Ich war so müde, genervt drehte ich mich von einer auf die andere Seite. Mein Kopf brummte fürchterlich, meine Augen brannten sobald ich sie auch nur öffnete. Sterben, ja genau das war mein sehnlichster Wunsch in diesem Moment. Alkohol war mein Feind und ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben einen Kater.
Was war nur passiert? Vage waren meine Erinnerungen an den gestrigen Abend.
Ich hörte Naischel von unten laut fluchen, wahrscheinlich war sie in ihrer Tollpatschigkeit wieder gegen irgendetwas gerannt oder hatte sich am Wasserkocher verbrannt, wie schon die Tage zuvor.
Ich nahm noch eine weitere Stimme wahr, die nun ebenfalls fluchte. Naischels Stimme wurde lauter, ich bekam aber nur Bruchteile mit, aber ich hörte ganz deutlich meinen Namen. Also beschloss ich aufzustehen und mir meinen Weg nach unten zu bahnen.
Mit zusammengekniffenen Augen stolperte ich nach unten.
„Naischel so etwas darf einfach nicht passieren…Hab ich euch nicht gesagt, ihr sollt aufpassen. Guck doch mal wie das aussieht“, trällerte eine bekannte Stimme, ich konnte sie nur noch nicht zuordnen.
„Ach da ist ja die Übeltäterin, na auch schon erwacht Prinzessin“, sagte Naischel spitz.
„Hm…“, brummte ich und ließ mich auf einen Stuhl sinken, den Kopf in meine Hände gestützt, die Augen immer noch geschlossen.
„Martha was war gestern Abend los, kannst du mir das hier erklären?“, fragte wieder die freundliche Stimme.
Ich riskierte einen Blick, öffnete ein Auge und sah Ashleys mürrischen Blick, mit dem Finger deutete sie auf die Zeitung, die vor mir lag.
Langsam las ich die Schlagzeile „Eklat bei Hollywoods Teenie Clique: Lautner Freundin versucht Cyrus Nick Jonas auszuspannen“.
Grinsend sah ich Ashley an, die ihren Blick nur noch mehr anspannte. „Ließ es noch mal“, bat sie mich zögernd.
Ich seufzte und las jedes einzelne Wort noch einmal laut vor. Es dauerte ein paar Sekunden bis ich begriff was ich gerade vorgelesen hatte.
„ACH DU SCHEIßE!!“, brach es aus mir heraus und ich riss die Zeitung hoch, um den Artikel zu lesen.
„Das stimmt alles gar nicht Ash… So war das kein bisschen…“
„Und wie war es dann, Naischel hat gesagt dass ihr schon ganz schön heftig am Flirten wart“
Böse warf ich Naischel einen Blick zu, diese Hexe. „Natürlich hab ich mit ihm geflirtet aber du hättest mal die da mit ihrem Trace sehen müssen“
„Wir sind nur Freunde“, verteidigte sich nun Naischel.
„Na sicher und ich bin noch Jungfrau“, zischte ich zurück.
„Ladies, ich bitte euch….Martha das mit Naischel hab ich schon geklärt, aber was hat das mit Nick auf sich?“, hakte Ashley hart nach.
„Da war nichts…es sollte nur so aussehen, als ob… Nick wollte Miley eifersüchtig machen, das war alles…“, erzählte ich wahrheitsgemäß.
Miley hatte sich mit ihren Freundinnen verdrückt und Nick wollte einfach ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ich half ihm dabei, in dem ich heftig mit ihm flirtete, was seine Wirkung ja auch nicht verfiel. Miley war stinksauer gewesen, dass Selma dann auch noch aufgetaucht war, dafür konnte ich ja nun wirklich nichts.
Ashley musterte mich immer noch. „Nun gut, erklär es lieber Taylor, du sollst ihn zurück rufen und Naischel, Kellan würde sich mit Sicherheit auch über ein Lebenszeichen deinerseits freuen“
Naischel nickte und verließ die Küche, ich schnappte mir ebenfalls mein Handy und rief Tay zurück.
Ich erklärte ihm die Sache auf der Party, beteuerte meine Liebe zu ihm und alles war wieder in Butter.
Breit grinsend ließ ich mich zurück in meinen Stuhl sinken. „Siehste, alles palletti. Tay sieht das nicht so eng“
„Und was wäre, wenn es anders herum gewesen wäre?“, wollte Ashley neugierig wissen.
„Hm… ja dann wäre ich wahrscheinlich ausgerastet und hätte ihn verlassen, haha“
„Siehst du und daran wollen wir arbeiten, Saufen ist für dich bis auf weiteres untersagt Fräulein“
„Bitte was, spinnst du? Du bist nicht meine Mami Ashley Greene“, protestierte ich.
„Martha wir machen es jetzt so wie Ash sagt, wenn sie sagt keinen Alkohol, dann halten wir uns daran“, erwiderte Naischel, die zurück in die Küche kam, Verräterin.
Ich seufzte und ergab mich meinem Schicksal. „Also was hast du noch mit uns vor?“
„Oh Mädels, es ist nicht schwer, wir wollen nur eure Jungs am Wochenende überraschen oder etwa nicht? Wir gehen zusammen auf eine Party am Wochenende und da werdet ihr euch ganz Ladylike präsentieren. Es ist ein Frauenmagazin dass dort eine Party gibt, sprich es werden viele Damen dort sein, die euren Jungs schöne Augen machen und ihr werdet kein bisschen eure Eifersucht zeigen. In euch kann es brodeln soviel es will aber nach außen wird nichts gezeigt, verstanden?“
Naischel und ich nickten zustimmend.
„Heute Abend werden wir tanzen gehen und üben wie man mit dem richtigen Tanzstil Männer den letzten Verstand raubt. Martha kann das ja schon ganz gut, wie ich gehört habe“, Ashley grinste mich wohl wissend an.
Ja ich konnte Tanzen, verdammt gut um genau zu sein. Ich wusste wie man die Typen um den Verstand brachte, mit einfachen „Handgriffen“ beziehungsweise in dem Fall Tanzschritten.
Ich tanzte gern lasziv und zeigte immer was ich zu bieten hatte. Ich war richtig glücklich dass ich das alles jetzt mit einbringen konnte in unser Training.
„Naischel du könntest Trace fragen ob er sich, falls er Zeit hat, als Testobjekt zur Verfügung stellen möchte und für dich Martha, hm… Nick Jonas wird dann wohl ausfallen“, verkündete Ashley und versuchte ein Lachen zu unterdrücken.
„Jaja sehr witzig“, grummelte ich.
„Vielleicht kennt Trace noch jemanden, vielleicht Mason?“
„Oh Gott, der Fette…nee danke Naischel“
„Hey Mase ist ein toller lieber Kerl und du sollst ja nichts mit ihm anfangen“, zischte Naischel böse zurück.
Gott seit dem sie ihren Schwarm Trace Cyrus getroffen hatte, war die wirklich völlig durch den Wind.
„Ruf Trace mal an, zur Not in der Disco wird es auch genug Männer geben, an die ihr euch ranschmeißen könnt“
„Stimmt, ich brauch nämlich keine Almosen“, wetterte ich, während Naischel bereits mit Trace sprach.
Es war witzig sie dabei zu beobachten. Ihre Wangen färbten sich leicht rosa und sie schmunzelte und kicherte immer wieder. Hätte ich es nicht besser gewusst, würde ich sagen sie wäre total verschossen in den Typ, aber sie hatte ja Kellan.
Sie kicherte erneut und legte dann auf. „Sie haben heute Abend hier in LA einen Auftritt, aber danach kommen Mase und er gerne mit“
„Prima“, freute sich Ash. „Dann können wir ja jetzt shoppen gehen. Ach hast du Trace gefragt ob er uns auf die Gästeliste stellen kann, du willst doch bestimmt das Konzert nicht verpassen?“, fragte sie nun an Naischel gewandt.
„Ist das dein ernst? Oh Ash, das wäre super…“ und schon hing sie wieder am Hörer und leises Kichern war zu vernehmen. Ich verdrehte lustlos die Augen, die hatte echt nen Schuss.
Naischel Pov
Wie immer kamen wir mit voll gepackten Tüten nach Hause, Ashley liebte es uns einzukleiden.
Nachdem wir ausgepackt, geduscht und uns fertig gestylt hatten, machten wir uns auf Weg in einen kleinen Club, wo die Jungs von Metro Station heute auftreten sollten.
Schnell hatten wir uns dank John, Trace´s Bodyguard, durch die vor dem Club wartende Menge gekämpft.
„Danke John“, sagte ich aufrichtig als er uns in den Backstagebereich schleuste.
„Keine Ursache Miss, viel Spaß wünsche ich ihnen, wenn sie Probleme haben, wenden Sie sich ruhig an mich“, erwiderte er, nickte kurz und verschwand.
„Können wir reingehen oder willst du hier wurzeln schlagen“, meckerte Martha und öffnete bereits die Tür.
Mason, Blake und Anthony saßen um einen kleinen Tisch versammelt und spielten mit ihren Handys herum.
Als Mason uns erkannte, stand er blitzschnell auf um uns zu begrüßen. Trace konnte ich allerdings nicht entdecken.
„Hey Leute, was geht ab? Schön euch hier zu haben… Oh wer ist denn das, ist das euer Babysitter? Guck mal Blake, ich wünschte sie wäre meiner“ Mason lachte und deutete auf Ashley, die nur schmunzelte.
Ich stellte sie den Jungs vor und Martha setzte sich zwischen Blake und Anthony und unterhielt sich angestrengt.
„So und ihr wollt später Tanzen gehen?“, fragte Mason neugierig und schmiss Ashley verführerische Blicke zu.
„Ja genau, kommst du auch mit?“, Ashley lächelte ihm höflich zu und warf mir einen viel sagenden Blick zu. Ich könnte nicht anders und musste schmunzeln.
Mason flirtete heftig mit Ash, was ihr deutlich unangenehm war.
Zwei Arme umschlingen mich von hinten und mir wurde ein sanfter Kuss auf die Wange gedrückt.
„Hey Süße“, flüsterte er und ich zog seinen Duft tief ein.
„Hey Hübscher“, murmelte ich zurück und legte meine Hände auf seine.
Ashley schüttelte murmelnd den Kopf, in meine Richtung blickend. Es war mir egal was sie dachte, Trace und ich verstanden uns unwahrscheinlich gut und gerade jetzt wo Kellan nicht da war, gab mir Trace den Körperkontakt, der mir so sehr fehlte. Ich konnte mich an ihn kuscheln ohne weitere Hintergedanken. Er mochte mich sehr, wie er immer wieder betonte, aber mehr nicht. Es wurde Zeit dass das auch die anderen begriffen, alle um uns herum.
Trace löste sich von mir, nahm meine Hand in seine und zog mich mit sich zum Sofa. Er ließ sich niedersinken und platzierte mich auf seinen Schoß. Müde lehnte er seinen Kopf an mich.
„Kommt Leute es ist spät die Leute wollen uns, sie sollen uns kriegen“, gröhlte Mason lauthals und stürmte als erstes hinaus, dicht gefolgt von Blake und Anthony.
Ich stand von Trace´ Schoß auf, reichte ihm meine Hand und zog ihn nach oben. Sanft lehnte er seinen Arm um mich, Ashley und Martha folgten uns grinsend als wir den Raum verließen.
Wir begleiteten ihn zur Bühne, wo bereits die drei anderen Jungs auf ihn warteten.
„Wartet dort im Raum auf mich, ich komme auf jeden Fall, je nach dem wann mich die Fans gehen lassen“
Ich wusste dass er nach der Show den Fans immer noch für Fotos und Autogrammwünsche zur Verfügung stand. Trace umarmte mich kurz, gab mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange und verschwand mit seinen Jungs auf der Bühne.
Grinsend drehte ich mich zu Martha und Ashley um, die mich neugierig musterten.
„Was?“
„Also wenn ihr nur Freunde seid, fress ich nen Besen“, lachte Martha laut.
„Dann fang schon mal an“, erwiderte ich gereizt, sie wusste dass wir nur Freunde waren, warum machte sie immer wieder solche Anspielungen?
Wir Mädels ließen uns von John, der uns zufällig wieder über den Weg lief, nach vorne in den Seitengraben bringen, von dem wir eine gute Sicht auf die Bühne hatten und genossen das Konzert. Sogar Martha musste zu geben dass die Jungs echt eine heiße Show hinlegten.
Nach dem das Konzert beendet war stürmten die Jungs hinter die Bühne, duschten und zogen sich um.
Wir gingen derweil zurück in den Aufenthaltsraum und warteten auf Trace. Es verging über eine Stunde als er endlich eintratt.
„Sorry, aber die wollten mich einfach nicht gehen lassen. Ähm…wenn’s okay für euch ist, Mason und Ant wollen beide mit…aber Ash sollte Mase zu aufdringlich werden, sag bescheid“
„Oh… ja danke“, stammelte Ash, sie schien nervös zu sein, das kannte ich gar nicht von ihr. Fragend sah ich sie an.
„Nicht was du schon wieder denkst… es ist mir unangenehm, das ist alles“, flüsterte sie mir zu, zustimmend nickte ich.
„Also dann lasst uns gehen, die Jungs warten bereits draußen“, sagte Trace fröhlich, legte wie immer seinen Arm um mich und schob mich nach draußen.
Wir fuhren zusammen mit einem kleinen Bus zu einer Disco namens „Belagio“, welche laut Trace und Ashley die Top Disco schlechthin in LA war.
Dank Ashley und Trace mussten wir nicht lange warten, sondern konnten direkt eintreten.
Ashley zog Martha und mich zur Seite, während die Jungs sich um die Getränke kümmerten.
„Also Ladies, ihr wisst was ihr zu tun habt, tanzt die Jungs um den Verstand“
„Nichts leichter als das, Ash“, lachte Martha und lief Anthony bereits entgegen.
Mason und Trace kamen auf Ash und mich zu und gaben uns unsere Getränke.
Ash hatte einen Cocktail, ich ein Bier, gemeinsam stießen wir an.
„Auf einen wunderschönen Abend“, sagte Mason verführerisch und grinste Ashley an, diese konnte nur ein weiters Mal mit den Augen rollen.
„Komm“, flüsterte ich Trace zu und zog ihn mit mir auf die Tanzfläche.
Er guckte zwar etwas überrascht aus der Wäsche, tanzte aber dennoch mit mir.
Ich tanzte ihn zwar nicht so lasziv an wie Martha Anthony, aber dennoch hatten wir unseren Spaß.
Martha rieb sich an Anthony, dem Hören und Sehen verging. Sie tanzte ihn verboten gut an, er stieg drauf ein und am Ende des Abends kamen beide total verschwitzt auf uns zu.
„Na was habt ihr denn getrieben?“, fragte ich grinsend.
„Getanzt“, erwiderte Martha grinsend. „Ich nehme an ich hab meine Prüfung bestanden Ash?“ Suchend ließ sie ihren Blick schweifen. „Wo zur Hölle ist sie?“
„Nach Hause, Mason meinte er müsste ihr den Hof machen“, gab Trace lachend zurück.
„Na super, okay also können wir dann gehen, ich bin völlig fertig?“, fragte Martha und trank mein Restbier leer.
„Klar, ich bin auch müde, lasst uns gehen“
Wir teilten uns mit Trace und Anthony ein Taxi, waren kurze Zeit später bereits zu Hause.
Schnell war Martha im Haus verschwunden, Anthony warf ihr einen sehnsüchtigen Blick nach, stieg aber wieder ins Taxi. Trace brachte mich noch zur Tür, umarmte mich und wollte mir wie immer einen Kuss auf die Wange drücken, als ich meinen Kopf zu schnell herumdrehte und seine Lippen auf meine prallten. Ein Prickeln durchzog meinen Körper. Beide fuhren wir ruckartig mit unseren Köpfen auseinander und sahen uns erschrocken an. Verdammt - was war das gewesen?
„Ähm… Gute.. .Nacht“, stammelte ich und wollte einen neuen Versuch starten ihn „freundschaftlich“ wie immer auf die Wange zu küssen, ich kam seinen Gesicht immer näher, Trace nahm mein Gesicht in seine Hände und sah mir tief in die Augen. Ich weiß nicht welchen Zuspruch er in meinen Augen fand, aber er zog mich näher an sich heran und gab mir einen bittersüßen Kuss auf den Mund. Erst wollte ich mich entziehen, aber stattdessen erwiderte ich völlig benommen den Kuss. Seine Zunge bat um Einlass, den ich ihr nur zu gerne gewährte. Ich drückte mich fest an ihn, legte meine Arme in seinen Nacken, um auch den allerletzten Widerstand zwischen uns zu überbrücken. Er küsste so unglaublich gut, mein Körper prickelte an jeglichen Stellen an denen er mich berührte, mein Herz pochte wie ein Presslufthammer.
Außer Atem lösten wir uns von einander und während ich nach Atem rang, überkamen mich sämtliche Schuldgefühle. Ich hatte Kellan verraten und ich hatte meine Freundschaft zu Trace aufs Spiel gesetzt.
Was hatte ich nur getan?
Ich wagte es nicht ihn anzusehen. Er war es, der das Wort ergriff. Sanft nahm Trace meine Hand in seine.
„Es tut mir leid, ich hätte nicht… aber es war sehr schön… und das wird nichts zwischen uns ändern…schau mich an“, sanft legte er eine Hand unter mein Kinn und zwang mich ihn anzusehen.
„Es ändert nichts okay“, wiederholte er sich.
„Das ändert alles Trace, alles….“, sagte ich traurig, ließ in stehen und rannte die Treppen hinauf in mein Zimmer….
Es dauerte lange bis ich an diesem Abend einschlief. Völlig gerädert stand ich am nächsten morgen auf. Von Ashley klebte eine Notiz am Kühlschrank, dass sie erst heute Abend wieder hier sein würde. Von Martha fehlte ebenfalls jede Spur, aber ich fand auch von ihr einen Zettel im Wohnzimmer, dass sie sich mit Tay ein paar Appartsments ansah.
Ich fühlte mich schrecklich, nach der Sache gestern Abend. Mit gemischten Gefühlen sah ich auf mein Handy, zehn Anrufe in Abwesendheit, fünf von Trace und fünf von Kellan. Na super, dachte ich.
Ich rief keinen der beiden zurück, zu sehr plagten mich meine Zweifel und mein Gewissen. Ich beschloss, es mir im Schlafanzug auf der Couch gemütlich zu machen.
Zwischendurch war ich sogar vor Langeweile eingeschlafen, wurde erst durch ein energisches Schellen an der Tür geweckt.
Schlaftrunken schlürfte ich zur Haustür und öffnete sie.
„Na endlich, verdammt, ich hab mir Sorgen um dich gemacht, ist alles in Ordnung?“, Trace huschte an mir vorbei und schloss die Tür.
„Ähm.. ja siehste doch…“, murmelte ich und tapste wieder zum Sofa, ließ mich seufzend nieder und deckte mich wieder zu.
„Das sieht aber nicht so aus…“
„Warum bist du hier Trace?“
„Das sagte ich bereits Kleines“
Ich schnaupte und hob fragend eine Augenbraue.
„Ich wollte mich verabschieden, da du ja nicht auf meine Anrufe reagierst…. Wir sind jetzt für vier Wochen auf Tour. Ich weiß nicht wann ich das nächste Mal wieder in LA bin“
„Oh“, sagte ich traurig und sah ihn niedergeschlagen an.
Er kam zu mir, legte seine Hand an meine Wange und gab mir einen sanften Kuss auf die Stirn. „Wir telefonieren okay…Ich wird dich vermissen“
„Ja jeden Tag, ich werde dich auch vermissen Trace“, flüsterte ich, wohl wissend dass er es hören konnte.
Er nickte mir traurig zu. „Bis blad Kleines“, hauchte er mir zu, drückte mir noch einen Kuss auf die Wange, drehte sich um und verschwand.
Ich würde ihn vermissen soviel war klar, es hatte sich eine besondere Freundschaft zwischen uns beiden entwickelt, die ich selbst nicht verstand. Wie er es mir versprochen hatte, rief er mich, jeden Abend nach seiner Show an. Tagsüber ging ich einkaufen mit Ashley, Martha war weiterhin damit beschäftigt mit Taylor nach einer Wohnung zu suchen. Wie immer war ihr nichts gut genug.
Die restlichen Tage vergingen somit wie im Fluge, dadurch dass ich abgelenkt war und ruck zuck war es Freitagabend und Kellan stand in der Tür.
Ich war überglücklich ihn endlich wieder in meinen Armen zu haben, zu sehr hatte ich ihn vermisst. Wir hatten zwar täglich miteinander telefoniert, aber sich in die Arme schließen zu können, war doch etwas anderes als „nur“ seine wunderschöne Stimme am Telefon zu hören.
Kaum dass er angekommen war, rissen wir uns auch schon die Kleider vom Leib und liebten uns an Ort und Stelle, auf dem Boden im Wohnzimmer. Es tat so gut ihn zu fühlen, zu schmecken, ihn endlich wieder bei mir zu haben. Seine Berührungen und Liebkosungen trieben mich an den Rande des Wahnsinns. Völlig erschöpft schlief ich an seiner starken Brust ein. Wir brauchten nicht viele Worte, um uns zu verstehen. Er hatte mich genauso vermisst, wie ich ihn.
Das Wochenende genossen wir, um Zeit für uns zu haben. Die Gala hatten er einfach sausen lassen, es gab jetzt wichtigeres – uns.
Die meiste Zeit verbrachten wir im Bett, wir hatten immerhin viel nach zu holen.
Schnell war es Sonntag und ich wurde traurig, da die Zeit des Abschiedes nahte, aber Kellan überraschte mich. Er war tatsachlich fertig mit drehen und musste nicht zurück nach Chicago. Er würde bis zum Eclipsedreh im August hier bleiben, bei mir. Natürlich gab es mehrere Veranstaltungen bei denen Anwesenheitspflicht herrschte, aber da würde ich ihn begleiten können.
Von Martha hörte ich momentan kaum etwas, sie und Taylor hatten endlich ein passendes Appartment gefunden und waren mit dem Umzug beschäftigt.
Ich hatte Kellan teilweise von meiner Zeit mit Trace erzählt. Er verstand dass wir oft miteinander telefonierten und hatte nichts dagegen einzuwenden, den Kuss hatte ich ihm verschwiegen und auch Martha wusste nichts davon, niemand wusste es.
Maj reiste immer noch mit Alex durchs Land und promotete die Twilight Artikel und rührte die Werbetrommel für New Moon.
Wir waren alle irgendwie verstreut und auch Neele fehlte mir sehr. Zwar war es erst eine Woche her, dass sie uns verlassen hatte, aber sie hinterließ nicht nur bei Rob ein Loch im Herzen, sondern auch bei uns.
Es war später Nachmittag, Kellan und ich saßen eng aneinander gekuschelt unten im Wohnzimmer auf der Couch, als wir ein Auto vorfahren hörten. Da wir niemanden erwarteten, machte ich mich auch nicht auf in Richtung Tür. Erst als es klingelte, stand ich auf um zu öffnen.
Mich traf der Schlag, vor mir stand Neele.
Ich traute meinen Augen kaum und mir entwich ein Schrei. „Oh mein Gott Neele, du bist wieder da“ und schon hatte ich sie in meine Arme gezogen.
Kellan stand überrascht im Türrahmen, aber nachdem ich mich von Neele gelöst hatte, schloss auch er sie liebevoll in die Arme.
„Ganz ehrlich Süße, du siehst schrecklich aus“, sagte ich und sah sie fragend an.
„Lange Geschichte…“, murmelte sie leise und ließ sich erschöpft aufs Sofa sinken, dann begann sie zu erzählen. Ihr ging es schlecht, wirklich sehr schlecht, aber wenigstens war sie wieder Zuhause, bei uns.
Zeitgleich in New York City
Rob Pov
Ich saß in meinem Hotelzimmer in New York und hing meinen Gedanken nach. Gerade erst war ich von einem anstrengenden Drehtag wieder zurückgekehrt. Anstrengend deshalb, weil wir sämtliche Szenen viel zu oft hatten wiederholen müssen, ohne, dass ein zufriedenstellendes Ergebnis dabei rausgekommen war, einige Szenen hatten wir nicht einmal versucht, weil die Lichtverhältnisse dazu zu schlecht wurden. Man hatte mir einen letzten Tag eingeräumt, mich zu erholen und auf die nächsten Drehtage vorzubereiten, ansonsten würde man sich über eine Veränderung Gedanken machen müssen.
'Veränderung', jedem am Set war klar, was das bedeutete. Rausschmiss träfe es besser.
Und was tat ich? Ich saß auf meinem Bett, das Drehbuch auf dem Schoß und bekam doch nichts in meinen Kopf rein, meine Gedanken kreisten um eine einzige Person. Nur um SIE.
Dieser eine Abend hatte alles verändert, nichts war mehr, wie es sein sollte.
Es war Kristens Idee gewesen, uns beiden gingen die Gerüchte auf die Nerven, wir seien zusammen, ein für alle Mal hatten wir dem ein Ende setzen wollen, doch uns war nicht eingefallen, wie wir das bewerkstelligen sollten. Bis zu diesem denkwürdigen Tag. Neele war in LA unterwegs gewesen, als ich einen Anruf von Kristen bekommen hatte. Sie hatte sich überlegt, dass wir uns auf der Bühne küssen sollten. Ihrer Meinung nach wäre den ganzen Menschen klar, dass wir uns nie und nimmer auf der Bühne küssen würden, um zu zeigen, dass wir ein Paar wären. Nicht, nachdem wir uns so lange mit Äußerungen zurückgehalten hatten. Kurz vor der Verleihung war sie noch einmal zu mir gekommen, um mich an unseren Plan zu erinnern. Neele hatte das natürlich mitbekommen, doch glücklicherweise hatte ich sie abwimmeln können. Auf Kristen war sie eh nicht gut zu sprechen gewesen, da hatte ich ihr nicht noch mehr Grund zur Aufregung geben wollen. Ich hatte zwar gehofft, dass sie es verstehen würde, wenn ich es ihr erklären würde, doch das konnte ich erst nach der Aktion tun.
Kristen hatte ihre Rolle wirklich überzeugend gespielt, sie hatte sogar ein Stöhnen zustande gebracht.
Ab diesem Zeitpunkt war alles schief gegangen, was nur schief gehen konnte. Als ich wieder zu meinem Platz gekommen war, war Neele verschwunden gewesen, erst in der Pause hatte ich sie gesehen, hatte mit ihr reden wollen, doch ich hatte nicht zu ihr durchdringen können. Ich hatte ihr sogar Vorwürfe gemacht, was ich nun bitter bereute. Ich hatte versucht ihr deutlich zu machen, wie sehr ich sie liebte, doch ich hatte nichts mehr ausrichten können. Sie hatte sich entschieden. Sie würde zurück nach Deutschland fliegen. Ich hatte ihr angeboten, sie zu begleiten, doch sie hatte abgeblockt. Hatte sich Zeit zum Nachdenken erbeten.
Die Party nach der Verleihung hatte sie frühzeitig verlassen, auch hier hatte ich mit ihr gehen wollen, doch sie wollte alleine gehen. Und ich hatte sie gewähren lassen.
Kristen und der Rest der Crew hatten ihr bestes getan, mich abzulenken und waren nicht ganz erfolglos gewesen. Es war viel gelacht, getanzt und getrunken worden, vielleicht war letzteres eher der Grund dafür gewesen, dass ich mich wohler gefühlt hatte als ich eigentlich hätte sollen. Es war spät – oder früh geworden, je nachdem, wie man es sieht. Ich hatte mich auf Neele gefreut, hatte gehofft, sie hätte sich beruhigt. Als ich unser Zimmer aufgeschlossen hatte, war mir sofort aufgefallen, dass es ungewöhnlich aufgeräumt gewesen war, normalerweise hatten Neele's Sachen überall herumgelegen, eine niedliche Eigenschaft, immer chaotisch. Ich liebte sie auch dafür. Schnell war mir klar geworden, dass es nicht aufgeräumt sondern ausgeräumt gewesen war. Ich hatte die Schränke aufgerissen, doch ich hatte nichts gefunden. Nichts, außer meinen eigenen Sachen. Ich war ins Badezimmer geeilt, natürlich war mir klar gewesen, was ich hier vorfinden würde, doch ich hatte inständig gehofft, dass dem nicht so wäre. Doch auch hier hatte ich nur meine Sachen gefunden. Ich war zurück ins eigentliche Zimmer gegangen, mein Blick war auf den Tisch gefallen. Dort lagen zwei Briefumschläge.
Ich blätterte in meinem Drehbuch, fand schnell das, was ich suchte.
Neele's Brief trug ich immer bei mir.
Rob,
ich musste hier raus, mir wird das alles zu viel.
Ich brauche ein bisschen Abstand und Zeit für mich, um mir über alles klar zu werden.
Viel Erfolg in New York,
es tut mir leid,
Neele
P.S. Bitte gib den anderen Brief morgen den Mädels, danke.
ich musste hier raus, mir wird das alles zu viel.
Ich brauche ein bisschen Abstand und Zeit für mich, um mir über alles klar zu werden.
Viel Erfolg in New York,
es tut mir leid,
Neele
P.S. Bitte gib den anderen Brief morgen den Mädels, danke.
Wieder und wieder las ich die Worte, noch immer schmerzte jedes einzelne von ihnen in meinem Herzen.
Nachdem ich den zweiten Brief an Naischel und die anderen weitergegeben hatte, hatte mich nichts mehr in LA gehalten. In New York hatte das Set meines neuen Filmes, 'Remember Me' gewartet und in LA hatte es für mich nur schmerzhafte Erinnerungen gegeben.
Ich hatte drei Mal vergeblich versucht sie zu erreichen, doch sie hatte nicht abgenommen. Ich war verzweifelt gewesen, warum hatte sie nicht mit mir reden wollen?
Am frühen Morgen hatte ich dann einen Anruf bekommen.
Ich hatte abgenommen. „Ja?“
„Ich hab mein Abituuuuuur !!!!“
„Neele??“ Neele? Sie hatte sich gemeldet, sie hatte mit mir sprechen wollen. Für einen Moment war ich überglücklich gewesen, doch nur eine Sekunde später hatte sich das Blatt für mich erneut gewendet.
„Ähm ja, Hi. Ich wollts dir auch nur kurz sagen. Ich muss jetzt auch wieder Schluss machen. Bye!“ sie legte auf. Warum? Ich zögerte kurz, dann rief ich sie zurück. Es dauerte einen Moment, das Klingeln hatte eine gefühlte Ewigkeit angedauert.
Endlich hatte sie abgenommen. „Hi...“
„Ich wollte dir wenigstens gratulieren. Also...herzlichen Glückwunsch...“ hatte ich herausgebracht.
„Ähm ja, danke...“
Wir hatten beide geschwiegen. Was hätte ich auch weiter sagen sollen?
„Ja, das wars auch schon.“ hatte ich niedergeschlagen herausgebracht.
„Okee... ja wie gesagt, ich muss dann auch los.“ sie war mir erneut ausgewichen.
„Bis dann“
„Bye“
Nach diesem Gespräch war es mir keinesfalls besser gegangen, falls es das gewesen war, was ich erwartet hatte. Im Gegenteil. Noch größer war das Loch in meinem Herzen geworden. Hatten wir uns nichts mehr zu sagen gehabt?
Ich hatte sie nicht noch einmal angerufen, hatte gehofft, dass sie sich melden würde.
Ich hatte versucht, mich mit dem Drehbuch vertraut zu machen, hatte mich bereits vorab einige Male mit meiner Filmpartnerin Emilie getroffen. Natürlich hatten diese Treffen und die dazugehörigen Fotos wieder für einige Gerüchte gesorgt, doch mir war es gleich gewesen. Ich war lediglich ein Schatten meiner selbst.
Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, sie meldete sich einfach nicht bei mir. War für sie alles gegessen? Warum sagte sie mir nicht das sie mich nicht mehr wollte? Ich wollte es von ihr hören. Ich war mir darüber im Klaren, dass es mir damit nicht besser gehen würde, aber dann hätte ich wenigstens gewusst, woran ich war. Ich musste sie anrufen.
„Hallo Schatz“, kam es auf Deutsch. Ich konnte nicht viel Deutsch, aber was das bedeutete wusste ich.
„Wie bitte?“ Hatte sie alles vergessen? Kaum war sie in Deutschland, da hatte sie sich schon einen neuen Freund gesucht. Ich legte auf. Waren ihre Worte in unserer gemeinsamen Zeit nichts anderes als das gewesen? Leere Worte? War das ihre Auffassung von Liebe?
Ich hatte mich in die Arbeit gestürzt, hatte versucht mich lediglich auf den Dreh zu konzentrieren, doch es war mir nicht gelungen. Immer schlechter waren meine Leistungen geworden, mal hatte ich den Text vergessen, dann hatte mein schauspielerisches Talent versagt. Ich hatte nicht von großer Liebe sprechen können, nicht glücklich wirken können, wenn in meinem Inneren alles geschrien hatte, wenn mein Herz dabei gewesen war zu zerbersten. Ich hatte den gesamten Dreh aufgehalten. Unser Regisseur, Jessy Terrero war eigentlich ein ruhiger und verständnisvoller Regisseur, doch immer wieder waren wir aneinander. geraten Er hatte mich angeschrien, ich hatte einfach vor ihm gestanden, hatte dem nichts entgegenzusetzen gehabt. Ich war mir bewusst gewesen, dass er Recht hatte und doch war ich nicht in der Lage gewesen, etwas zu ändern.
Nun saß ich hier, versuchte mich zu sammeln. Ich wusste, am morgigen Tag würde ich alle meine Kräfte in die Vorbereitung stecken müssen, damit ich einen Tag später die Leistung bringen könnte, die von mir verlangt werden würde.
Dies war meine letzte Chance.
Und ich wusste nicht, wie ich diese Chance nutzen sollte. Ich fühlte mich leer, alles was ich spürte war der Schmerz in meinem Herzen. Alles, an was ich denken konnte, war Neele. Es war mir egal, ob der Dreh wegen mir platzen würde, wenn ich dafür nur wieder mit ihr zusammen sein könnte.

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