Ich war froh, dass Neele sich von uns allen ablenken ließ. Sie hatte ihren Weg zurück ins Leben gefunden, erlag nicht in ihrem Selbstmitleid.
Lina war inzwischen ein Teil unserer Familie. Natürlich war ich überrascht gewesen, dass sie sich für einen Hund entschieden hatte, aber nachdem Kellan davon erfuhr, war er Feuer und Flamme. Kola akzeptiere die kleine Maus von Anfang an, sodass dem nichts im Wege stand.
Halloween hatten wir alle zusammen in Vegas verbracht. Kellan und Ashley waren eingeladen dort mit einigen Fans ´Yelloween´im Tao zu feiern. Ashley ließ es sich nicht nehmen uns mit zu schleppen. Trace war noch zu uns gestoßen, er hatte Neele mittlerweile auch ins Herz geschlossen und sorgte sich um sie.
Wir hatten gemeinsam kurz nach unserer Ankunft in LA Neeles Hab und Gut zusammengepackt und zu Kellans Haus gebracht. Neele bezog das Gästezimmer, richtete sich häuslich ein. Ashley ließ es sicht natürlich auch nicht nehmen, das ganze neu zu renovieren und einzurichten. Ich denke sie fühlte sich ganz wohl bei uns. Neele hatte ihre Lina und sie hatte einen Job gefunden, der ihr viel Spass machte. Sie hatte einen Plan, einen Plan ohne Rob.
Wir verloren kaum noch ein Wort über ihn, auch Kellan und ich sprachen eigentlich nicht mehr von Rob. Uns allen blieb allerdings nicht verborgen, dass er jetzt offiziell mit Kristen zusammen war.
Es war schwer, nicht mit Neele darüber zu sprechen, obwohl wir alle ihren Schmerz sehen konnten. Sie verzog sich abends immer in ihr Zimmer, bevor sie emotional total zusammen brach. Anfangs war ich ihr immer hinterher gegangen, um sie zu trösten, bis sie mir gesagt hatte, dass sie alleine sein wollte. So schwer es mir fiel, ich musste ihren Wunsch respektieren.
Doch jetzt lagen die Dinge anders. Neele hatte Paul. Sie hatte ihn im Tao in Vegas kennen gelernt und seit jenem Abend waren die beiden unzertrennlich. Sicher, ich hatte nen halben Herzinfakt bekommen, als ich sie am Morgen nach der Halloweenparty nicht in ihrem Zimmer vorfand, aber als sie dann mittags Hand in Hand mit Paul zum Flughafen kam, freute ich mich für sie. Sie sah besser aus, glücklich. Na gut, nicht ganz glücklich, aber sie war auf dem besten Weg dahin.
Seit der Halloweenparty waren jetzt drei Wochen vergangen und Paul ging, wann immer er in der Stadt war, bei uns ein und aus.
Neele lächelte von Tag zu Tag mehr, was uns alle erfreute. Sie machte kleine Schritte in die richtige Richtung und Paul half ihr dabei.
Kellan war momentan kaum noch zu Hause, da er kräftig die Werbetrommel für New Moon drehte, wir telefonierten mehrmals täglich und ich war ja auch nie ganz allein zu Haus. Neele lebte bei uns und auch Paul war mittlerweile ein fester Bestandteil unserer „kleinen“ Familie.
Wir alle hatten ihn in dieser kurzen Zeit ins Herz geschlossen und Kellan verstand sich bestens mit ihm.
Die letzten drei Wochen waren wie im Flug vergangen und die Premiere von New Moon rückte immer näher. Ich freute mich einerseits schon sehr darauf die anderen wieder zu sehen, andererseits war da auch Rob.
Neele weigerte sich strickt mit zu kommen, sie wollte ihm einfach nicht begegnen. Natürlich konnte ich sie verstehen, aber sie konnte es nicht ewig hinausschieben und sie war genauso gespannt auf den Film wie ich. Aber New Moon weckte auch viele Erinnerungen, alleine die Italienszenen. Wir waren in Italien dabei gewesen…
Seufzend betrat ich die Küche und schenkte mir Kaffee in. Von oben hörte ich Gelächter, also waren Neele und Paul bereits wach.
Von Neele wusste ich, dass sie bis Dato noch nicht mit Paul geschlafen hatte. Sie wollte es langsam angehen und er überließ es ihr, wann sie dazu bereit war.
Allerdings würde er sie bestimmt bald soweit haben, die Geräusche, die nachts aus Neeles Zimmer kamen, deuteten jedenfalls darauf hin. Paul schien sie um den Verstand zu bringen.
Ich kicherte in mich hinein und nippte an meinen Kaffee, als mich zwei Arme von hinten umarmten. Ich erschreckte mich fast so sehr, dass ich meine Tasse fallen ließ.
„Ich wollte dich nicht erschrecken mein Schatz, guten Morgen“, lachte Kellan süffisant.
„Dir auch einen guten Morgen“, sagte ich breit grinsend und begrüßte Kola und Lina, die beide vor mir herumwuselten.
„Neele und Paul sind auch schon wach“
„Japp…offensichtlich..“, grinste er, ging zum Schrank und gab den Hunden ihr Frühstück.
„Warum grinst du so breit?“
„Nur so…“, witzelte er.
„Was weißt du?“, hakte ich nach.
„Ich weiß nichts, als ich aufgestanden bin…war Neele nur kaum zu überhören. Ich weiß nicht, was Paul mit ihr anstellt, aber was auch immer, das kann er verdammt gut“
Wir beide mussten lachen, bemerkten nicht wie Paul und Neele herunter kamen.
„Was kann ich verdammt gut?“; hörte ich ihn plötzlich fragen und verschluckte mich an meinem Kaffee. Kellan klopfte mir immer noch lachend auf den Rücken. „Nichts Paul, gar nichts…“
„Hey guten Morgen Lina, wart ihr schon mit den Hunden?“, begrüßte Neele ihre kleine Maus liebevoll.
„Ich hab sie mitgenommen, sie saß zum Glück VOR eurer Schlafzimmertüre…“, scherzte Kellan und Neele sah ihn schockiert an, wurde augenblicklich rot.
Kellan lachte noch mehr über Neeles Reaktion, während Paul ihr einen Kuss auf ihr Haar gab und ihr etwas zu flüsterte, was sie noch mehr erröten ließ. Die beiden waren wirklich süß zusammen.
„Leute… lasst uns einfach frühstücken…“, sagte ich schließlich und bat alle zum Tisch.
++++++++++++
„Ich werde da nicht hingehen Naischel“
„Und ob du mit uns mitkommst, Paul ist bei dir, wir sind da“
„Aber sie werden auch da sein“
„Neele, du kannst dich nicht ewig verstecken. Tu das Paul nicht an, er steht so schon in seinem Schatten“
„Sag so was nicht… so ist es nicht“, erwiderte sie traurig und ließ den Kopf hängen.
„Doch so ist es… Jetzt zieh dich bitte um“, etwas genervt hielt ich ihr das cremefarbenes mit einigen Pailletten besetzte Kleid hin. Bestimmend sah ich sie an. „Du wirst das anziehen, Fräulein, Paul ist in ner Viertelstunde hier, zieh dich um, damit wir dich schminken können“
Seufzend verließ ich ihr Zimmer und ging zu Ashley und Kellan hinunter ins Wohnzimmer.
„Wird sie es endlich anziehen?“, fragte mich Ashley aufgebracht. „Das kann sie doch nicht machen. Sie ist so feige… Sie muss sich ihm endlich stellen“
„Sie hat Angst“, verteidigte Kellan Neele.
„Sie hat uns dabei, sie hat ihren Paul, was zum Teufel will diese Frau denn noch? Sie muss sich dem ganzen Stellen, sie lange genug vor ihm davon gelaufen. Es wird Zeit… Ich werde sie jetzt zwingen sich umzuziehen und dann werde ich ihr Leben einhauchen. Sie wird aussehen wie eine Prinzessin, wenn ich mit ihr fertig bin und diesem Mistkerl wird bewusst werden, was er da verloren hat“, wütend stapfte Ashley an mir vorbei nach oben.
„Geht’s dir gut?“, fragte Kellan besorgt. Er wusste, mich ließ das Ganze nicht kalt.
Neele würde bei der heutigen Premiere nicht nur auf Rob treffen, sondern auf das neue Traumpaar am Filmhimmel – Rob und Kristen.
Es war schwer für sie, das wussten wir alle, aber sie musste da durch. Sie musste diesen Schritt endlich hinter sich bringen. Neele konnte nicht weiter davon laufen.
Es klingelte und Kellan öffnete bereits, als wir laute Stimmen von oben vernahmen. Offenbar stritten Neele und Ashley mal wieder heftig.
„Komm rein Paul, die Mädels brauchen noch eine Weile“, begrüßte ihn Kellan.
„Du meinst mein Mädel brauch mal wieder…“, lachte Paul und trat ein.
„Wow Naischel, du siehst fantastisch aus.“
„Hey, Finger weg Paul, das hier ist meine“, scherzte Kellan, kam auf mich zu und küsste mich stürmisch.
Ich löste mich von ihm und kicherte, dann wandte ich mich an Paul. „Sie kommen bestimmt gleich, ich geh mal nach ihnen gucken“
Als ich Neeles Zimmertür öffnete, traf mich der Schlag. Ashley hatte es tatsächlich geschafft, sie in ihr Kleid zu zwängen, sie schminkte sie bereits und Neele war so gut wie fertig. Sie trug, das konnte unmöglich ihr ernst sein, Robs Ohrringe und dazu demonstrativ Pauls Kette, die er ihr geschenkt hatte.
„Süße, oh wow…. Du siehst, wahrhaftig aus wie eine Prinzessin“, staunte ich und Tränen der Freude traten mir in die Augen.
„Hört ja auch zu heulen, ihr ruiniert sonst noch alles“, zischte Ashley und reichte Neele gerade ihre Schuhe.
„Was meint ihr kann ich so gehen?“, fragte diese und bewunderte sich gerade selbst im Spiegel.
„Wie ich sehe, wollen wir ihm heute Abend zeigen, was er verloren hat“, hörten wir Paul plötzlich sagen und Neele fuhr ruckartig herum. „Paul…“, hauchte sie leise und lief auf ihn zu.
Er zog sie dicht an sich und küsste sie liebevoll. „Du siehst wunderschön aus, mein Liebling“
Neele errötete und es war wirklich ein wundervoller Moment, der durch Ashleys Drängen zerstört wurde. „Die warten nicht auf uns, los…die Limo ist auch schon da“
Die Fahrt zum Theatre schien eine Ewigkeit zu dauern. Je näher wir dem roten Teppich am Bruin Theatre kamen, desto nervöser rutschte Neele hin und her. Paul war einfach großartig wie er ihr den Rücken stärkte. Immer wieder lächelte er ihr beruhigend zu und streichelte ihre Hand.
Der Wagen stoppte und wenige Sekunden später wurde er geöffnet.
Von draußen hörten wir bereits lautes Geschrei. Ashley blickte Neele liebevoll an.
„Süße, du schaffst das.“, dann flüsterte sie ihr noch etwas zu, dass ich nicht genau verstand, allerdings zauberte sie damit auf Neeles Gesicht ein kleines Lächeln.
„Dann lasst uns alle mal aussteigen“, rief Ash enthusiastisch und wenige Minuten später passierten wir alle gemeinsam den roten Teppich. Ashley nahm Neele und Paul an ihre Seite und posierte mit den beiden, beziehungsweise wir schritten zu fünft, Seite an Seite über den roten Teppich. Ashley und Kellan musste einige Interviews geben und auch Neele und ich wurden angehalten, Neele versteifte sich innerlich und wurde von Paul weiter gezogen. Ich blieb jedoch stehen und beantwortete der Reporterin einige Fragen, ob ich den Film schon gesehen hätte und wie es mir hier gefallen würde.
Nachdem ich alle Fragen ehrlich und zuvorkommend beantwortete, kam die Frage auf, welches Kleid ich denn tragen würde.
„Das kann ich ihnen leider nicht verraten. Ashley Greene ist für dieses Outfit zuständig, sie hat mich komplett eingekleidet heute Abend, das müssen sie sie fragen“, erklärte ich mit einem zauberhaften Lächeln auf den Lippen.
„Kommen wir nun zu einer anderen Sache, die uns alle hier beschäftigt. Neele Kaiser ist auch hier heute Abend, ein kurzer Kommentar zur Trennung mit Robert Pattinson?“
„Was soll ich ihnen diesbezüglich sagen? Sie haben sich getrennt, viele Leute trennen sich tagtäglich, so ist nun mal das Leben“, gab ich zurück.
„Eine kurze Frage noch, wie geht es Miss Kaiser nach der Trennung?“
„Ihr geht es gut, schauen sie doch nur, sie strahlt richtig“
„Ist das etwa Paul Wesley zu verdanken?“
„Vielleicht“, sagte ich mit einem Grinsen im Gesicht und ging weiter.
Kellan holte mich ein und sah mich fragend an. „Du gibst Interviews?“
„Klar, wenn es einen guten Zweck dient“, flüsterte ich ihm leise zu.
„Du kleines Biest“, hauchte er und gab mir einen kurzen, aber sanften Kuss.
Wir liefen weiter vorbei an den Reportern, Kellan gab noch hier und dort ein kurzes Interview. Neele und Paul hatte ich aus den Augen verloren, wo waren die beiden nur?
Mein Gedankengang wurde unterbrochen als eine weitere Limousine vorfuhr, die das ganze Blitzlichtgewitter der Reporter auf sich zog. Die Tür wurde geöffnet und ein strahlender Rob stieg aus. Er sah fantastisch aus, gar keine Frage. Gott sei dank, kamen er und Kristen getrennt an, dennoch waren meine Gedanken bei Neele.
„Kellan, ich muss… Neele… sie…“
Er gab mir mit einer Kopfbewegung zu verstehen, dass ich ruhig gehen sollte. Ashley war ebenfalls aufgeschreckt und kam schnellen Schrittes auf mich zu, gemeinsam liefen wir Richtung Neele, die gerade den Kopf in unsere Richtung hob und sofort erstarrte.
Verdammt sie hatte ihn gesehen. Sie stand stocksteif da, ich drehte mich noch einmal herum und sah dass Rob sie ebenfalls erblickt hatte und sie genau fixierte. Ich lief weiter in Richtung Neele, als Paul sie aus ihrer Starre riss, sie zu sich herum drehte und stürmisch seine Lippen auf ihre presste. Sofort lagen alle Blicke auf ihnen und die Paparazzi schienen sich fast um das beste Bild zu kloppen. Ein Raunen ging durch die Menge.
„Das muss man ihm lassen, der Mann hat echt Klasse“, staunte Ashley neben mir. „Wenn Blicke jetzt töten würden, wäre er eben gerade umgefallen“
+++++++++++
Wie lange hatte ich diesen Tag herbeigesehnt. Heute war es soweit, Tag der Premiere, Tag des Wiedersehens. Würde sie da sein? Ich hoffte es zutiefst. Ich vermisste sie so sehr.
Schweigsam machte ich mich fertig, zog meinen Anzug an und wartete auf Kristen, die sich noch von ihrer Stylistin zurecht gemacht wurde.
Ich konnte es kaum erwarten und schaute alle paar Minuten auf die Uhr. Wie würde sie reagieren? Wie würde ich reagieren?
„Du siehst unglaublich aus“, riss mich Kristen aus meinen Gedanken.
„Nichts im Gegenteil zu Dir“, säuselte ich und gab ihr einen schnellen Kuss.
Endlich konnten wir los. Wir hatten uns dazu entschieden einzeln vorzufahren. Damit jeder den Augenblick in der Menge für sich genießen konnte.
Das Bruin Theater war übersäht mit Fans und man konnte sie schon von weitem hören. Der ganze Hype, der um den Film und besonders um uns gemacht wurde, war unfassbar.
Der Wagen stoppte, ich atmete noch einmal tief durch, als auch schon die Tür geöffnet wurde und ich heraus trat.
Sofort ging das Blitzlichtgewitter los und ein ohrenbetäubendes Geschrei brach los.
Aus dem Augenwinkel sah ich Kellan und Naischel, die sich gerade küssten, mein Kopf sah sich weiter suchend nach Ihr um, bis ich si
e endlich entdeckte…
Am Eingang des Theatres stand sie, ihre Augen waren auf mich gerichtet. Unsere Blicke verfingen sich ineinander, mein Herz begann sich zu überschlagen. Wie lange hatte ich mich nach diesem Moment gesehnt?
Sie sah wunderschön aus, Kristen war nichts um Vergleich zu ihr, keiner konnte ihr das Wasser reichen. Sie glich einer Prinzessin. Sie trug ein cremefarbenes Kleid ohne Träger, ihre Haare waren elegant hochgesteckt und sie, nein das konnte nicht sein – trug sie da wirklich meine Ohrringe? Das konnte nicht sein. Mein Herz ging auf, hatte ich etwa noch eine Chance bei ihr? Liebte sie mich noch?
Ich hatte nur noch Augen für sie, fixierte sie ganz genau und lächelte mein schiefes Lächeln nur für sie.
„Neele“, hauchte ich leise, den Blick immer noch auf sie gerichtet. Wie lange hatte ich es mir verboten, ihren Namen laut auszusprechen? Die ganzen Reporter um mich herum interessierten mich nicht mehr, ich wollte nur noch zu ihr. Ihr sagen wie leid mir alles tat, sie bitten, mir zu verzeihen – ich wollte sie küssen, sie endlich wieder schmecken.
Von einem auf den anderen Moment war mir egal, was alle denken würden, ich wollte sie nur noch in meinen Armen wissen.
Ich schritt ihr langsam wie in Trance entgegen, als sie herumgerissen wurde und in den Armen eines anderen lag. Moment – was zum Teufel tat er da? Wer war das?
Ich hatte nicht bemerkt, dass sie nicht alleine hier zu seien schien. Der Kerl zog sie an sich – er würde doch nicht, das würde er doch nicht tun? Warum neigte sich sein Kopf zu ihrem Gesicht?
Wut kochte in mir hoch, ich wollte diesem Kerl verprügeln, warum fasste er meine Neele an?
Dann geschah etwas, womit ich niemals gerechnet hatte, dieser Scheißkerl presste seine Lippen stürmisch auf ihren wundervollen Mund und anstatt, dass Neele ihn wegdrückte, erwiderte sie den Kuss.
Ich stand wie erschlagen da…
Mein Herz zersprang augenblicklich in tausend Stücke, würde zerrissen nur durch einen kurzen Moment.
Meine Welt stürzte vollkommen ein – sie hatte einen anderen!??!!
Sie war über mich hinweg!
„Robert, kommst du?“, Taylor wedelte vor mir herum. „Die wollen Fotos von uns dreien machen“
Ich war nur noch fähig zu nicken, ein letzter trauriger Blick in Neeles Richtung und ich ließ mich von Taylor mitziehen.
Ich versuchte, mich mit Interviews, Posen und Kristen irgendwie abzulenken. Nach über einer Stunde waren wir endlich im Filmsaal angekommen und saßen auf unseren Plätzen. Immer wieder glitt mein suchender Blick zu ihr. Sie saß ein ein paar Reihen hinter uns, zusammen mit Kellan und Naischel, neben ihr saß dieser Futzi, der übers ganze Gesicht strahlte und ihr immer wieder etwas ins Ohr flüsterte, was sie erröten ließ. Früher war ich derjenige gewesen, der dies bewirkt hatte.
Ich vermisste es, dass sie für mich errötete, weil ihr etwas peinlich war.
Immer wieder huschte mein Blick zu ihr, ich sah wie dieser Typ sie küsste, sanft streichelte und mir platze bald der Kragen.
Ich schnaubte verächtlich auf, Peter fing meinen Blick auf und schüttelte nur den Kopf. Er brauchte nichts zu sagen, ich hatte seine Andeutung auch so verstanden. Ich sollte mich wieder umdrehen und zur Leinwand schauen. Nachdem ich auch von Ashley und Elizabeth böse Blicke erntete, richtete ich meine Augen wieder auf die Leinwand.
Ich versuchte, mich so gut es ging zu beherrschen, nicht aufzuspringen und zu ihr zu rennen, mich überhaupt noch einmal um zu drehen, aber als die Italienszenen kamen, konnte ich nicht anders und drehte mich in ihre Richtung um.
Sie saß mit
weit aufgerissenen traurigen Augen auf ihren Platz und plötzlich sah sie ebenfalls in meine Richtung. Sie sah mich direkt an und ich sie kämpfte mit sich. Ich versuchte ihr zu zu lächeln, aber ich scheiterte kläglich. In ihrem Blick sah ich Schmerz und Sehnsucht, fühlte sie etwa so, wie ich mich gerade fühlte?
Plötzlich hörte ich sie aufschluchzen und sie stand abrupt auf, lief wie von der Tarantel gestochen aus dem Saal. Ich sah ihr hinterher und brauchte nicht lange zum überlegen. Ich stand auf und rannte ihr nach. Kellan wollte gerade aufstehen, aber ich hielt ihn zurück.
„Bitte Kell, ich weiß du hasst mich, aber gib mir fünf Minuten mit ihr?“, bat ich sehnsüchtig, Kellan sah mich durchdringend an, setzte sich dann aber wieder. Ich lief weiter, hinaus ins Foyer, konnte sie aber nirgendwo erblicken. Wo konnte sie nur sein?
Da fiel es mir
wie Schuppen von den Augen, ein Dejavue. Bei den Movie Awards war sie auf die Damentoilette geflüchtet, ich musste mein Glück einfach versuchen, also stand ich wenige Sekunden später vor dieser, unentschlossen, ob ich mich hinein wagen sollte oder nicht. Was zum Teufel sollte ich ihr nur sagen?
Ich atmete geräuschvoll aus und trat einfach ein, als ich sie auch schon vor einem der Wachbecken stehen sah. Erschrocken fuhr sie herum und sah mich ängstlich an. Tränen durchnässten ihr wunderschönes Gesicht und sie zitterte. Ich trat auf sie zu, mein Herz raste. Nervös wie ich war, fuhr ich mir im
mer wieder durch die Haare und blieb dann zögernd vor ihr stehen.
Neele schluchzte erneut auf und plötzlich änderte sich ihr Gesichtsausdruck. Sie sah mich mit wütendem Blick an. „Was willst du hier? Verschwinde“
„Neele“, scheiße es tat so gut ihren Namen auszusprechen, „Es tut mir leid, es tut mir alles so leid“
„Verschwinde hab ich gesagt, lass mich endlich in Ruhe…. Hau ab!!!“, keifte sie und ich merkte, dass sie um Fassung rang. Sie war kurz davor zusammenzubrechen. Ich trat weiter auf sie zu und bemerkte nicht, dass ich sie an die gegenüberliegende Wand drängte. Ich hörte unseren lauten Atem, als ich genau vor ihr stand. Ihr Duft umwirbelte mich, verdammt, sie roch immer noch so gut.
Ich sah ihr tief in die Augen, aus denen immer wieder Tränen hervorquollen. Ich konnte kaum noch klar denken, ich wollte sie so sehr.
Un
d dann ohne zu überlegen, legte ich eine Hand an ihre Wange, zog sie näher zu mir heran und küsste sie stürmisch, leidenschaftlich. Ich legte so viel Gefühl in diesen Kuss hinein, als wenn es um mein Leben ginge und das tat es, es ging um sie… - mein Leben.















