchen gekommen?“, zischte sie genervt.
Ich ließ mich in den gegenüber stehenden Stuhl sinken und schwieg, während Kyle einer Bedienung etwas zuflüsterte.
„Es tut mir leid“, versuchte ich es.
„Was genau? Dass du wusstest dass dieser Idiot in mich verliebt ist und du mir nichts gesagt hast? Oder vielleicht auch die Tatsache, dass ich Rob dafür angelogen habe, Stress mit ihm habe, obwohl er die ganze Zeit Recht hatte???!“, Neele war außer sich vor Zorn.
„Es tut mir leid, ich wusste doch nicht… Ich wusste nicht dass du Rob belogen hast, dass hast du mir erst im Flieger her erzählt, falls du dich daran erinnerst“, gab ich wütend zurück.
„Hier ist vielleicht nicht der passende Ort um das zu klären… Ich bin sauer auf dich und enttäuscht, dass du mir nicht gesagt hast, dass er Gefühle für mich hat“
„Ich hatte nur ne Vermutung, er hat es immer abgestritten“
„Himmel, wie lange weißt du das denn schon?“
„Seit Vegas“
„SEIIIIIIIIT VEGAS und du hast mir nix gesagt… Naischel… ich bin… fassungslos“
„Ladies nicht so laut, die Leute gucken schon, wenn ihr etwas zu besprechen habt, dann bitte…“, mischte sie plötzlich eine Frau ein, die zu uns an den Tisch gekommen war.
„Wir haben nichts mehr zu bereden…“, zischte Neele und funkelte mich böse an.
Es tat mir so leid, aber was hätte ich denn tun sollen?
Neele stand auf, beugte sich noch einmal zu mir herunten und flüsterte leise „Ich denke es ist das Beste für uns beide, wenn wir uns erstmal aus dem Weg gehen“
Geschockt sah ich sie an, das konnte sie doch nicht ernst meinen? Aber offenbar tat sie es, denn sie drehte sich abrupt um und verschwand in Richtung der Aufzüge.
Traurig sah ich auf den Tisch vor mir, so hatte ich mir unser Deutschland Wochenende nun wirklich nicht vorgestellt.
Dieser Kyle kam zurück an den Tisch und sah mich fragend an. „Wo ist deine Freundin?“
„Keine Ahnung…“, murmelte ich seufzend.
„Oh… ihr kriegt euch schon wieder ein, ihr seid doch Freundinnen oder nicht?“
„Hmpf…“ Ich zuckte mit den Schultern, während er sich zu mir setzte. „Woher kenn ich dich?“
Ich glaube man konnte die Fragezeichen auf meiner Stirn förmlich sehen, denn er grinste mich belustigt an, ehe er mir antwortete.
„Ich bin Kyle, Kyle Schmid. Blood Ties“
„Ach so… Scheiße tut mir leid, dass ich dich nicht erkannt habe… ähm..“, fing ich an nervös herum zu stottern.
„Das macht mir überhaupt nichts, ich weiß dass die Serie noch nicht so erfolgreich hier in Deutschland ist, aber wir arbeiten daran. Es ist mal ganz angenehm, nicht ständig angeschrieen zu werden oder überhaupt verfolgt zu werden“
„Woher kommst du?“, platze es auf einmal heraus.
Er grinste breit. „Eigentlich aus Mississauga, Canada. Aber ich wohne in LA“
„Echt? Komisch, dass wir uns vorher noch nie so über den Weg gelaufen sind“
Hey, versuchte ich gerade ernsthaft mit ihm zu flirten? Was zum Teufel war in mich gefahren?
Zur selben Zeit in Vancouver....
Kellan Pov
Drehpause, endlich. Nach zehn Stunden Dreh hier in der Kälte von Vancouver hatte ich auch gehörig die Schnauze voll. Mir war kalt und Kristen Genöle ging mir auch tierisch auf die Eier.
Seitdem Neele mit Naischel nach Deutschland aufgebrochen war, hatte sie ein gehässiges Lächeln aufgesetzt und machte sich permanent an Rob heran, dieser schien es nicht einmal zu bemerken.
Gerade spürte diese Hexe
Ashley bemerkte meine hasserfüllten Blicke, die ich mit Kristen austauschte und fiel mir liebevoll um den Hals.
„Reg dich nicht auf über sie, sie meint es nicht so“, flüsterte sie mir beruhigend zu.
„Ich kann nicht, sie bringt Unruhe hier rein und das kann ich nicht leiden“, gab ich mürrisch zurück.
Zusammen mit Ashley lief ich zu unserem Trailer, ich hatte Hunger und wollte mir noch etwas aus dem Verpflegungszelt holen, als ich Rob und Kristen erblickte. Sie saßen eng beieinander an einem der Tische und nahmen ebenfalls eine kleine Stärkung zu sich.
Ich schnappte mir mein Sandwich und setzte mich zu ihnen an den Tisch. Kristen unterbrach ihr Gespräch mit Rob und warf mir einen bösen Blick zu, ich hingegen grinste sie einfach nur an.
„Und schon was von deiner Freundin gehört?“, fragte sie mich bissig.
„Ja, sie sind gut angekommen“, erwiderte ich und biss von meinem Sandwich ab.
„Sag mal Rob, hattest du nicht gesagt dass dieser Felton nicht kommen würde?“
„Ja, was ist mit ihm?“, fragte Rob daraufhin und etwas in seiner Stimmlage veränderte sich.
„Nun, ich habe vorhin noch einmal die Gästeliste auf dieser Convention gescheckt und er hat nicht abgesagt, er ist da“
„Das kann nicht sein Kris, da musst du dich verguckt haben. Neele hat gesagt, dass er nicht kommen kann…“, verteidigte Rob seine Freundin.
„Rob, dann hat sie dich belogen“, antwortete sie liebevoll, während er vehement den Kopf schüttelte.
„Das kann nicht sein Kris, sie würde mich nie belügen…“
„Rob…“
„Nein, Kris… du kannst ja vieles über Neele denken, aber nicht dass…“ Robs Kopf fuhr herum und er sah mich fragend an. „Kell´ was weißt du darüber?“
Ich verschluckte mich beinahe an dem Sandwich. Natürlich wusste ich dass Tom Felton dort anwesend seien würde, Naischel hatte es mir selbst gesagt, aber ich hatte nichts davon geahnt, dass Rob offenbar nicht die Wahrheit wusste.
Ich war in der Zwickmühle, verdammt, was sollte ich jetzt machen?
„Kellan?“
„Ähm Rob… ich bin mir nicht sicher…“
„Dann lass uns am besten mal nachsehen Robert, ich hab meinen Laptop in meinem Trailer“, heizte Kristen das Thema weiter hoch.
Rob erhob sich, nickte mir kurz zu, während Kristen freudestrahlend aufsprang, Robs Hand in ihre nahm und ihn mit sich zog.
Scheiße, wenn er jetzt erfuhr, dass Tom wirklich in Bonn war, würde der Teufel los sein.
In einer schnellen Bewegung ergriff ich mein Handy und wählte die Nummer meiner Freundin.
Es klingelte, niemand nahm ab. Ich versuchte es noch ein weiteres Mal, aber nichts.
Ich probierte es bei Neele auf dem Handy, auch dort erreichte ich nichts. Verdammt, wozu hatten die beiden Handys dabei, wenn sie nicht ran gingen oder sie wo möglich noch auf dem Hotelzimmer liegen ließen.
Ich stand auf und lief in Richtung meines Trailers als Rob wütend auf mich zu lief.
„Kell, hast du das gewusst?“
„Was soll ich gewusst haben Rob?“, tat ich unschuldig.
„Dieser Typ ist auch da, HAST DU DAS GEWUSST?“, die letzten Worte brüllte er förmlich.
„Ich.. also.. du hast mich nicht gefragt“
„Du wusstest ich kann den Typen nicht ab und sagts mir nichts?“
„Ich wusste nicht, dass du es nicht weißt okay“
„SIE HAT MICH ANGELOGEN, DIE GANZE ZEIT!!!! DU HAST MICH ANGELOGEN!!!!“, zischte er aufgebracht.
„Rob, bitte… ich …“
„Komm mir nicht so Kellan, du bist genauso verlogen wie meine Freundin. Von deiner Schlampenfreundin hätte ich es nicht anders erwartet, aber Neele… wie konnte sie nur“
„Nimm sofort zurück was du über meine Freundin gesagt hast“, brüllte ich zurück.
„Was soll ich zurück nehmen? Die belügt dich doch auch nur, die fickt sich bestimmt auch durch die Welt und du merkst es nicht einmal oder wie erklärst du dir sonst dass sie mit diesem tattowierten Assi herumhängt. Sie betrügt dich und du willst es dir nicht eingestehen.“
„Nimm das SOFORT zurück“
„Sonst was?“
Ich wurde richtig wütend und so langsam kam ich mit meiner Selbstbeherrschung an meine Grenzen. Was erlaubte Robert sich da eigentlich? Warum ließ er das an Naischel und mir aus? Bei uns lief es mehr als gut, wir hatten nicht die Probleme, die er und Neele hatten. Natürlich war ich anfangs eifersüchtig auf ihre Freundschaft zu Trace gewesen, aber ich vertraute ihr und dass voll und ganz.
„Nimm das zurück Rob. Ich vertraue meiner Freundin und Vertrauen ist offenbar etwas, was dir fern liegt“
„Vertrauen…Ha, solchen dahergelaufenen Schlampen kann man doch gar nicht vertrauen, die haben sich doch von Anfang an nur an uns heran geschmissen, weil sie auf unseren Erfolg und unser Geld scharf waren“
Boa, das brachte das Fass zum überlaufen. Dieser Kerl bekam doch gar nicht mehr mit, was er da erzählte, aus ihm sprach der ganze Hass. Hass auf Tom, den er jetzt auf unsere Frauen und auch auf mich projizierte.
Mit einem Satz schnappte ich ihn mir am Kragen seiner Jacke und drückte ihn gegen die Wand des Trailers.
„Nimm das sofort zurück… Du weißt gar nicht, was du da sagst. Nimm sofort zurück, dass meine Freundin eine Schlampe ist, hast du mich verstanden?“, brach es aus mir heraus.
„Hey Leute, hört doch auf, beruhigt euch erstmal wieder“, vernahm ich Taylors Stimme hinter mir und auch anderes Gemurmel nahm ich war, beachtete es aber nicht.
„Was jetzt Kellan, willst du mir etwa weh tun, denkst du damit würdest du durchkommen? Den Hauptdarsteller verprügeln, denkst du ich hätte Angst vor dir?“
Er legte es wirklich darauf an, ich ballte meine freie Hand zur Faust und holte aus…
Rob schloss die Augen und wartete auf meinen Schlag, der neben seinen Kopf in den Trailer traf.
„Den Gefallen werde ich dir nicht tun, Rob, ich bin schwer enttäuscht von dir und sobald dass alles hier vorbei ist, will ich dich nie mehr wieder sehen. Du bist für mich gestorben du blödes arrogantes Arschloch“, ich ließ ihn los und trat einen Schritt zurück. „Vielleicht erinnerst du dich nicht mehr daran, aber ich sehr wohl. Du warst es, die um Neele gekämpft hat, der für diese Beziehung gekämpft hat und du Hornochse bist gerade dabei sie zu zerstören und ich werde nicht zu lassen dass du oder Kristen meine zerstören“ Dann wandte ich mich an Kristen, die die ganze Szenerie verfolgt hatte. „Gute Arbeit, jetzt hast du ja erreicht, was du wolltest“
Ich spukte neben ihr in den Boden und lief schnellen Schrittes in Richtung meines Trailers, hinter mir vernahm ich Schritte, offenbar rannte jemand hinter mir her, aber mir war es egal…
Ich wollte allein sein, ich musste nachdenken…
Hatte Rob vielleicht doch Recht und ich war zu engstirnig was Trace betraf? Naischel verbrachte schon viel Zeit mit ihm, wenn er in LA war, generell wenn sie sich trafen. Sie mochten sich, dass wusste ich, aber war da mehr?
Ich musste zu geben, dass ich mir schon öfters über die beiden Gedanken gemacht hatte. Oftmals schlief sie bei ihm, wenn ich nicht in der Stadt war, oder er schlief sogar bei uns im Haus, zwar im Gästezimmer, aber er schlief bei uns. Sie schlief bei ihm…
Ich vertraute ihr wirklich, aber dennoch beschlich mich ein komisches Gefühl. Von Naischel wusste ich dass Tom sich in Neele verliebt hatte, Neele aber nichts von dessen Gefühlen ahnte. Was würde passieren wenn Trace ebenfalls Gefühle für Naischel entwickelte? Wie würde sie oder auch ich reagieren?
Ich bemerkte nicht wie Ashley hinein trat, wohl aber wie sie sich zu mir setzte.
Beruhigend strich sie mir über den Rücken und ich lehnte meinen Kopf an ihre Schulter.
Wir beide schwiegen, sie wusste genau was in mir vorging. Sie war meine beste Freundin, ich liebte sie auf eine gewisse Weise, aber das war reinplatonisch. Ich konnte mit ihr über alles reden, wir verstanden uns auch ohne Worte, ich wusste sie würde immer für mich da sein, egal was kommen würde, genauso wie Naischel – Naischel liebte sie von ganzen Herzen und ich musste einfach Vertrauen zu ihr haben...
Insgeheim wünschte ich mir Rob würde endlich aufwachen und sehen was er da eigentlich anrichtete, er war drauf und dran Neele zu verlieren, sie geradewegs in Toms Arme laufen zu lassen…
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Neele Pov
Wütend saß ich auf meinem Zimmer, was fiel Naischel ein mir in den Rücken zu fallen, was zum Teufel ritt Tom, dass er sich einfach so in mich verliebte? Ich dachte wir wären Freunde, richtig gute Freunde…
Mein Handy piepte, Kellan hatte versucht mich ein paar Mal zu erreichen, aber ich hatte ihn immer wieder abgewiesen.
Intuitiv sah ich jetzt allerdings auf mein Handy, ich bekam eine Sms, mir blieb fast das Herz stehen als ich sah, von wem diese war.
Sie war von Rob…
Entsetzt sah ich auf mein Handy, widerholte seine Worte immer und immer wieder, konnte diese aber nicht wirklich fassen.
"Wird's dir mit mir zu langweilig oder warum betrügst du mich jetzt mit dem nächst besten Typen, der dir über den Weg läuft? Meinst du wirklich ich wäre so dumm und wüsste nicht dass du gerade jetzt mit Tom im Bett liegts? Es ist vorbei, ich will dich nie wieder sehen“

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