Zu meiner Überraschung verschlief ich den gesamten Flug, immerhin 11 Stunden und wachte erst auf, als mich eine Stewardess antippte und mich bat, meinen Gurt anzulegen.
Die Landung verlief ohne Probleme, zum Glück, und ich wartete ungeduldig darauf, dass ich aussteigen konnte. Ich brannte darauf endlich die Enge des Flugzeuges hinter mir zu lassen und war eine der ersten die aufsprang, als wir endlich am Gate angedockt hatten.
Endlich trat ich aus dem Flugzeug und hatte kurze Zeit später Hamburger Boden # unter den Füßen.
Endlich wieder zu hause, ich hatte es mir nicht eingestehen wollen, aber ich hatte es doch vermisst.
Als ich mein Gepäck wieder hatte und in Richtung Ausgang ging wurde mir bewusst, dass ich gar nicht wusste was ich nun tun sollte. Niemand wusste, dass ich nach Hause kommen würde, sie würden mich nicht erwarten. Ich wusste noch nicht einmal, wie ich überhaupt nach Hause kommen sollte, mein Auto stand sicherlich nicht mehr hier, das hatten meine Eltern wahrscheinlich abgeholt.
Ich beschloss mir eines der Taxis zu nehmen, dafür würde mein Geld sicherlich noch reichen.
Der Fahrer stieg sofort aus und half mir, mein Gepäck in seinem Auto zu verstauen, es füllte nicht nur den Kofferraum aus, sondern auch die Rücksitze waren besetzt.
„Na, wo soll es denn hingehen, wandern sie aus?“
„Im Gegenteil, ich komme gerade zurück. Könnten sie mich nach Lüneburg bringen?“
„Natürlich!“
Wir schwiegen während der Fahrt, ich war ihm sehr dankbar, dass er nicht meine ganze Lebensgeschichte erfahren wollte und als er mich vor unserem Haus abgesetzt hatte rundete ich die Fahrtkosten großzügig auf.
„Vielen Dank!“ sagte ich ihm noch, während er wieder in sein Taxi stieg und dann davon fuhr.
Mühsam schleppte ich alle meine Gepäckstücke vor die Haustür, nur um dann zu bemerken, dass ich meine Haustürschlüssel nicht dabei hatte. So ein Mist, es war 5 Uhr morgens, sollte ich meine Eltern etwa wecken? Mir würde wohl nichts anderes übrig bleiben.
Ich fasste mir also ein Herz und drückte auf die Klingel.
Meine Mutter öffnete mir schlaftrunken die Tür.
„NEELE!“ stieß sie dann aus und umarmte mich stürmisch. Sie wirkte überhaupt nicht sauer.
„Hi, Mama ...“
„Was machst du hier? Ich dachte, du bist in LA?“
„Ähm ja, kann ich dir das alles im Haus erzählen?“
„Klar, komm rein.“, sie ging vor und öffnete die Wohnzimmertür, dann sah ich nur einen weißen Blitz und schon sprang mein kleiner Artus an mir hoch.
„Mein Schaaaaatz“ ich hob ihn hoch und knuddelte ihn, während er mir über mein Gesicht schleckte. Oh Gott, wie hatte ich ihn vermisst. Auch mein Vater war inzwischen aufgewacht und wartete darauf, dass auch er mich begrüßen konnte.
Nachdem die Begrüßungszeremonie beendet war setzten wir uns alle an den Esstisch.
„Na, dann lass mal hören!“, meine Mutter schien neugierig.
„Was wollt ihr wissen?“ schon jetzt war ich genervt.
„Alles!“
„Ihr wisst genau, wie ungern ich erzähle, also sagt mir halt, was ihr wissen wollt.“
„Wo warst du, was hast du gemacht, mit wem warst du da?“ meine Mutter grinste bei ihrer letzten Frage.
„Ich war erst mit allen Mädels aus dem Forum in Cannes, bei den Filmfestspielen. Dann bin ich mit Martha, Naischel und Maj weiter nach Italien geflogen.“
„Nur mit ihnen?“ wollte mein Vater wissen.
Ich seufzte.
„Nein, Taylor, Kellan, Alex und Rob waren auch dabei.“
„Wer sind die?“
„Oh man, könnt ihr euch das nicht denken?“
„Wir wollen es aber von dir hören!“, meine Mutter nickte zustimmend.
„Taylor Lautner, spielt in Twilight und den anderen Filmen den 'Jacob', ist mit Martha zusammen, Kellan Lutz, spielt 'Emmett', ist mit Naischel zusammen, Alex Merraz, spielt in New Moon 'Paul', ist mit Maj zusammen und Robert Pattinson, spielt 'Edward'.“
„Und ist...?“
„Mit mir zusammen.“ beendete ich seinen Satz und wurde rot.
„Ah ja, und wo wart ihr nach Italien?“ meine Mutter schien zu verstehen, dass ich nicht weiter darüber reden wollte, doch ich war mir sicher, dass ihr Verständnis nicht lange anhalten würde.
„Dann sind wir nach LA geflogen, zu dem MTV Movie Awards, wir durften mit zur Verleihung und es war echt großartig.“
„Und warum bist du jetzt hier, was machen die anderen?“
„Naischel, Martha, Kellan und Taylor sind in LA, Maj und Alex glaube ich auch und Rob ist nach New York geflogen um seinen neuen Film zu drehen.“
„Und warum bist du nicht auch in New York?“, meine Mutter warf meinem Vater einen warnenden Blick zu.
„Ich musste doch nach Hause, schließlich bekomme ich nachher meine Noten gesagt und am Freitag habe ich Abiball, das kann ich doch nicht vergessen.“ lächelte ich meine Eltern an.
„Da hast du Recht. Und dann kannst du jetzt ja vielleicht auch mal mit Maja reden.“
„Das könnt ihr vergessen.“
„Wieso denn das? Sie ist deine beste Freundin.“
„Sie WAR meine beste Freundin!“
„Na, überleg dir das nochmal.“
Da brauchte ich nicht mehr viel zu überlegen doch ich befand es für besser, nichts weiter dazu zu sagen.
Wir redeten noch eine ganze Weile, bis mein Vater sich für die Arbeit fertig machen musste.
„Musst du heute nicht arbeiten, Mama?“, wunderte ich mich.
„Nein, ich habe meine Arbeitszeit ein bisschen verändert und habe jetzt dienstags immer frei.“
„Oh, das ist toll. Ich würd gern duschen gehen und dann so schnell wie möglich zu meiner Fasti!“
„Natürlich, erfrisch dich erstmal.“
Nach der Dusche ging ich wieder runter, mein Vater war schon weg.
„So und jetzt reden wir mal unter Frauen.“
Oh nein, ich hatte keine Lust auf ein Mutter-Tochter-Gespräch, wir hatten über solche Sachen noch nie viel geredet, weil ich da absolut keinen Bock drauf hatte.
„Mama bitte...“
„Nichts bitte, wir haben uns fast einen Monat nicht gesehen, von einem Tag auf den anderen beschließt du Urlaub zu machen, bist von deiner Entscheidung nicht abzubringen, sprichst dann von der großen Liebe und kommst jetzt einfach zurück?“
Ich versuchte noch eine Weile sie umzustimmen, doch ich hatte keine Chance also gab ich mich geschlagen und erzählte ihr alles. Na ja, nicht alles, einige Angelegenheiten was Alkohol und Hotelzimmer betraf ließ ich aus, was ihr nichts auszumachen schien.
Als ich geendet hatte, sah sie mich mitfühlend an.
„Und was hast du jetzt vor?“
„Wenn ich das mal wüsste... ich muss erstmal etwas Abstand haben denke ich, mir überlegen was ich will.“
„Das klingt sehr vernünftig.“
Natürlich klang das vernünftig, aber wollte ich vernünftig sein? Während ich erzählt hatte, war das Loch in meinem Herzen erneut aufgeklafft, heftiger als zuvor, ich sehnte mich einfach danach mich in seine Arme zu begeben.
„Wenn du nichts dagegen hast würde ich jetzt gerne erstmal in den Stall gehen, ich hab Fasti so vermisst.“
„Natürlich, sie dich mit Sicherheit auch. Nimm am besten ein paar Möhren mit, sie ist bestimmt beleidigt.“
Davon war auszugehen.
Im Stall angekommen lief, ich sofort auf die Weide meiner Kleinen, sie stand in der hintersten Ecke.
„Fastiiiiiii“ rief ich begeistert und zu meiner großen Überraschung riss sie den Kopf hoch und kam dann im Stechtrab auf mich zu, sie brubberte.
„Oh meine Kleine, ich hab dich so vermisst.“ Ich vergrub meine Hände in ihrer schwarzen Mähne, die eindeutig zu lang war. Wie sollte es auch anders sein, ich hatte sie schließlich komplett sich selbst überlassen.
Ich verbrachte den ganzen Vormittag im Stall, wusch mein Pferd, putzte sie ausgiebig und ritt dann zwei Stunden lang aus, endlich fühlte ich mich wieder frei. Leider war so ein Ausritt auch immer eine willkommene Gelegenheit den Gedanken freien Lauf zu lassen, was dieses Mal dazu führte, dass ich völlig verheult wieder im Stall ankam.
Evi, meine Freundin, rannte auf mich zu.
„Neeeeeeele!!! Du bist wieder da!“ sie riss mich fast vom Pferd, so stürmisch umarmte sie mich, „Ich hab dich in der Zeitung gesehen! Und im Fernsehen warst du auch! Was geht denn bei dir ab??“
Zeitung?? Fernsehen? Ich?? Oh nein, so ein Mist, sie hatte wohl tatsächlich die Awards geguckt.
„Ähm, das ist eine lange Geschichte...“
„Ich hab Zeit.“ sie sah mich erwartungsvoll an.
„Bitte, sei mir nicht böse, Evi, aber heute ist ganz schlecht. Ich muss jetzt schnell nach Hause, ich bekomme heute meine Abi-Ergebnisse...“
„Oh, alles klar, ich drück dir die Daumen. Sehen wir uns morgen Nachmittag?“
„Ja, klar. Danke!“ das war Evi wie ich sie kannte, absolut unkompliziert.
Zu Hause angekommen duschte ich erneut und rief dann schnell meine Emails ab.
Sie haben 1 neue Email
Sie war von Naischel.
Hey Süße,
was zum Teufel hast du dir, dabei nur gedacht, einfach abzuhauen?
Über was für Dinge musst du dir denn klar werden?
Hier ist der Mann, denn du liebst. Rob war total fertig, was denkst du dir nur dabei?
Du weißt doch, dass er dich liebt.
Meld dich bitte, wir wollen wissen was los ist.
Wir brauchen dich hier in Los Angeles,
Naischel
Ich beschloss, sie zu ignorieren, ich hatte nicht die Kraft darauf zu antworten, was sollte ich auch schreiben? Dass ich selber keine Ahnung hatte?
Gedankenverloren nahm ich mein Handy in die Hand, ich stutzte. <
7 Anrufe in Abwesenheit, ich hatte total vergessen den Flugzeugmodus auszuschalten.
2 Anrufe von Martha.
2 Anrufe von Naischel.
3 Anrufe von Rob.
Ich ignorierte auch diese und zog mich an.
In einer halben Stunde würde ich erfahren, ob und wie ich mein Abitur bestanden hatte.
Die halbe Stunde verging schnell.
Ich kam gerade rechtzeitig in der Schule an, die ersten wurden gerade aufgerufen.
„Neele, kommen Sie bitte nach vorne.“ jetzt galt es, mein Tutor sah mich mit einem ausdruckslosen Blick an, nie hatte ich so stark das Gefühl gehabt auf ganzer Linie versagt zu haben wie jetzt.
„Herzlichen Glückwunsch, Neele.“ er lächelte breit, als er mir die Hand und das vorläufige Zeugnis gab.
„Dddanke...“ stotterte ich und ging wieder auf meinen Platz zurück.
Erst als ich dort angekommen war realisierte ich, was das bedeutete.
Ich hatte mein Abitur bestanden !!!
Ich würde nie wieder in diese dämliche Schule müssen !!!
Ich rannte nach draußen und wählte die erste Nummer, die mir in den Sinn kam und die ich auswendig konnte.
„Ja?“
„Ich hab mein Abituuuuuur !!!!“ sagte ich in perfektem Englisch.
„Neele??“ oh verdammt, hatte ich das gerade tatsächlich getan??? Hatte ich den Menschen angerufen, von dem ich noch vor Stunden Abstand gewollt hatte?? Hatte ich tatsächlich einfach Rob's Nummer gewählt?
„Ähm ja, Hi. Ich wollts dir auch nur kurz sagen. Ich muss jetzt auch wieder Schluss machen. Bye!“ ich legte auf. Konnte ich es noch schlimmer machen??? Nicht nur, dass ich ihn anrief, dann legte ich auch noch einfach auf? Was tat ich denn da?
Mein Handy klingelte.
„Hi...“
„Ich wollte dir wenigstens gratulieren. Also...herzlichen Glückwunsch...“
„Ähm ja, danke...“
Betretenes Schweigen.
„Ja,das wars auch schon.“ er klang niedergeschlagen.
„Okee... ja wie gesagt, ich muss dann auch los.“
„Bis dann“
„Bye“
Und schon war unser Gespräch auch wieder beendet.
Die Glücksgefühle, die sich eben noch in meinem Körper wie ein Lauffeuer ausgebreitet hatten, waren erloschen, wieder fühlte ich nur Leere und den Schmerz in meinem Herzen.
„Hey, Neele, kommst du mit feiern? Immerhin haben wir unser Abi...“
Isa war neben mich getreten, meine riesengroße, super schlanke und einfach liebenswerte Party-Pussy.
„Tut mir leid... mir ist nicht danach.“
„Oh... willst du drüber reden?“
„Nicht jetzt... aber vielleicht morgen Abend? Wir könnten in die Stadt gehen, es gibt so viel zu erzählen.“
„Ja, klar. Um 19 Uhr im Mäxx?“
„Ich werde da sein.“
„Ich freue mich!“ es klang wirklich aufrichtig.
„Ich mich auch!“ ich versuchte ein Lächeln zu Stande zu bringen, war mir jedoch nicht sicher, ob es mir gelang.
Zu Hause angekommen hatte ich mich wieder ein bisschen beruhig, meine Eltern sprangen beinahe in die Luft vor Freude über mein Bestehen.
„Ach, Neele, bevor ich es vergessen, Naischel hat angerufen, du sollst zurückrufen!“
„Oh, danke Mama.“
„Wirst du es tun?“
„Ich ... ich weiß noch nicht. Ich gehe jetzt schlafen.“
„Bitte?? Es ist doch erst 18 Uhr.“
„Ich weiß, aber der Jetlag und so... ich hab auch keinen Hunger, ich möchte nur schlafen.“
„Gute Nacht, meine Kleine.“
„Nacht ihr beiden!“
Am nächsten Morgen ging es mir wieder besser, ich sah auf den Wecker. Na, Morgen war es nicht mehr, eher früher Nachmittag.
„Na du Schlafmütze, auch schon wach?“, meine Mutter war also schon von der Arbeit zurück.
Ich strecke ihr die Zunge raus und steckte ein Toast in den Toaster, als das Telefon klingelte.
„Oh, Hallo Naischel, ja, warte kurz.“ meine Mutter wollte mir das Telefon reichen, doch ich schüttelte nur den Kopf.
„Tut mir leid, sie ist nicht da, wahrscheinlich ist sie im Stall oder so. .... Ja, richte ich ihr aus!“ sie legte auf und sah mich an, „Ich werde nicht weiter für dich lügen, Neele.“
„Dann eben nicht.“, war mir doch egal, ich wollte noch nicht mit ihr sprechen.
„Ich wollte jetzt gleich in den Stall, kann ich das Auto haben?“
„Ja, klar.“
Ich ging in mein Zimmer und zog mich um, während mein PC hochfuhr.
Obwohl ich ahnte von wem diese sein würde, öffnete ich die Mail.
Neele,
warum zur Hölle antwortest du mir nicht?????
Du hast versprochen anzurufen!!!!!
Was ist nur los mit dir, verdammt?
Ruf an, deine Mum sagt immer du wärst nicht da, wo bist du?
Wir vermissen dich, meld dich,
Naischel
Und erneut ignorierte ich diese Mail.
Im Stall traf ich auf Evi und dieses Mal kam ich nicht drumherum, ihr die ganze Geschichte zu erzählen, nur meinen Abgang und die Einzelheiten meines Problems mit Rob ließ ich aus, wir waren nicht so gut befreundet, als dass sie das wirklich etwas angehen würde und sie stellte auch keine Nachfragen.
Das Reiten hätte ich wohl lieber sein lassen sollen, es war grottig, wie immer, wenn ich nicht mit den Gedanken bei der Sache war. Ich beendete meinen Ritt früher als geplant, doch ich wusste, ich würde es heute zu nichts bringen und an solchen Tagen gönnte ich Fasti lieber einen freien Tag, bevor wir uns aneinander aufrieben.
Wieder zuhause angekommen sah ich auf mein Handy und war froh, dass ich es zuhause gelassen hatte. Erneut hatte ich eine Unmenge an Anrufen in Abwesenheit.
Nach einer ausgiebigen Dusche hatte ich noch etwas Zeit, bevor ich mich mit Isa in der Stadt treffen würde.
Ich schaltete meinen PC ein (- keine neuen Mails -) und schaute ein wenig im Forum, während ich Musik hörte.
Unbewusst hatte ich die High-School-Musical-Playlist gewählt und mir stockte der Atem, als eines meiner Lieblingslieder kam. Alles was ich den Tag über so erfolgreich hatte verdrängen können, kam wieder über mich.
I gotta say what’s on my mind
Something about us doesn’t seem right…these days
Life keeps getting in the way
Whenever we try
Somehow the plan is always rearranged
It’s so hard to say
But I gotta do what’s best for me
You’ll be okay…
War es nicht genau das? Irgendetwas zwischen Rob und mir lief vollkommen falsch und wir konnten nicht so tun, als wäre alles in Ordnung, das war nicht richtig und mir war es nicht möglich, daran würde ich kaputtgehen.
I’ve got to move on, and be who I am
I just don’t belong here
I hope you understand
We might find our place in this world someday
But at least for now
I gotta go my own way
Ich hatte einfach weggemusst, so schwer es mir gefallen war, ich hatte für den Moment nicht dort reingepasst, nicht in seine Welt gehört, das war mir am Abend der Movie Awards klar geworden.
Don’t wanna leave it all behind
But I get my hopes up and I watch them fall every time
Another color turns to grey
And it’s just too hard…to watch it all…slowly fade away
I’m leavin’ today
’Cause I gotta do what’s best for me
Es war mir nicht leicht gefallen, vielleicht war das für alle anderen so rüber gekommen, so als hätte ich an niemand anderen gedacht, nur an mich, aber war das wirklich so? War ich so egoistisch gewesen, weil ich einfach weg musste? War es nicht verständlich, dass ich hatte gehen müssen um nicht noch mehr zu zerstören?
You’ll be okay
Er würde das schaffen, dachte ich...
I’ve got to move on, and be who I am
I just don’t belong here
I hope you understand
We might find our place in this world someday
But at least for now
I gotta go my own way
Ich musste meinen Weg gehen, musste mir erst für mich darüber im Klaren werden was ich wollte und was ich geben konnte.
What about us? What about everything we’ve been through?
Ich wollte nichts von dem missen, was wir gemeinsam erlebt hatten, keinen einzigen Moment, doch reichte das aus?
What about trust
Konnte ich ihm vertrauen?
You know I never wanted to hurt you.
Aber genau das hatte er getan, er hatte mich verletzt mit seinem Handeln.
What about me?
War das Grund genug für mich alles aufzugeben, was wir hatten? Oder was ich hier, in meinem Zuhause hatte? Würde ich ein neues Zuhause mit ihm finden?
Was wollte ich?
What am I supposed to do…
Konnte er überhaupt etwas tun?
I gotta leave but I’ll miss you
Und wie ich ihn vermisste, schon als ich den Entschluss gefällt hatte, abzureisen hatte ich ihn vermisst.
Er fehlte mir, ein Stück meines Herzens fehlte.
[Text: High School Musical II – Gotta go my own way :
http://www.youtube.com/watch?v=EHOMOsf46gs ]
Ich hatte nicht gemerkt, wie mir Tränen in die Augen gestiegen waren, erst als das Lied vorbei war und mir die erste Träne über die Wange lief nahm ich wahr, dass ich weinte.
Was passierte nur mit mir? Klar, ich war schon immer nah am Wasser gebaut gewesen, aber meistens war das nur in Bezug auf Filme oder Bücher gewesen und nicht wegen mir selber. So sehr ich es auch versuchte, diese dämlichen Tränen wollten nicht aufhören zu fließen.
Dennoch zog ich mich an, dieses ganze Gedanken machen hatte einiges an Zeit gekostet und ich war schon fast wieder zu spät dran. Der Blick in den Spiegel war furchterregend, ich sah total verheult aus und auch mit kaltem Wasser und Makeup konnte ich nichts ausrichten, durch letzteres wurde es eher noch schlimmer. Ich schminkte mich also wieder ab und trug nur ein wenig - wasserfeste – Wimperntusche auf, bevor ich in Jeans und einem einfachen dunklen Poloshirt aus dem Haus ging.
Im Auto stellte ich das Radio aus, denn es lief 'Broken Strings' von Nelly Furtado und James Morrison, was meine Laune definitiv nicht verbesserte sondern mir nur wieder die Tränen in die Augen trieb.
Das hatte sich nicht gelegt, bis ich in der Stadt ankam.
Isa wartete bereits auf mich.
„Du siehst ja furchtbar aus.“
„Danke für die nette Begrüßung, ich freue mich auch dich zu sehen.“ ich versuchte zu lächeln doch so wirklich gelang es mir nicht.
„Oh, so schlimm?“ ich nickte nur und sie nahm mich in die Arme. „Komm, wir setzen uns erstmal rein und dann erzählst du mir alles, in Ordnung?“
Nachdem wir uns gesetzt hatten sah sie mich erwartungsvoll an. Ich atmete einmal tief durch und begann alles zu erzählen.
Und ich meine wirklich alles, die ganze Geschichte, zwar nicht unbedingt ausführlich, aber vom Abflug Hamburg bis Abflug LA war alles dabei, auch sämtliche Hotelzimmer-Szenen, die ich dann doch detaillierter beschreiben musste.
Als ich geendet hatte brach ich wieder in Tränen aus, ein Hoch auf wasserfestes Makeup!
„Oh meine Kleine... darf ich was fragen?“
„Nnna... klar“ antwortete ich unter Schluchzen.
„Was willst du jetzt machen?“
Ich versuchte mich einigermaßen zu beruhigen, zwar versiegte der Tränenstrom nicht vollkommen, dich zumindest war ich in der Lage normal zu sprechen.
„Ich weiß es nicht...ich weiß überhaupt nichts...“
Sie sah auf die Uhr, sagte jedoch nichts.
„Musst du los?“
„Na ja....“
„Dein Polizist?“
Sie lächelte verlegen und nickte dann.
„Dann hau schon ab.“
„Aber du brauchst mich... und außerdem hab ich noch ein bisschen Zeit.“
„Aber du kannst mir jetzt nicht helfen... ich muss mir alleine darüber klar werden, was ich will und was ich mache. Ich bin dir so dankbar, dass du mir zugehört hast...“
„Das ist doch klar.“
„Nein, das ist es eben nicht, das ist eines, was mir diese ganze Sache gezeigt hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass du hier mit mir sitzt und mir einfach nur zuhörst, du glaubst gar nicht, wie gut das tut.“
„Doch, das weiß ich. Mir ging es doch genauso. Du warst die ganze Zeit für mich da, als ich diese Probleme mit meinem Polizisten hatte.“
„Na ja, da konnte ich dir ja nicht helfen, ich hatte ja keine Ahnung in welcher Situation du warst.“
„Das weiß ich jetzt auch nicht. Aber du hast mir geholfen indem du einfach da warst.“
Ich umarmte sie über den Tisch.
„Danke! Auch, dass ich dir wirklich alles erzählen kann...“
„Immer.... aber, was meintest du, dass dir diese Sache gezeigt hat, dass das nicht selbstverständlich ist?“
„Ach, Maja...“
„Oh... aber ... sie ist deine beste Freundin?“
„Das dachte ich auch... aber sie sieht das wohl anders.“
„Erzähl!“
„Du hast keine Zeit mehr, denke ich?“
„Doch! Los jetzt!“
„Na ja... sie fand es wohl ziemlich scheiße, dass ich einfach abgehauen bin und...“
„Das war ja auch ein bisschen... daneben, findest du nicht?“
„Warte doch mal, klar war das im Nachhinein nicht so nett, aber das ist nicht ihr Problem.“
„Sondern?“
„Ich hab gesagt du sollst warten! Ihr Problem ist, dass ich wegen Rob weg bin.“
„Häh??“
„Richtig, so habe ich auch geguckt, als ich ihre Mail gelesen habe. Sie schreibt sie fände es dämlich, dass ich mit dem weg bin, er wäre ja voll hässlich und überhaupt, ob ich es denn nötig hätte mich an einen Star ranzumachen, ob ich das so geil finden würde.“
„Wie geht sie denn ab?“
„Joa keine Ahnung, weißt, sie soll einfach ihre Klappe halten.“
„Die ist mal ganz krass neidisch meine Liebe.“
„Ja, aber worauf denn? Ich hab mir doch nicht ausgesucht mich in einen Star zu verlieben, ich könnte gut auf die ganze Publicity verzichten.“
„Gut, darauf ist sie auch neidisch aber vor allem ist sie es, weil sie keinen Kerl hat.“
„Ja wunderbar, danke dass sie sich für ihre angeblich beste Freundin freut.“
„Du hast ja mich, obwohl ich jetzt echt los muss.“
„Oh, es ist ja auch schon spät. Ich komme gleich mit.“
Wir bezahlten rasch und gingen dann gemeinsam zum Parkhaus. Bei ihrem Auto trennten sich unsere Wege, wir umarmten uns.
„Danke nochmal!“
„Jederzeit!“
Der nächste Tag verliefen relativ ereignislos, ich verbrachte viel Zeit im Stall, erhielt noch einige Anrufe und Mails von Naischel und Martha, ignorierte diese jedoch.
Das wirklich erwähnenswerte passierte gegen Abend.
Mein Handy klingelte,
„Neele Kaiser?“
„Hallo... hier ist Rob.“
„Oh, hi.“
„Wie geht’s dir?“
„Gut und dir?“
„Ja, auch.“
„Was machen die Dreharbeiten?“
„Laufen ganz gut...“
„Das ist schön...“
„Und bei dir so?“
„Alles in Ordnung.“
„Freut mich...“
-Schweigen-
„Ja...“ brach er das Schweigen. „Ich wollte auch nur mal hören ob alles in Ordnung ist.“
„Ist es...“
„Dann bis bald...“ er klang hoffnungsvoll.
„Bis dann“ entgegnete ich ausweichend.
Auch am nächsten Abend rief er mich an, der Gesprächsinhalt wiederholte sich, lediglich die Wortwahl war etwas anders.
Als ich am darauffolgenden Morgen nach einer schlaflosen Nacht meine Mails abrief war erneut eine von Naischel dabei, der Ton war bereits etwas schärfer geworden.
Wenn du dich nicht umgehend meldest, dann steige ich in den nächsten Flieger und trete dir persönlich in den Arsch.
Wir machen uns alle Sorgen um dich!!!!!!
PS: Rob ist total fertig, wenn du mit ihm reden kannst, warum dann nicht mit uns???
Kurz schwebte die Maus über dem 'Antworten'-Feld, doch ich beschloss erneut nicht zu antworten, noch immer wusste ich nicht, was ich schreiben sollte. Ich konnte nicht glauben, dass sie wirklich hierher fliegen würde, also würde schon nichts passieren.
Vielleicht war es nicht gut, wenn ich mit Rob telefonierte, ich wollte es ihm nicht noch schwerer machen.
Mein Abiball rückte immer näher und mir fiel siedend heiß ein, dass ich zwar ein Kleid und passende Schuhe hatte, mich jedoch noch nicht um Schmuck gekümmert hatte.
Schnell zog ich mich an und machte mich dann sofort auf in die Stadt.
Ich durchforstete die ganzen Läden, doch nichts wollte mir gefallen. Als letzte Chance betrat ich Hedemann, eigentlich gab es dort meist nur Teile, die über meiner Preisgrenze lagen, doch ich hatte keine andere Wahl, um nach Hamburg zu fahren war es schon zu spät.
Als ich die Abend-Abteilung betrat, wollte ich meinen Augen nicht trauen, vor mir an einem der Kleiderständer stand Bettina Ratschew und sah sich die Stücke an. Es hatte durchaus Vorteile in der Stadt zu wohnen, in der die Telenovela 'Rote Rosen' gedreht wird, immer öfter sah ich einige der Schauspieler in Lüneburg herumlaufen. Angesprochen hatte ich sie noch nie, ich wüsste sowieso nicht, was ich mit ihnen reden sollte, so auch jetzt, es fiel mir schwer den Blick abzuwenden, doch schließlich hatte ich etwas zu erledigen.
Ich atmete tief durch, ließ mir nichts anmerken und wandte mich der Verkäuferin zu, die mich freundlich begrüßte.
„Kann ich ihnen behilflich sein?“
„Ähm ja... also ich suche Schmuck... der zu meinem Kleid für den Abiball passt.“
„Welche Farbe hat denn das Kleid?“
„So... rot, rost....“ ich konnte es einfach nicht beschreiben. „Ich habe es auch hier gekauft...“ fiel mir dann noch ein.
„Dann gucken wir einfach, vielleicht haben wir es ja noch mal hängen.“ und zu meinem Entsetzen ging sie genau in die Richtung von der Schauspielerin aus Rote Rosen, zögernd folgte ich ihr und suchte mit meinen Augen die Kleiderstangen ab und wurde fündig.
„Das Kleid habe ich zu Hause!“ rief ich erfreut.
„In Ordnung, dann schauen wir mal, dass wir etwas passendes finden.“
Sie zeigte mir eine ganze Auswahl an Ketten, doch keine wollte mir so richtig gefallen, mit der Zeit wurden wir beide, die Verkäuferin und ich, immer unruhiger, schließlich drängte die Zeit.
„Vielleicht probieren sie einfach das Kleid nochmal und dann legen wir ihnen den passenden Schmuck an, damit sie sehen wie es wirkt?“
Verzweifelt wie ich war nahm ich den Vorschlag an und begab mich in die Umkleidekabine.
Als ich wieder herauskam stand Bettina Ratschew vor mir.
„Entschuldigen sie, dass ich mich hier einmische, aber ich glaube ich habe die perfekte Kette für Sie.“
Ich wollte meinen Ohren nicht trauen und brachte kein Wort heraus. Sie trat hinter mich und legte mir eine Kette um.
„So, jetzt gucken sie sich mal im Spiegel an.“
Ich tat wie geheißen und staunte nicht schlecht, sie Kette hatte ein schwarzes Lederband, an welchen ein großer schwarzer Stein hing, eingefasst in Silber.
„Eigentlich wollte ich sie für mich mitnehmen, aber hier hat sie wohl einen besseren Zweck.“
„Ich...ähm... also...“
„Ein Danke reicht.“ sie lächelte.
„Danke, vielen, vielen Dank!“
„Keine Ursache.“ und schon ging sie durch die Tür.
Ich wandte mich an die Verkäuferin.
„Habe ich das hier nur geträumt? Oder war das wirklich...?“
„Nein nein, das war wirklich Bettina Ratschew, sie kauft oft hier ein. Sind sie mit dieser Auswahl nun zufrieden?“
„Oh. Ja, natürlich!“
Schnell bezahlte ich und ging dann aus dem Geschäft um mich wieder nach Hause zu begeben.
Zu allem Überfluss lief ich auf dem Rückweg zu meinem Auto geradewegs Jonas in die Arme. Konnte es noch schlimmer kommen? Ja, konnte es!
„Hi, Neele! Freut mich dich zu sehen.“
„Jonas... hey... ähm tut mir leid... ich habe wirklich keine Zeit.“ Nach einem Blick auf die Uhr stimmte das sogar, es war viel später als ich gedacht hatte, am nächsten Tag würde der Ball stattfinden, also sollte ich wohl einigermaßen fit sein und aussehen.
„Ach komm schon, Neele, für eine kurze Tasse Kaffee wirst du doch wohl Zeit haben.“
Ich versuchte zu protestieren, doch er zog mich einfach mit sich, schließlich gab ich auf und ging mit ihm mit. Nach einer Tasse würde ich wohl wieder gehen können. Er führte mich in mein Lieblingscafé, wie automatisch ließ ich mich auf eine der bequemen Bänke sinken, zu meinem großen Entsetzen setzte er sich neben mich.
Wir bestellten und als unsere Tassen kamen streckte er sich ausgiebig und wie zufällig kam sein Arm auf der Lehne hinter mir zum liegen.
Ich verharrte bewegungslos, was sollte das alles hier?
Ich wagte es nicht, mich zu rühren, er trank unberührt seinen Kaffee, ich rührte meine Tasse nicht an und kam mir immer näher. Ich hätte mich gerne aus der Situation befreit, doch so sehr ich auch nachdachte, mir kam keine Idee.
In dem Moment klingelte mein Handy, meine Rettung, rasch suchte ich es in meiner Tasche. Als ich es endlich gefunden hatte sah ich nicht auf den Anrufer, ging einfach ran und hoffte, dass mein Gesprächspartner mein Spiel mitspielen würde.
„Hallo Schatz“, ich sah im Augenwinkel wie Jonas unwillkürlich von mir abrückte und seinen Arm zurückzog.
„Wie bitte?“ kam es auf Englisch.
'Scheiße' fuhr es mir durch den Kopf. So ein verdammter Mist. Nach einem Blick auf die Uhr war mir klar, dass es die Zeit war, zu der er die letzten beiden Tage ebenfalls angerufen hatte.
„Tut mir leid, dass ich mich noch nicht gemeldet habe, Jonas hat mich aufgehalten.“ 'Bitte, bitte spiel mit' dachte ich bei mir.
„Tut, tut, tut“ aufgelegt... so ein Mist.
„Ja, ich melde mich bei mir, wenn ich wieder zu Hause bin, ich liebe dich.“ dann tat auch ich so, als ob ich aufgelegt hätte.
„Du hast einen Freund? Warum weißt ich davon nichts?“
„Was geht’s dich an?“ erwiderte ich sauer. Dann stand ich auf, legte das Geld für meine unberührte Tasse auf den Tisch und stürmte aus dem Café. Wiedermal hatte ich alles falsch gemacht, was ich nur hatte falsch machen können. Ich konnte es Rob nicht einmal verübeln, dass er aufgelegt hatte. Es musste ihm so vorkommen, als ob ich ihn nur benutzen würde, was ja im Prinzip auch der Wahrheit entsprach, wie mir dann klar wurde.
Zuhause angekommen verzog ich mich sofort in mein Zimmer und ging schnell schlafen, am nächsten Morgen wollte ich noch einmal zu Fasti fahren und reiten, bevor der 'Schönheitsmarathon' beginnen würde.
Am nächsten Morgen wachte ich früh auf und beeilte mich um in den Stall zu kommen, der Tag war voll gestopft mit Terminen.
Nach dem Reiten zog ich mich rasch um und machte mich dann auf den Weg ins Nagelstudio, anschließend für eine kurze Dusche nach Hause um dann in die Schule zu eilen mit meiner Familie der Entlassungsfeier beizuwohnen und mein endgültiges Abiturzeugnis zu erhalten. Danach hatte ich nur wenig Zeit zu verschnaufen, schon saß ich beim Frisör und drei Stunden später angezogen im Auto auf dem Weg zu dem Hotel, in dem wir unseren Abiball feiern würden.
Dort angekommen wurde ich gleich von Isa in Beschlag genommen.
„Oh, du siehst soooo hübsch aus!! Wir müssen unbedingt ein Foto zusammen machen.“
Gesagt getan, einige Fotos später saß ich dann doch endlich an meinem Tisch und wartete darauf, dass das Buffet eröffnet würde. Als es endlich so weit war und wir alle aufstanden waren, landete ich in der Schlange vor Jonas, welcher mich keines Blickes würdigte, zu Recht.
Zu meiner großen Überraschung gefiel mir der Abend wirklich gut. Ich tanzte einige Male mit meinem Vater und es machte wirklich Spaß, vielleicht sollte ich doch noch einen Tanzkurs belegen.
Gerade fanden wir Abiturienten uns alle zusammen um gemeinsam in die nahe gelegene Disco zu fahren, schließlich war zu diesem Zweck eigens ein Shuttleservice eingerichtet worden, als mein Handy klingelte.
„Neele? Hallo? Hier ist Alex!“ Alex war die Besitzerin des Stalles, in dem Fasti stand und sie rief mich normalerweise nicht nachts um 12 Uhr an.
„Was ist passiert??“ fragte ich alarmiert.
„Mit Fasti stimmt etwas nicht, sieht nach einer Kolik aus. Es geht ihr wirklich gar nicht gut.“
Aber vorhin war doch noch alles in Ordnung gewesen??
„Soll ich den Tierarzt schon anrufen oder willst du erst kommen?“
„Nein, ruf Jan bitte sofort an, ich mache mich auf den Weg!“, schon war ich losgelaufen um meine Eltern zu finden.
„Mama!! Wir müssen in den Stall, sofort!!!“
„Jetzt??? Was ist das denn für eine Schwachsinnsidee?“ fragte sie, doch dann sah sie mein Gesicht. „Ist was mit Fasti?“
„Alex hat gerade angerufen, es sieht nach einer Kolik aus, sie ruft schon bei Jan an.“
„Natürlich, wir fahren sofort hin und machen einen Zwischenstopp zuhause, damit du dich umziehen kannst.“
„Ich brauche mich nicht umziehen.“
„Aber das Kleid...“
„Ist egal, es gibt wichtigere Dinge, als ein Kleid, meinst du nicht?“
„Natürlich.“
Nur zwanzig Minuten später waren wir im Stall und kaum hatte das Auto geparkt, sprang ich aus dem Stall und lief zu Fastis Box, sie war leer. Wo war sie? War ich zu spät? 'Nein', ich verbot mir diese Gedanken. In der Halle war Licht, vielleicht wurde sie bereits geführt. Wieder rannte ich los.
„Fasti!“ atemlos kam ich in der Halle an, wo mein Pferd bereits von Alex geführt wurde. Nun ja, gezogen würde es eher treffen. Sie wollte keinen Schritt freiwillig gehen, sah sich immer wieder nach ihrem Bauch um. Auf meine Stimme reagierte sie nicht und ich sah, dass sie unter ihrer Decke klitschnass geschwitzt war. Sie sah schrecklich aus.
„Wo ist Jan? Warum ist er noch nicht da? Wir müssen doch etwas tun.“ ich war verzweifelt.
„Hier bin ich, halt sie mal an, Alex, ich seh sie mir mal an.“
Mit raschen Bewegungen untersuchte er sie und wandte sich mir mit ernstem Gesichtsausdruck zu.
„Keinerlei Darmgeräusche, ich kann ihr eine Spritze geben, die die Darmtätigkeit ankurbelt und dann können wir nur hoffen...oder...“
„Oder?“ fragte ich angstvoll.
Mein Tierarzt wandte sich meiner Mutter zu.
„Wenn es meine wäre, würde sie jetzt sofort in die Klinik kommen.“
Meine Mutter nickte nur, dann warf sie Alex einen vielsagenden Blick zu und ging aus der Halle, Alex übergab mir mein Pferd und eilte mit den anderen heraus.
Ich blieb bei Fasti, sprach ihr beruhigend zu und versuchte sie zum weitergehen zu überreden. Sie reagierte kaum, ließ sich aber hinter mir herziehen.
Nach kurzer Zeit kamen die anderen wieder herein.
„Der Hänger ist dran, ich gebe ihr jetzt ein Schmerzmittel, damit müsste sie die Fahrt überstehen. Mehr kann ich jetzt nicht tun.“ Jan gab ihr eine Spritze und half uns, Fasti zu verladen. Die Fahrt zur Tierklinik kam wir wie eine Ewigkeit vor, als wir endlich angekommen waren wurde Fasti abgeladen und dann sofort in einen Behandlungsraum gebracht. Wenig später kam der Behandelnde Arzt zu uns.
„Es sieht nicht gut aus, wir müssen so schnell wie möglich operieren, damit die Stute überhaupt eine Chance hat.“
Es schüttelte mich.
„Tun sie, was sie können!“ ich sah meine Mutter dankbar an.
Die folgenden Stunden verbrachten wir auf der Bank vor dem OP-Raum, zwischen Hoffen und Bangen.
Es wurde bereits hell, als der Tierarzt wieder zu uns kam, er sah mich ernst an.
„Es tut mir leid...“ begann er, ich brauchte nicht weiter zuhören, wusste, was das bedeutete. Sie hatten es nicht geschafft. Sie hatten versagt.
Ich rannte durch die geöffnete Tür und sah sie auf dem Tisch liegen, ich verlangsamte meine Schritte, trat näher. Dann vergrub ich mein Gesicht in ihrer Mähne, sie war noch warm, sah aus als würde sie schlafen. Eine Weile verweilte ich so, bis mich jemand an der Schulter fasste und hinaus begleitete. Wie in Trance erlebte ich die Rückfahrt, zuhause angekommen zog ich mich in mein Zimmer zurück und schloss hinter mir ab. Ich schälte mich aus meinem Kleid, zog mir ein T-Shirt über und saß einfach nur auf dem Bett, unfähig zu schlafen. Noch nicht einmal weinen konnte ich.
Ich saß so die ganze Nacht da, unfähig mich zu bewegen. Zwei Mal klopfte es an der Tür, doch ich reagierte nicht. Ich wollte nicht reden, konnte nicht reden.
Am nächsten Morgen stand ich automatisch auf und ging an den Frühstückstisch, meine Eltern waren nicht da.
Ich versuchte etwas herunter zu bekommen, doch es war unmöglich, also verließ ich das Haus ohne etwas im Magen, setzte mich ins Auto und fuhr in den Stall.
All die mitleidigen Blicke die mich trafen, als ich meine Sachen ausräumte, ich konnte sie nicht ertragen, sodass ich alles stehen und liegen ließ und mich wieder nach Hause begab.
Dort angekommen fuhr ich meinen PC hoch, erneut eine Mail von Naischel.
NEEEEEEEEEEEELE VERDAMMT MELDE DICH UNBEDINGT BEI MIR!
ROB IST TOTAL VERZWEIFELT!!!
DER DREH IN NEW YORK STEHT AUF DER KIPPE, WEIL ER DEN KOPF NICHT FREI HAT!
ER VERMISST DICH! ER LIEBT DICH!
WARUM SIEHST DU DAS NICHT?
KOMM ZURÜCK!!! KOMM ZURÜCK!!!! KOMM ZURÜCK!
Wir vermissen dich übrigens auch, Kellans Haus steht dir immer offen, überleg´s dir.
Ich schaltete meine Anlage ein.
It's just you and me and there's no one around
I feel like I'm hanging by a thread, it's a long way down
I've been trying to breathe, but I'm fighting for air
I'm at an all time low with no place to go
But you're always there when everything falls apart
And it seems like the world is crashing at my feet
You like me the best, when I'm a mess
When I'm my own worst enemy
Fasti. Sie war immer da, in jeder Stimmungslage konnte ich zu ihr gehen, sie gab mir den nötigen Halt, bewahrte mich vor dem Abheben und vor dem Fallen. Egal wie ich mich gefühlt hatte, egal, was andere von mir gedacht hatten, bei ihr hatte ich immer das Gefühl gehabt, dass ich frei war, frei von allem Druck, bei ihr war ich immer ich selbst.
You make me feel beautiful
When I have nothing left to prove
And I can't imagine how I'd make it through
There's no me without you
No me without you, no no
Konnte ich ohne sie existieren? Ich hatte sie gekannt, seit sie ein Fohlen war, wir hatten so viel gemeinsam durchlebt.
Sie war mein Ein und Alles gewesen.
Wie sollte ich das überstehen?
Würde jemand anderes kommen, der mir den nötigen Halt geben könnte?
You hear what I say, when I don't say a word
You are my rising sun, you're the place I run
War ich diesem jemand schon begegnet?
You know how it hurts when everything falls apart
And it seems like the world is crashing at my feet
You like me the best, when I'm a mess
When I'm my own worst enemy
You make me feel beautiful
When I have nothing left to prove
And I can't imagine how I'd make it through
There's no me without you
No me without you
There's no me without you
No me without you
And when you say baby it's gonna get better, I believe you
And I wish that somehow I could see me though what you do
With my imperfections, you think I'm perfect
When it's not easy, you make it worth it
Hatte ich diesen jemand am Ende schon gefunden?
Wusste ich, wer es war?
Würde er mich noch haben wollen?
Nach all dem, was ich getan hatte?
When everything falls apart
And it seems like the world is crashing at my feet
You like me the best, when I'm a mess
When I'm my own worst enemy
Dass er mich mochte, selbst wenn ich mich wie eine Idiotin benahm, hatte er bereits bewiesen.
You make me feel beautiful
When I have nothing left to prove
And I can't imagine how I'd make it through
Hatte ich das verdient?
There's no me without you
No me without you, no no
Nicht ohne sie.
No me without you
No me without you, no no... no
Nicht ohne ihn...?
[ Ashley Tisdale – Me without you :
http://www.youtube.com/watch?v=sKTCIP2iZMc ]
Ich hing meinen Gedanken nach, immer wieder kreisten sie um Fasti... und um Rob...
Fasti hatte ich bereits verloren, würde ich ihn auch noch verlieren? Das würde mich umbringen, da war ich mir sicher...
Meine Mutter betrat mein Zimmer.
„Neele....“ ich schüttelte nur den Kopf, ich wollte nicht mit ihr reden und so verließ sie den Raum.
Ich hörte sie unten mit meinem Vater sprechen, dann schien sie zu telefonieren. Wenig später kam sie wieder zu mir.
„Pack deine Sachen.“ wies sie mich an, ich sah sie nur mit wässrigen Augen fragend an.
„Ich habe deinen Flug gebucht.“
„Was für einen Flug?“ ich verstand überhaupt nichts mehr.
„In die USA. Du gehörst hier nicht mehr her, das habe ich begriffen.“
„Natürlich gehöre ich hierher, ihr seid hier.“
„Aber Fasti ist nicht mehr da und dein Herz schlägt für jemand anderen. Es wird sich nichts daran ändern, dass wir deine Familie sind und immer für dich da sein werden. Aber du musst deinen eigenen Weg gehen und wenn du selber nicht den ersten Schritt gehen kannst, dann werden wir dir helfen müssen, so wie wir dir bei deinen ersten Schritten als kleines Mädchen geholfen haben.“
Ich umarmte meine Ma, „Danke“, war das einzige, was ich herausbrachte und sie schien zu verstehen.
Meine Eltern brachten mich zum Flughafen, mein Flug sollte um 13 Uhr gehen, sie hatte mich nach LA gebucht, sie hatte mitgedacht.
Es wurde ein tränenreicher Abschied und ich wühlte in meiner Tasche nach meiner Sonnenbrille. Ich wurde auch fündig, doch ich hielt nicht meine Brille in der Hand, sondern die, die Rob mir geschenkt hatte und die in meinem Koffer hatte sein sollen. Meine Mutter grinste nur.
Ich setzte sie also auf, warf einem letzten Blick zu meiner Familie und ging durch die Schranke zum Gate.
Der Flug verlief ereignislos, 11 Stunden später stand ich am LAX und fragte mich, was ich dort eigentlich machte.
Es war 15 Uhr am Nachmittag und ich beschloss, mir ein Taxi zu nehmen, der Taxifahrer würde schon wissen, wie ich zu Kellan und Naischel kommen würde.
Kurz darauf saß ich auch schon in einem Taxi.
„Wohin darf ich sie bringen?“
„Ich möchte zu Kellan Lutz, wissen sie den Weg?“
Er zögerte, dann lächelte er, „Natürlich.“ und schon setzte sich der Wagen in Bewegung.
Nach 30 Minuten waren wir angekommen, ich bezahlte den Fahrer, er holte mein Gepäck aus dem Wagen und kurz darauf stand ich alleine vor einem verfallenen Haus. Von den Fensterrahmen blätterte die Farbe ab, in der Fassade befanden sich große Risse. Ich blickte mich um, auch alle anderen Häuser wirkten verfallen.
Na toll, der Typ hatte mich doch eiskalt verarscht.
Ich versuchte Naischel auf dem Handy zu erreichen, Fehlanzeige.
Schnell wählte ich die Nummer von Maj, vielleicht hatte ich da mehr Glück.
„Ja?“ meldete sie sich.
„Maj? Hier ist Neele...“
„Neeeeeeleeee!!!! Wie geht’s dir?“
„Ähm ja, nicht so wichtig, also... ich bin in LA... und son Taxifahrer hat mich verarscht, ich wollte zu Kellan und Naischel aber das ist definitiv das falsche Haus. Kann ich erstmal zu dir kommen?“
„Oh nein, wie scheiße. Ich bin nicht zu Hause, ich bin mit Alex auf Promotour....“
„Oh... egal, ich finde sie schon irgendwie, wir telefonieren die Tage!?“
„Warte, ich kann dir doch die Adresse per SMS schicken...“
„Das wäre echt große klasse!!“
„Na klar, ich ruf dich mal an, okay?“
„Alles klar vielen Dank!!“
Wenige Augenblicke später hatte ich eine SMS von Maj mit der richtigen Adresse von Kellan und Naischel.
Ich winkte ein Taxi und zeigte ihm die Straße, während der Fahrt schaute ich aus dem Fenster und sah, dass ich in die richtige Gegend fuhr, das war schon eher Kellans Stil.
„Wir sind da.“ holte mich der Fahrer aus meinen Gedanken, rasch bezahlte ich und stand kurz darauf alleine vor dem Haus.
Ich atmete tief durch, griff nach meinem Koffer und ging zur Haustür.
Sollte ich jetzt wirklich klingeln?
Was sollte ich nur sagen?
Kurz zögerte ich, dann drückte ich auf den Klingelknopf.
Es dauerte nicht lange, da wurde auch schon die Tür geöffnet und ich sah in das Gesicht einer sehr überraschten Naischel.

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