Mittwoch, 18. November 2009

New Moon Premiere LA, Part I

Naischel Pov

Ich war froh, dass Neele sich von uns allen ablenken ließ. Sie hatte ihren Weg zurück ins Leben gefunden, erlag nicht in ihrem Selbstmitleid.

Lina war inzwischen ein Teil unserer Familie. Natürlich war ich überrascht gewesen, dass sie sich für einen Hund entschieden hatte, aber nachdem Kellan davon erfuhr, war er Feuer und Flamme. Kola akzeptiere die kleine Maus von Anfang an, sodass dem nichts im Wege stand.

Halloween hatten wir alle zusammen in Vegas verbracht. Kellan und Ashley waren eingeladen dort mit einigen Fans ´Yelloween´im Tao zu feiern. Ashley ließ es sich nicht nehmen uns mit zu schleppen. Trace war noch zu uns gestoßen, er hatte Neele mittlerweile auch ins Herz geschlossen und sorgte sich um sie.

Wir hatten gemeinsam kurz nach unserer Ankunft in LA Neeles Hab und Gut zusammengepackt und zu Kellans Haus gebracht. Neele bezog das Gästezimmer, richtete sich häuslich ein. Ashley ließ es sicht natürlich auch nicht nehmen, das ganze neu zu renovieren und einzurichten. Ich denke sie fühlte sich ganz wohl bei uns. Neele hatte ihre Lina und sie hatte einen Job gefunden, der ihr viel Spass machte. Sie hatte einen Plan, einen Plan ohne Rob.

Wir verloren kaum noch ein Wort über ihn, auch Kellan und ich sprachen eigentlich nicht mehr von Rob. Uns allen blieb allerdings nicht verborgen, dass er jetzt offiziell mit Kristen zusammen war.

Es war schwer, nicht mit Neele darüber zu sprechen, obwohl wir alle ihren Schmerz sehen konnten. Sie verzog sich abends immer in ihr Zimmer, bevor sie emotional total zusammen brach. Anfangs war ich ihr immer hinterher gegangen, um sie zu trösten, bis sie mir gesagt hatte, dass sie alleine sein wollte. So schwer es mir fiel, ich musste ihren Wunsch respektieren.

Doch jetzt lagen die Dinge anders. Neele hatte Paul. Sie hatte ihn im Tao in Vegas kennen gelernt und seit jenem Abend waren die beiden unzertrennlich. Sicher, ich hatte nen halben Herzinfakt bekommen, als ich sie am Morgen nach der Halloweenparty nicht in ihrem Zimmer vorfand, aber als sie dann mittags Hand in Hand mit Paul zum Flughafen kam, freute ich mich für sie. Sie sah besser aus, glücklich. Na gut, nicht ganz glücklich, aber sie war auf dem besten Weg dahin.

Seit der Halloweenparty waren jetzt drei Wochen vergangen und Paul ging, wann immer er in der Stadt war, bei uns ein und aus.

Neele lächelte von Tag zu Tag mehr, was uns alle erfreute. Sie machte kleine Schritte in die richtige Richtung und Paul half ihr dabei.

Kellan war momentan kaum noch zu Hause, da er kräftig die Werbetrommel für New Moon drehte, wir telefonierten mehrmals täglich und ich war ja auch nie ganz allein zu Haus. Neele lebte bei uns und auch Paul war mittlerweile ein fester Bestandteil unserer „kleinen“ Familie.

Wir alle hatten ihn in dieser kurzen Zeit ins Herz geschlossen und Kellan verstand sich bestens mit ihm.

Die letzten drei Wochen waren wie im Flug vergangen und die Premiere von New Moon rückte immer näher. Ich freute mich einerseits schon sehr darauf die anderen wieder zu sehen, andererseits war da auch Rob.

Neele weigerte sich strickt mit zu kommen, sie wollte ihm einfach nicht begegnen. Natürlich konnte ich sie verstehen, aber sie konnte es nicht ewig hinausschieben und sie war genauso gespannt auf den Film wie ich. Aber New Moon weckte auch viele Erinnerungen, alleine die Italienszenen. Wir waren in Italien dabei gewesen…

Seufzend betrat ich die Küche und schenkte mir Kaffee in. Von oben hörte ich Gelächter, also waren Neele und Paul bereits wach.

Von Neele wusste ich, dass sie bis Dato noch nicht mit Paul geschlafen hatte. Sie wollte es langsam angehen und er überließ es ihr, wann sie dazu bereit war.

Allerdings würde er sie bestimmt bald soweit haben, die Geräusche, die nachts aus Neeles Zimmer kamen, deuteten jedenfalls darauf hin. Paul schien sie um den Verstand zu bringen.

Ich kicherte in mich hinein und nippte an meinen Kaffee, als mich zwei Arme von hinten umarmten. Ich erschreckte mich fast so sehr, dass ich meine Tasse fallen ließ.

„Ich wollte dich nicht erschrecken mein Schatz, guten Morgen“, lachte Kellan süffisant.

„Dir auch einen guten Morgen“, sagte ich breit grinsend und begrüßte Kola und Lina, die beide vor mir herumwuselten.

„Neele und Paul sind auch schon wach“

„Japp…offensichtlich..“, grinste er, ging zum Schrank und gab den Hunden ihr Frühstück.

„Warum grinst du so breit?“

„Nur so…“, witzelte er.

„Was weißt du?“, hakte ich nach.

„Ich weiß nichts, als ich aufgestanden bin…war Neele nur kaum zu überhören. Ich weiß nicht, was Paul mit ihr anstellt, aber was auch immer, das kann er verdammt gut“

Wir beide mussten lachen, bemerkten nicht wie Paul und Neele herunter kamen.

„Was kann ich verdammt gut?“; hörte ich ihn plötzlich fragen und verschluckte mich an meinem Kaffee. Kellan klopfte mir immer noch lachend auf den Rücken. „Nichts Paul, gar nichts…“

„Hey guten Morgen Lina, wart ihr schon mit den Hunden?“, begrüßte Neele ihre kleine Maus liebevoll.

„Ich hab sie mitgenommen, sie saß zum Glück VOR eurer Schlafzimmertüre…“, scherzte Kellan und Neele sah ihn schockiert an, wurde augenblicklich rot.

Kellan lachte noch mehr über Neeles Reaktion, während Paul ihr einen Kuss auf ihr Haar gab und ihr etwas zu flüsterte, was sie noch mehr erröten ließ. Die beiden waren wirklich süß zusammen.

„Leute… lasst uns einfach frühstücken…“, sagte ich schließlich und bat alle zum Tisch.


++++++++++++



„Ich werde da nicht hingehen Naischel“

„Und ob du mit uns mitkommst, Paul ist bei dir, wir sind da“

„Aber sie werden auch da sein“

„Neele, du kannst dich nicht ewig verstecken. Tu das Paul nicht an, er steht so schon in seinem Schatten“

„Sag so was nicht… so ist es nicht“, erwiderte sie traurig und ließ den Kopf hängen.

„Doch so ist es… Jetzt zieh dich bitte um“, etwas genervt hielt ich ihr das cremefarbenes mit einigen Pailletten besetzte Kleid hin. Bestimmend sah ich sie an. „Du wirst das anziehen, Fräulein, Paul ist in ner Viertelstunde hier, zieh dich um, damit wir dich schminken können“

newmoonpre

Seufzend verließ ich ihr Zimmer und ging zu Ashley und Kellan hinunter ins Wohnzimmer.

„Wird sie es endlich anziehen?“, fragte mich Ashley aufgebracht. „Das kann sie doch nicht machen. Sie ist so feige… Sie muss sich ihm endlich stellen“

„Sie hat Angst“, verteidigte Kellan Neele.

„Sie hat uns dabei, sie hat ihren Paul, was zum Teufel will diese Frau denn noch? Sie muss sich dem ganzen Stellen, sie lange genug vor ihm davon gelaufen. Es wird Zeit… Ich werde sie jetzt zwingen sich umzuziehen und dann werde ich ihr Leben einhauchen. Sie wird aussehen wie eine Prinzessin, wenn ich mit ihr fertig bin und diesem Mistkerl wird bewusst werden, was er da verloren hat“, wütend stapfte Ashley an mir vorbei nach oben.

„Geht’s dir gut?“, fragte Kellan besorgt. Er wusste, mich ließ das Ganze nicht kalt.

Neele würde bei der heutigen Premiere nicht nur auf Rob treffen, sondern auf das neue Traumpaar am Filmhimmel – Rob und Kristen.

Es war schwer für sie, das wussten wir alle, aber sie musste da durch. Sie musste diesen Schritt endlich hinter sich bringen. Neele konnte nicht weiter davon laufen.

Es klingelte und Kellan öffnete bereits, als wir laute Stimmen von oben vernahmen. Offenbar stritten Neele und Ashley mal wieder heftig.

„Komm rein Paul, die Mädels brauchen noch eine Weile“, begrüßte ihn Kellan.

„Du meinst mein Mädel brauch mal wieder…“, lachte Paul und trat ein.

„Wow Naischel, du siehst fantastisch aus.“

„Hey, Finger weg Paul, das hier ist meine“, scherzte Kellan, kam auf mich zu und küsste mich stürmisch.

Ich löste mich von ihm und kicherte, dann wandte ich mich an Paul. „Sie kommen bestimmt gleich, ich geh mal nach ihnen gucken“

Als ich Neeles Zimmertür öffnete, traf mich der Schlag. Ashley hatte es tatsächlich geschafft, sie in ihr Kleid zu zwängen, sie schminkte sie bereits und Neele war so gut wie fertig. Sie trug, das konnte unmöglich ihr ernst sein, Robs Ohrringe und dazu demonstrativ Pauls Kette, die er ihr geschenkt hatte.

„Süße, oh wow…. Du siehst, wahrhaftig aus wie eine Prinzessin“, staunte ich und Tränen der Freude traten mir in die Augen.

„Hört ja auch zu heulen, ihr ruiniert sonst noch alles“, zischte Ashley und reichte Neele gerade ihre Schuhe.

„Was meint ihr kann ich so gehen?“, fragte diese und bewunderte sich gerade selbst im Spiegel.

„Wie ich sehe, wollen wir ihm heute Abend zeigen, was er verloren hat“, hörten wir Paul plötzlich sagen und Neele fuhr ruckartig herum. „Paul…“, hauchte sie leise und lief auf ihn zu.

Er zog sie dicht an sich und küsste sie liebevoll. „Du siehst wunderschön aus, mein Liebling“

Neele errötete und es war wirklich ein wundervoller Moment, der durch Ashleys Drängen zerstört wurde. „Die warten nicht auf uns, los…die Limo ist auch schon da“


Die Fahrt zum Theatre schien eine Ewigkeit zu dauern. Je näher wir dem roten Teppich am Bruin Theatre kamen, desto nervöser rutschte Neele hin und her. Paul war einfach großartig wie er ihr den Rücken stärkte. Immer wieder lächelte er ihr beruhigend zu und streichelte ihre Hand.

Der Wagen stoppte und wenige Sekunden später wurde er geöffnet.

Von draußen hörten wir bereits lautes Geschrei. Ashley blickte Neele liebevoll an.

„Süße, du schaffst das.“, dann flüsterte sie ihr noch etwas zu, dass ich nicht genau verstand, allerdings zauberte sie damit auf Neeles Gesicht ein kleines Lächeln.

„Dann lasst uns alle mal aussteigen“, rief Ash enthusiastisch und wenige Minuten später passierten wir alle gemeinsam den roten Teppich. Ashley nahm Neele und Paul an ihre Seite und posierte mit den beiden, beziehungsweise wir schritten zu fünft, Seite an Seite über den roten Teppich. Ashley und Kellan musste einige Interviews geben und auch Neele und ich wurden angehalten, Neele versteifte sich innerlich und wurde von Paul weiter gezogen. Ich blieb jedoch stehen und beantwortete der Reporterin einige Fragen, ob ich den Film schon gesehen hätte und wie es mir hier gefallen würde.

Nachdem ich alle Fragen ehrlich und zuvorkommend beantwortete, kam die Frage auf, welches Kleid ich denn tragen würde.

„Das kann ich ihnen leider nicht verraten. Ashley Greene ist für dieses Outfit zuständig, sie hat mich komplett eingekleidet heute Abend, das müssen sie sie fragen“, erklärte ich mit einem zauberhaften Lächeln auf den Lippen.

„Kommen wir nun zu einer anderen Sache, die uns alle hier beschäftigt. Neele Kaiser ist auch hier heute Abend, ein kurzer Kommentar zur Trennung mit Robert Pattinson?“

„Was soll ich ihnen diesbezüglich sagen? Sie haben sich getrennt, viele Leute trennen sich tagtäglich, so ist nun mal das Leben“, gab ich zurück.

„Eine kurze Frage noch, wie geht es Miss Kaiser nach der Trennung?“

„Ihr geht es gut, schauen sie doch nur, sie strahlt richtig“

„Ist das etwa Paul Wesley zu verdanken?“

„Vielleicht“, sagte ich mit einem Grinsen im Gesicht und ging weiter.

Kellan holte mich ein und sah mich fragend an. „Du gibst Interviews?“

„Klar, wenn es einen guten Zweck dient“, flüsterte ich ihm leise zu.

„Du kleines Biest“, hauchte er und gab mir einen kurzen, aber sanften Kuss.

Wir liefen weiter vorbei an den Reportern, Kellan gab noch hier und dort ein kurzes Interview. Neele und Paul hatte ich aus den Augen verloren, wo waren die beiden nur?

Mein Gedankengang wurde unterbrochen als eine weitere Limousine vorfuhr, die das ganze Blitzlichtgewitter der Reporter auf sich zog. Die Tür wurde geöffnet und ein strahlender Rob stieg aus. Er sah fantastisch aus, gar keine Frage. Gott sei dank, kamen er und Kristen getrennt an, dennoch waren meine Gedanken bei Neele.

„Kellan, ich muss… Neele… sie…“

Er gab mir mit einer Kopfbewegung zu verstehen, dass ich ruhig gehen sollte. Ashley war ebenfalls aufgeschreckt und kam schnellen Schrittes auf mich zu, gemeinsam liefen wir Richtung Neele, die gerade den Kopf in unsere Richtung hob und sofort erstarrte.

Verdammt sie hatte ihn gesehen. Sie stand stocksteif da, ich drehte mich noch einmal herum und sah dass Rob sie ebenfalls erblickt hatte und sie genau fixierte. Ich lief weiter in Richtung Neele, als Paul sie aus ihrer Starre riss, sie zu sich herum drehte und stürmisch seine Lippen auf ihre presste. Sofort lagen alle Blicke auf ihnen und die Paparazzi schienen sich fast um das beste Bild zu kloppen. Ein Raunen ging durch die Menge.

„Das muss man ihm lassen, der Mann hat echt Klasse“, staunte Ashley neben mir. „Wenn Blicke jetzt töten würden, wäre er eben gerade umgefallen“



+++++++++++



Rob Pov

Wie lange hatte ich diesen Tag herbeigesehnt. Heute war es soweit, Tag der Premiere, Tag des Wiedersehens. Würde sie da sein? Ich hoffte es zutiefst. Ich vermisste sie so sehr.

Schweigsam machte ich mich fertig, zog meinen Anzug an und wartete auf Kristen, die sich noch von ihrer Stylistin zurecht gemacht wurde.

Ich konnte es kaum erwarten und schaute alle paar Minuten auf die Uhr. Wie würde sie reagieren? Wie würde ich reagieren?

„Du siehst unglaublich aus“, riss mich Kristen aus meinen Gedanken.

„Nichts im Gegenteil zu Dir“, säuselte ich und gab ihr einen schnellen Kuss.

Endlich konnten wir los. Wir hatten uns dazu entschieden einzeln vorzufahren. Damit jeder den Augenblick in der Menge für sich genießen konnte.

Das Bruin Theater war übersäht mit Fans und man konnte sie schon von weitem hören. Der ganze Hype, der um den Film und besonders um uns gemacht wurde, war unfassbar.

Der Wagen stoppte, ich atmete noch einmal tief durch, als auch schon die Tür geöffnet wurde und ich heraus trat.

Sofort ging das Blitzlichtgewitter los und ein ohrenbetäubendes Geschrei brach los.

Aus dem Augenwinkel sah ich Kellan und Naischel, die sich gerade küssten, mein Kopf sah sich weiter suchend nach Ihr um, bis ich si

e endlich entdeckte…

Am Eingang des Theatres stand sie, ihre Augen waren auf mich gerichtet. Unsere Blicke verfingen sich ineinander, mein Herz begann sich zu überschlagen. Wie lange hatte ich mich nach diesem Moment gesehnt?

Sie sah wunderschön aus, Kristen war nichts um Vergleich zu ihr, keiner konnte ihr das Wasser reichen. Sie glich einer Prinzessin. Sie trug ein cremefarbenes Kleid ohne Träger, ihre Haare waren elegant hochgesteckt und sie, nein das konnte nicht sein – trug sie da wirklich meine Ohrringe? Das konnte nicht sein. Mein Herz ging auf, hatte ich etwa noch eine Chance bei ihr? Liebte sie mich noch?

Ich hatte nur noch Augen für sie, fixierte sie ganz genau und lächelte mein schiefes Lächeln nur für sie.

„Neele“, hauchte ich leise, den Blick immer noch auf sie gerichtet. Wie lange hatte ich es mir verboten, ihren Namen laut auszusprechen? Die ganzen Reporter um mich herum interessierten mich nicht mehr, ich wollte nur noch zu ihr. Ihr sagen wie leid mir alles tat, sie bitten, mir zu verzeihen – ich wollte sie küssen, sie endlich wieder schmecken.

Von einem auf den anderen Moment war mir egal, was alle denken würden, ich wollte sie nur noch in meinen Armen wissen.

Ich schritt ihr langsam wie in Trance entgegen, als sie herumgerissen wurde und in den Armen eines anderen lag. Moment – was zum Teufel tat er da? Wer war das?

Ich hatte nicht bemerkt, dass sie nicht alleine hier zu seien schien. Der Kerl zog sie an sich – er würde doch nicht, das würde er doch nicht tun? Warum neigte sich sein Kopf zu ihrem Gesicht?

Wut kochte in mir hoch, ich wollte diesem Kerl verprügeln, warum fasste er meine Neele an?

Dann geschah etwas, womit ich niemals gerechnet hatte, dieser Scheißkerl presste seine Lippen stürmisch auf ihren wundervollen Mund und anstatt, dass Neele ihn wegdrückte, erwiderte sie den Kuss.

Ich stand wie erschlagen da…

Mein Herz zersprang augenblicklich in tausend Stücke, würde zerrissen nur durch einen kurzen Moment.

Meine Welt stürzte vollkommen ein – sie hatte einen anderen!??!!

Sie war über mich hinweg!

„Robert, kommst du?“, Taylor wedelte vor mir herum. „Die wollen Fotos von uns dreien machen“

Ich war nur noch fähig zu nicken, ein letzter trauriger Blick in Neeles Richtung und ich ließ mich von Taylor mitziehen.

Ich versuchte, mich mit Interviews, Posen und Kristen irgendwie abzulenken. Nach über einer Stunde waren wir endlich im Filmsaal angekommen und saßen auf unseren Plätzen. Immer wieder glitt mein suchender Blick zu ihr. Sie saß ein ein paar Reihen hinter uns, zusammen mit Kellan und Naischel, neben ihr saß dieser Futzi, der übers ganze Gesicht strahlte und ihr immer wieder etwas ins Ohr flüsterte, was sie erröten ließ. Früher war ich derjenige gewesen, der dies bewirkt hatte.

Ich vermisste es, dass sie für mich errötete, weil ihr etwas peinlich war.

Immer wieder huschte mein Blick zu ihr, ich sah wie dieser Typ sie küsste, sanft streichelte und mir platze bald der Kragen.

Ich schnaubte verächtlich auf, Peter fing meinen Blick auf und schüttelte nur den Kopf. Er brauchte nichts zu sagen, ich hatte seine Andeutung auch so verstanden. Ich sollte mich wieder umdrehen und zur Leinwand schauen. Nachdem ich auch von Ashley und Elizabeth böse Blicke erntete, richtete ich meine Augen wieder auf die Leinwand.

Ich versuchte, mich so gut es ging zu beherrschen, nicht aufzuspringen und zu ihr zu rennen, mich überhaupt noch einmal um zu drehen, aber als die Italienszenen kamen, konnte ich nicht anders und drehte mich in ihre Richtung um.

Sie saß mit

weit aufgerissenen traurigen Augen auf ihren Platz und plötzlich sah sie ebenfalls in meine Richtung. Sie sah mich direkt an und ich sie kämpfte mit sich. Ich versuchte ihr zu zu lächeln, aber ich scheiterte kläglich. In ihrem Blick sah ich Schmerz und Sehnsucht, fühlte sie etwa so, wie ich mich gerade fühlte?

Plötzlich hörte ich sie aufschluchzen und sie stand abrupt auf, lief wie von der Tarantel gestochen aus dem Saal. Ich sah ihr hinterher und brauchte nicht lange zum überlegen. Ich stand auf und rannte ihr nach. Kellan wollte gerade aufstehen, aber ich hielt ihn zurück.

„Bitte Kell, ich weiß du hasst mich, aber gib mir fünf Minuten mit ihr?“, bat ich sehnsüchtig, Kellan sah mich durchdringend an, setzte sich dann aber wieder. Ich lief weiter, hinaus ins Foyer, konnte sie aber nirgendwo erblicken. Wo konnte sie nur sein?

Da fiel es mir

wie Schuppen von den Augen, ein Dejavue. Bei den Movie Awards war sie auf die Damentoilette geflüchtet, ich musste mein Glück einfach versuchen, also stand ich wenige Sekunden später vor dieser, unentschlossen, ob ich mich hinein wagen sollte oder nicht. Was zum Teufel sollte ich ihr nur sagen?

Ich atmete geräuschvoll aus und trat einfach ein, als ich sie auch schon vor einem der Wachbecken stehen sah. Erschrocken fuhr sie herum und sah mich ängstlich an. Tränen durchnässten ihr wunderschönes Gesicht und sie zitterte. Ich trat auf sie zu, mein Herz raste. Nervös wie ich war, fuhr ich mir im

mer wieder durch die Haare und blieb dann zögernd vor ihr stehen.

Neele schluchzte erneut auf und plötzlich änderte sich ihr Gesichtsausdruck. Sie sah mich mit wütendem Blick an. „Was willst du hier? Verschwinde“

„Neele“, scheiße es tat so gut ihren Namen auszusprechen, „Es tut mir leid, es tut mir alles so leid“

„Verschwinde hab ich gesagt, lass mich endlich in Ruhe…. Hau ab!!!“, keifte sie und ich merkte, dass sie um Fassung rang. Sie war kurz davor zusammenzubrechen. Ich trat weiter auf sie zu und bemerkte nicht, dass ich sie an die gegenüberliegende Wand drängte. Ich hörte unseren lauten Atem, als ich genau vor ihr stand. Ihr Duft umwirbelte mich, verdammt, sie roch immer noch so gut.

Ich sah ihr tief in die Augen, aus denen immer wieder Tränen hervorquollen. Ich konnte kaum noch klar denken, ich wollte sie so sehr.

Un

d dann ohne zu überlegen, legte ich eine Hand an ihre Wange, zog sie näher zu mir heran und küsste sie stürmisch, leidenschaftlich. Ich legte so viel Gefühl in diesen Kuss hinein, als wenn es um mein Leben ginge und das tat es, es ging um sie… - mein Leben.

Sonntag, 15. November 2009

Only You Know Me...

Rob Pov


Ich hatte sie geliebt verdammt...

Ich liebte sie immer noch.

Es schmerzte

Es tat so unglaublich weh, überhaupt an sie zu denken…

Warum nur glitten immer wieder meine Gedanken zu ihr?

Sie hatte mich belogen, betrogen…

Ich musste mich schützen, ich musste es beenden, es gab einfach keine andere Möglichkeit. Niemals hätte ich gedacht, diesen Weg gehen zu müssen, ich hatte sie verlassen, einfach so – per Sms, wie armselig das war. Aber sie hatte nie darauf geantwortet, ich meine, wenn meine Vorwürfe nicht wahr gewesen wären, hätte sie sich doch gemeldet, oder nicht?

Also musste es einfach stimmen, sie hatte mich mit diesem Scheißer von Tom Felton betrogen.

Wieder sah ich ihr Bild vor meinen Augen, ihr Lächeln, das mich immer verzauberte, ihren schüchternden Blick, ihre leicht roten Wangen, wenn ihr etwas unsagbar peinlich war.

Rob verdammt, du musst aufhören an sie zu denken, schalt ich mich selbst.

Ich musste sie endlich vergessen, nach vorne blicken, mich auf meine Arbeit konzentrieren.

Für die Promotion-Tour brauchte ich einen klaren Kopf.


„Kommst du Rob?“, fragte Kristen liebevoll und streichelte über meine eiskalte Hand.

Ich seufzte und nickte kurz. „Gib mir noch einen Moment, Kris“

„Hör auf so viel zu grübeln, es ist alles gut, versuch sie zu vergessen. Ich bin jetzt die Frau an deiner Seite, wir sind für einander bestimmt“, hauchte sie leise, legte eine Hand an mein Gesicht und küsste mich zärtlich.

Ich erwiderte Kristens Kuss, als sich jemand hinter uns räusperte.

„Die warten nicht ewig… kommt ihr?“, hörten wir Taylor gereizt sagen.

Kristen biss sich auf die Unterlippe und sah mich durchdringend an.

„Ich liebe dich Rob, du hast das richtige getan“, sagte sie und stand auf.

Ich blieb noch einen Augenblick auf meinen Stuhl sitzen, ehe ich ihr zur Pressekonferenz nach draußen folgte.

Ja Kristen stand zu mir, sie liebte mich… jedenfalls sagte sie das. Sie hatte mich nicht dazu gedrängt, mich von Neele zu trennen, auch wenn viele das in meinem Umfeld dachten. Es war allein meine Entscheidung gewesen.

Neele, schon wieder hatte ich sie vor Augen. Schnell schüttelte ich diesen Gedanken ab, ich konnte mir das einfach nicht mehr leisten, auch nur einen Gedanken an sie zu verschwenden, denn das war er, verschwendet.

Ich schüttelte verwegen meinen Kopf und stand auf. Jeden Tag war es mein Ziel, glücklich auf zu wachen, nicht mehr an sie denken zu müssen. Kristen bemerkte immer sofort, wenn ich abdriftete, wenn Traurigkeit mein Gesicht durchzog. Sie hatte ihre Methoden um mich abzulenken. Ich musste lächeln, ja das schaffte dieses kleine Biest ganz gut.

Die Presse hatte ziemlich schnell Wind davon bekommen, dass Kristen und ich jetzt offiziell ein Paar waren. Ich wollte es geheim halten, wenigstens eine Zeit lang. Aber Kristen war dagegen gewesen. „Es ist zugleich gute Promo für den neuen Film, lass uns unsere Liebe in die Welt hinausschreien. Alle sollen es sehen“, ja und mit alle hatte Kris auch sie gemeint – Neele.

Ich wusste nicht wie es ihr, es sollte mir eigentlich auch egal sein, verdammt warum war es das nicht? Warum dachte ich schon wieder über sie nach, obwohl ich mir eben gerade noch geschworen hatte, es nicht zu tun.

Ich trat mit Kristen Händchen haltend vor die Presse und nahm Platz. Die Reporter bombardierten uns mit nervigen Fragen, die natürlich in erster Hinsicht unserer Beziehung galten.

Taylor nervte das alles ziemlich und er übernahm irgendwann das Wort „Leute, wir freuen uns ja alle ganz doll für Kristen und Robert, aber wir sind hier um über New Moon zu sprechen, also wie wäre es, wenn wir jetzt über den Film reden?“

Dank Taylors Einwurf, konnten wir uns dann wirklich auf einer sachlichen Ebene treffen und beantworteten gerne Fragen, Edward und Bella betreffend bezüglich New Moons.

Eine harte Promozeit stand uns allen bevor, Peter, Ashley, Kellan und Nikki sowie der Rest tourte durch die USA, während ich mit Kristen, Taylor und Chris durch die Welt zog. Letzte Woche waren Chris und ich in Tokio gewesen, um kräftig die Werbetrommel für den zweiten Teil der Twilight Saga zu drehen. Momentan waren wir in Paris, der Stadt der Liebe. Am Wochenende sollten wir in München zu Gast sein, ob sie auch da sein würde?

Ein kalter Schauer überzog mich, allein der Gedanke daran drohte, mich umzubringen. Ich konnte sie nicht wiedersehen, noch nicht. Ich war dazu noch nicht bereit. Aber würde ich jemals bereit dazu sein?

Ashley und Kellan redeten zwar normal mit mir, aber wir redeten nie über sie. Aus der Presse wusste ich, dass sie mit Kellan, Ashley und Naischel in Las Vegas gewesen waren. Naischel und sie hatten vor dem TAO in Vegas in ihren Kostümen posiert. Sie hatte ein wahnsinniges scharfes schwarzes Elfenkostüm an. Sie sah so gut aus. Sie hatte sich ein Lächeln aufgezwungen, auf alle Außenstehenden wirkte sie glücklich, aber ich sah denselben Schmerz in ihren Augen, wie den, der mich jeden Morgen mit voller Wucht traf.

Ich konnte es nicht fassen, schon wieder waren meine Gedanken bei ihr…


Kellan sprach mit mir nur noch über die Arbeit, wir waren Kollegen, keine Freunde mehr, auch das schmerzte, aber da hatte ich es mir ebenso verbaut wie mit ihr.

Ashley hatte mir über Nikki ausrichten lassen, dass sie bei der Premiere in LA dabei sein würde. Es wäre unser erstes Aufeinandertreffen seit… seit dem Tag an dem sie Vancouver Richtung Bonn verlassen hatte – seit dem Tag meiner Sms. Fünf Wochen Funkstille, fünf Wochen Einsamkeit und Trauer. Mein Herz war zerbrochen, sie hatte einen Teil mit sich genommen, als sie ging. Jedenfalls fühlte es sich so an.

Kristen fragte mich immer wieder nach meinen Gefühlen für sie, sie wollte Bestätigung, aber die konnte ich ihr einfach nicht geben. Irgendwann begnügte sie sich mit dem, was ich ihr bereit zu geben war.

Ich war bereits am ersten Abend nach meiner Sms in Kristens Bett geflüchtet, ich konnte nicht alleine sein und sie empfing mich mit offenen Armen, an dem Tag änderte sich alles. Ich wollte versuchen sie zu vergessen, doch während ich mit Kristen schlief, wenn ich sie berührte, sie küsste, schlich sich immer wieder ihr Bild vor meine Augen.

Am Anfang nahm ich Kristen hart, ich wollte das Bild von ihr in meinen Kopf verdrängen. Ich bat Kristen mit mir Dinge zu tun, die sie niemals getan hätte. Eine Zeit lang klappte es, aber nachts in meinen Träumen sah ich sie immer wieder vor mir und meine Vergangenheit holte mich ein – sie holte mich ein. Meine ganzen verdrängten Gefühle brachen auf mich ein und so kam es öfter vor, dass ich aus meinem Bett schlich, um meiner Sehnsucht nach ihr, meinen Tränen freien Lauf zu lassen. Es kam nicht nur einmal vor, dass ich im Wohnzimmer mit einer Flasche Whisky morgens von Kristen aufgefunden wurde. Sie sagte dazu nichts und doch wusste sie, was in mir vorging.

Kristen liebte mich bedingungslos, sie schien mir hörig. Sie tat alles, worum ich sie bat und versuchte ihren Platz einzunehmen, was ihr jedoch niemals gelingen würde.



Auf den roten Teppichen dieser Welt, strahlten wir um die Wette, bei Fotoshootings spielte ich meine Rolle, nach außen hin schien alles so perfekt.

An meiner Seite die einzige Frau, die von den weiblichen Fans wie es schien, geduldet wurde – Sicher, alle wollten Edward und Bella auch im wahren Leben zusammen wissen. Aber ob ich wirklich glücklich war, das kann ich nicht sagen. Wenn ich genauer darüber nachdenke, muss ich zu geben, dass ich es nicht war.

Sie fehlte mir, ihr Duft, ihre Zickigkeit, ihre Stimme, ihre Berührungen, ihr Lächeln – einfach alles.

Mit Sicherheit hatte sie erfahren, dass ich nun mit Kristen zusammen war. Ob sie jemand neuen gefunden hatte?

War sie mit diesem jemanden bereits intim gewesen?

Schon wieder versetzte ich mir selbst voller Absicht einen Stich? War ich wirklich so masochistisch veranlagt, dass ich mir gerade vorstellte wie sie einen anderen Kerl küsste oder sogar mit ihm schlief?

Ein Gefühl der Übelkeit überkam mich… und nicht nur das, ein weiteres Gefühl machte sich in mir breit…

- Eifersucht.

Was wäre, wenn sie zur Premiere nicht allein kommen würde? Könnte ich es verkraften, sie in den Händen eines anderen zu wissen?

Ich schaltete den Fernseher an und blieb auf einem der Musikkanäle hängen.

„Wie passend“, murmelte ich mehr zu mir selbst als ich das Lied und die Interpreten erkannte.

Robbie Williams neuer Superhit – You know me

If a man could beat his own fancy
Then to only breed in captivity
is pointless
I’ve been doing what I like when I like how I like it’s joyless
Only you know me

What a waste of all this peace,
baby steps and two more sleeps
Till I get to say sorry
I get hysterical, historical; of love is just chemical
Give us something to stop me
Only you know me

Since you went away, my heart breaks everyday

You don’t know cos you’re not there
You simply found the words to make a lot of feelings fade away

Only you know me

I’m doin’ fine
And the sun often shines
What are you thinking?
At the worst of my mind
With this thunderbird wine
Baby, I’m drinking
Only you know me

Since you went away, my heart breaks everyday
You don’t know cos you’re not there
You simply found the words to make a lot of feelings fade away

Only you know me

Only you know me

....



Scheiße, sie kannte mich wirklich, wie keine andere. Mein Herz zerbrach jeden Tag aufs Neue, wenn ich nur an sie dachte.

Sie war nicht da…

Sie kannte mich…

Und in dieser Geschichte war ich der Idiot, der mit einem

Satz alles zerstörte… Einer winzigen Sms, die doch so bedeutsam war, weil ich keinerlei Vertrauen zu ihr gehabt hatte.

Ich bemerkte nicht wie Kristen sich neben mir ins Bett gleiten ließ, erst als ich ihre Zunge an meinen Hals spürte, schreckte ich verwirrt auf.

„Hey, ich wollte dich nicht erschrecken Liebling“, flüsterte sie leise.

„Das hast du nicht…“

Traurig sah sie mich an, sie wusste natürlich, dass ich wieder an sie gedacht hatte.

Sie seufzte und kroch auf meinen Schoß, legte ihre Hand in meinen Nacken und presste stürmisch ihre Lippen auf die meinen, mit der anderen Hand griff sie in meinen Schritt, umfasste meine Männlichkeit, die sofort darauf reagierte.

Ich wirbelte sie in einer schnellen Bewegung herum, so

dass ich über ihr lag, schob Kristens Shirt hoch und zerriss ihren Slip.

Der Gedanke an sie, dass sie es gerade jetzt in diesem Augenblick mit jemand anderem trieb, machte mich rasend.

Schnell zog ich mir meine Hose, samt Boxershorts herunter und drang ohne viel Tam Tam in Kristen ein. Sie schrie vor Verlangen auf und wand sich unter mir, während ich bestimmend in sie stieß und mich dabei nach einer anderen verzehrte…


Das war keine Liebe zwischen Kristen und mir, sie tröstete mich über meinen Verlust hinweg, sie verloren zu haben.


Tom hatte in den letzten Wochen immer wieder versucht, mit mir Kontakt auf zu nehmen. Seine Anrufe wies ich ab, auf seine Sms und Emails reagierte ich nicht.

Es war immer derselbe Text.

„Rob, wir müssen reden.

Ich möchte dir dass alles erklären, es ist nicht so wie die denkst“


Wenn es nicht so gewesen war, warum hatte sie dann nicht versucht es richtig zu stellen? Lag ihr denn gar nichts an mir? Liebte sie mich etwa nicht mehr? Hatte sie mich denn dann jemals geliebt? Fragen, die mich wieder und wieder beschäftigten.


Mein ganzer Körper, meine Seele schrie nach ihr, war ihr das denn völlig egal?


Since you went away, my heart breaks everyday
You don’t know cos you’re not there

Freitag, 13. November 2009

Stop Crying your heart out

Neele POV

"Wird's dir mit mir zu langweilig oder warum betrügst du mich jetzt mit dem nächst besten Typen, der dir über den Weg läuft? Meinst du wirklich ich wäre so dumm und wüsste nicht dass du gerade jetzt mit Tom im Bett liegst? Es ist vorbei, ich will dich nie wieder sehen“

Mir gingen diese Worte nicht mehr aus dem Kopf, immer und immer wieder sah ich sie vor meinem geistigen Auge vorbei ziehen, jedes Mal entstand ein neues Loch in meinem Herzen. Warum hatte er mir das angetan, warum? Wie konnte er nur glauben, dass ich ihn betrügen würde? Und dann auch noch mit Tom?
Er hätte mir vertrauen sollen, er hätte mir vertrauen können.
Niemals hätte ich ihm das antun können, es wäre mir nicht ein Mal in den Sinn gekommen. Seitdem ich ihn kannte, hatte sich mein Leben so grundlegend geändert, ich begehrte niemand anderen, fühlte mich so vollständig.
Ganz im Gegensatz zu jetzt.
Ich fühlte mich, als wäre ich entzwei gerissen worden. Ich wickelte mich mehr in meine Decke ein. Seit vier Stunden lag ich nun hier. Schlaflos, zwar tat ich so, als würde ich schlafen, ich wollte Naischel und Tom einfach nicht noch weiter beunruhigen, doch in Wahrheit war ich von Schlaf meilenweit entfernt. Mir war ein wenig schlecht, was vermutlich von den Unmengen an Alkohol kam, die ich zu mir genommen hatte. Ich war Tom so unendlich dankbar, dass er meinem Wunsch nicht nachgegeben hatte, ich hätte mir das nie verziehen, wenn ich ihm das angetan hätte. Ihnen. Tom. Und Rob.


* vier Wochen später *

Er schob mich vor sich in sein Hotelzimmer, kickte die Tür zu, ohne seinen Blick von mir abzuwenden. Wieder war ich verloren in seinen Augen, es blitzte in ihnen, als er seine Hände hinter meinen Kopf schob und diesen langsam zu sich heran zog. Er zögerte kurz, schien zu überlegen, ob er das richtige tat, bevor er seine Lippen auf die meinen presste. Es fühlte sich richtig an, sodass ich ohne nachzudenken meinen Mund für ihn öffnete. Seine Zunge umkreiste meine, wir hatten das Bett erreicht und er schob mich rücklings darauf. Ich ließ mich einfach fallen, in sein Bett, in seine Arme, in seine Berührungen. Vier lange Wochen hatte ich auf dieses Gefühl der Geborgenheit gewartet. Sanft fuhr er mit seiner Hand unter meinen Rücken und zog mit einigen Schwierigkeiten den Reißverschluss auf. Seine Hand war warm auf meiner Haut, ich genoss die Berührungen, machte jedoch keine Anstalten, selbst die Initiative zu ergreifen. Er nahm zärtlich meine Hand, führte sie unter sein Shirt und ließ sie seinen Körper erkunden. Ich spürte, wie sich seine Muskeln unter meiner Berührung anspannten. Als er für mich seine Hose öffnete und meine Hand seine Männlichkeit umschließen ließ, verspannte ich mich. Meine Hand hielt ich still und versuchte doch, mir nichts anmerken zu lassen. Ihm entging das natürlich nicht.
„Was ist los?“ fragte er flüsternd. Ich merkte, wie ich rot wurde, bemühte mich, ihn nicht anzusehen.
„Habe ich etwas falsch gemacht?“
Als ich nicht antwortete, legte er seine Hand unter mein Kinn und hob es hoch, sodass ich zu ihm aufblicken musste.
„Nein, es ist nur... ich weiß auch nicht... es fühlt sich nicht richtig an, vielleicht bin ich noch nicht so weit... es tut mir leid“ ich merkte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen. Ich zog meine Hand zurück und drehte mich von ihm weg. Sanft zog er mich zurück. Er verschränkte seine Arme vor meinem Bauch und hinderte mich so an einer Flucht. Doch an die war meinerseits sowieso nicht zu denken, denn die Tränen hatten ihren Weg nach draußen gefunden und brachten so meine Mauer der Verdrängung, die ich mir so mühsam aufgebaut hatte, langsam aber sicher zum Einsturz. So stark ich in den letzten Stunden gewesen war, desto schwächer fühlte ich mich nun.
„Scht...“ versuchte er mich zu beruhigen und – welch ein Wunder – er hatte Erfolg. Eine Weile lagen wir einfach nur so da, er hielt mich fest, mein Atem beruhigte sich langsam und auch die Tränen versiegten.
„Es tut mir leid.“ wiederholte ich.
Sanft streichelte er meinen Arm. „Das muss dir nicht leid tun, wirklich. Es ist okay.“
„Gib mir einfach ein wenig Zeit, ja? Halt mich nur fest und lass mich nicht los.“
„Werde ich nicht. Lass uns einfach den gemeinsamen Tag genießen, der gestern so schön begonnen hat.“

Und wie schön er begonnen hatte. Ich schmiegte mich enger an ihn, genoss seine Nähe und ließ die letzte Zeit Revue passieren.


* Flashback *

Die letzten Wochen hatte ich eher unbewusst erlebt. Naischel hatte mit Trace und seinen Jungs offenbar abgesprochen, dass ich keine Zeit zum Trübsal blasen bekommen sollte. Jeden Tag hatten sie etwas anderes geplant, nur im mich abzulenken. Meist zog ich mit Mason los, das war am einfachsten. Er versuchte nicht so krampfhaft mich aufzuheitern wie die anderen, sondern ließ es zu, dass ich einfach nur grübelte, nichts sagte. Und doch wusste ich, dass er da war. Und so hatte ich mein Leben gelebt, hatte gelernt, den Schmerz, zu verdrängen, sodass er mich nicht mehr auf jedem Schritt begleitete. Dafür prallte er mit voller Wucht jeden Abend auf mich, mit der Zeit hatte ich gelernt, dies rechtzeitig zu bemerken und dann so schnell wie nur möglich dafür zu sorgen, dass ich alleine war. Die Situation zwischen Naischel und mir hatte sich längst geklärt. Sie war immer für mich da, ich konnte mich auf sie verlassen und ich war mir beinahe sicher, dass es richtig war, dass sie mir nichts erzählt hatte. Ich hätte ihr vermutlich nicht geglaubt und so weniger von der schönen Zeit mit Tom verbringen können. Tom. Wir hatten zwei lange Wochen keinen Kontakt, inzwischen telefonierten wir einige Male in der Woche, doch es war nicht mehr wie früher. Wir beide gaben uns alle Mühe, damit es wieder so werden würde, wie es früher war, doch vielleicht war genau das das Problem. Wir klammerten das Bonn-Wochenende komplett aus unseren Gesprächen aus, so als wäre es nie passiert. Ich wünschte, es wäre so, ich wünschte mir, wir wären nie nach Deutschland zurückgekommen. Doch es war zu spät und ich musste damit Leben. Von Naischel wusste ich auch, dass Kellan mit Rob nur noch das nötigste sprach, Ashley sprach mit Rob überhaupt nicht mehr. Und das alles war meine Schuld, nur meinetwegen hatten sie sich gestritten. Ashley... Eine Weile hatte ich es mehr oder weniger erfolgreich geschafft, ihr aus dem Weg zu gehen, sie war ein wenig im Stress und hatte daher nicht sehr viel Zeit. Wir waren gemeinsam bei einem Spiel „ihrer“ Gators gewesen, sie hatte eine Menge Spaß, während ich mich eher deplaziert gefühlt hatte. An diesem Tag hatte sie beschlossen, ich müsse mehr unter Menschen kommen.
„Kellan, Naischel und ich feiern Halloween in Vegas...“

„Ja, und?“ ich hatte sie gefragt.
„Und? DU kommst natür
lich mit!“ Ashley hatte gesprochen und an ihrer Entscheidung war nicht mehr zu rütteln. Sie hatte beschlossen, dass wir alle gemeinsam in Vegas Halloween feiern würden, also würde es auch so passieren. Nie hätte ich mir träumen lassen, was an diesem Abend passieren sollte... Einen Tag nach dem Spiel der Gators hatte ich einen Termin zum Vorstellungsgespräch in einer Apotheke in LA. Im Internet hatte ich das Stellenangebot gefunden und die Bewerbung eigentlich nur als „Alibi“ abgeschickt und war umso erstaunter, als ich einen Anruf und die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekam. Ich hatte in Deutschland eigentlich eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin beginnen wollen, also hatte ich mich über die Möglichkeiten in den USA informiert. Mein Abitur würde mir als ROP College Certificate anerkannt werden. Dank der Physik und Chemie LK's würde mir so ein Jahr College sparen können. Allerdings würde ich den pharmazeutischen Teil für mich alleine lernen und dann in diesem eine Prüfung ablegen müssen. Die Trennung von Rob hatte also auch einen Vorteil: Ich musste mir keine Sorgen mehr darüber machen, dass ich womöglich völlig auf mich allein gestellt den Stoff lernen musste, weil ich zu oft verreisen musste. Nun könnte ich auch, sollte es mir alleine nicht gelingen, das College besuchen oder mir dort zumindest Unterstützung holen. Obwohl ich keine Ausbildung hatte und, bis auf zwei Praktika, keinerlei Praxiserfahrung in der Apotheke hatte, wurde ich angenommen. Bis zum Ablegen meiner Prüfung würde ich lediglich Auslieferungen machen und doch war mein Verdienst alles andere als schlecht. Ich hatte zwar schon bemerkt, dass die Verdienstmöglichkeiten gerade im medizinischen Bereich in den USA im Gegensatz zu denen in Deutschland alles andere als schlecht waren, doch dass ich soviel verdienen würde, dass ich mir monatlich zwei Paar Jimmy Choos leisten konnte – dank Ashley hatte ich meine Liebe zu diesen entdeckt und rechnete nur noch in „Choo-Währung“ - hätte ich nicht gedacht. Und ich hatte einen Job, der mir sicherlich Spaß machen würde. Naischel und Kellan weigerten sich, auch nur einen Cent von mir anzunehmen. Kellan ließ bei dem Thema absolut den reichen Macho raushängen und Naischel bestätigte ihn darin auch noch. Ich hatte gleich mit der Arbeit anfangen können, meist fuhr ich in der Mittagszeit zu den Arzt-Praxen und den Patienten, sodass ich den Rest des Tages frei hatte. Da ich mir meine Zeit so sehr gut einteilen konnte, hatte ich beschlossen, mir meinen Traum vom – wirklich – eigenen Hund zu erfüllen. Ich hatte im Internet eine Familie ausfindig gemacht, die Parson Russel Terrier züchtete. Seitdem wir Artus hatten, war ich mir sicher, dass ich keine andere Rasse wollte. Und ich war mir sicher, dass ich eine Hündin wollte. Eine Lina. Wie es der Zufall wollte, hatte die Familie Miller noch genau eine Hündin abzugeben und ich verabredete sofort, dass ich vorbei kommen würde.
„Mason, bevor wir in den Zoo fahren, müssen wir nochmal im Pet Shop anhalten und dann etwas außerhalb.“ teilte ich Mason mit, der bereits an der Tür stand und auf mich wartete. „Häh? Wieso denn das?“ fragte er verwundert.
„Erklär' ich dir im Auto, los jetzt, komm.“ ich lief los und ihm blieb nichts anderes übrig, als mir zu folgen. Mason fuhr selbst und auf der Fahrt teilte ich ihm wie versprochen meinen Entschluss mit.
„Hast du schon mit Naischel und Kellan gesprochen?“
„Ehm, nee, aber die werden schon nichts dagegen haben. Ich meine, Kellan hat seine Kola und Marlow ist auch oft genug bei uns.“
„Aber meinst du nicht, dass du das erst mit ihnen bereden solltest?“
„Doch, klar... ich rufe sie nachher an. Ich muss doch erst gucken, ob die Chemie stimmt.“
„Wenn du meinst... aber ich bin nicht Schuld, nur damit du's weißt. Alles auf deine Verantwortung.“ Ich musste lachen.
„Jaja.“ ich sah aus dem Fenster, „Oh, stopp, hier ist der Laden.“ Eine Stunde später stand ich mit einem kleinen Geschirr und einer Leine vor der Haustür der Millers. Ein wenig aufgeregt war ich dann doch, als ich klingelte und sofort mit Gebell begrüßt wurde. Parsons halt. Die Familie Miller war sehr freundlich und führte mich sofort ins Wohnzimmer, wo mir die kleine Bungee bereits angekündigt wurde. Zuerst sah ich … nichts, dann kam eine weiße Kanonenkugel auf mich zugeschossen und ich ging in die Hocke, um das kleine Engergiebündel zu begrüßen. Als sie mich ansprang und mir das Gesicht abschleckte war es um mich geschehen. Ich war verliebt und war mir sicher: Wir gehören zusammen. „Einen Moment bitte, ich muss mal kurz etwas erledigen.“ Ich holte mein Handy aus der Tasche und versuchte, ein Foto von der kleinen Bungee zu bekommen. Danach schickte ich das Foto an Naischel.
Es dauerte nicht lange, bis mein Handy klingelte.
„Hey.“
„Wer ist dieses süße Fellknäuel a
uf dem Foto?“
„Das ist Bungee... mir gefällt 'Lina' aber besser.“
„Warum sollte es mich interessieren, dass dir 'Lina' besser gefällt?“

„Sie steht hier gerade mit ihrem Spielzeug in der Hand vor mir und wedelt mit der Rute, sodass ihr ganzer Arsch wackelt.“
„Ja, na und?“

„Sie hat mich abgeschleckt...“
„Und?“
„Naischeeeeel....“
„Jaha?“
„Eigentlich habt ihr doch ganz schön viel Platz im Haus, oder?“
„Neele............“
„Ja, man. Ich brauche eine Beschäftigung, das habt ihr selber gesagt. Und ich vermisse Artus und überhaupt....“ vielleicht hätte ich doch vorher mit ihnen sprechen sollen?
„Warte kurz, ich rufe Kellan an.“ D
ann hatte sie aufgelegt. Ich wusste nicht, ob sie mich zurückrufen würde und die nächsten 20 Minuten vergingen quälend langsam. Die Millers und Mason versuchten mich abzulenken und Lina – Bungee – war einfach zuckersüß. Ich erschrak ein wenig, als mein Handy klingelte und ich sah, dass Kellan mich anrief. Wollte Naischel mir nicht sagen, dass er etwas dagegen hatte?
„Wann kommt ihr?“ fragte Kellan, ohne mich überhaupt zu begrüßen.
„Häh?“
„Na du und deine.
... Lina...“ „Ich verstehe nicht...?“ „Na, Kola muss doch zuhause sein, wenn das Baby kommt...“ „Heißt das...?“ „Also, wann kommt ihr?“ „Ehm.... ich denke, also, ich muss das hier noch besprechen... aber prinzipiell sofort?“ ich blickte die Millers fragend an. Sie nickten.
„Gut, ich fahre dann jetzt auch los, die Familienzusammenführung müssen wir ja miterleben.“
„Du bist großartig, danke, danke, danke.“
„Jaja.“ grummelte er. „Bis später“
„Bis dann“
Mason war zwar nicht unbedingt begeistert, weil er mich durch die Gegend kutschieren musste, aber daran konnte ich auch nichts ändern. Ich klärte alles und nur eine Stunde später saß ich wieder neben Mason im Auto und hatte die kleine Lina auf dem Schoß. Wir hielten noch einmal im Pet Shop an um die Kleine auch vollends auszustatten. Mein nächstes Paar Jimmy Choos würde eben noch eine Weile warten müssen, der kleine Wurm war jetzt wichtiger. Als wir an Kellans Haus ankamen stand sein Wagen bereits in der Auffahrt. „So, kleine Maus, dann wirst du jetzt die Tante Kola kennenlernen.“ sagte ich leise und setzte sie auf dem Boden ab.
Naischel wartete schon in der Tür, sie hatte das Auto wohl bereits gehört. „Oh nein, die ist ja noch niedlicher als auf dem Foto.“ Kellan trat hinter sie.
„Na, da wird Kola aber sehr verliebt sein. Was meinst du, wollen wir sie sich gleich mal kennen lernen lassen?“
„Klar!“ antwortete ich, obwohl ich doch sehr aufgeregt war. Kola war viel größer, als Lina, sie würde sie einfach platt machen können. Wir gingen ins Wohnzimmer, wo Kola schon freudig mit der Rute wedelte.
„So meine Liebe, sei lieb zu der Kleinen hier, die zieht jetzt hier ein.“ mahnte Kellan seine Hündin. Er schien auch ein ganz wenig aufgeregt zu sein. Völlig unnötig, wie sich herausstellen sollte, denn die beiden verstanden sich auf Anhieb. Kola wusste sehr wohl mit der Kleinen umzugehen und sie in ihre Schranken zu verweisen, wenn sie gar zu aufmüpfig wurde, ganz ohne dabei grob zu werden.
„Na, das hat doch super geklappt. Was habe ich nur für einen tollen Hund.“ Kellan klang ganz wie der stolze Papa.
„Hey, meine ist auch nicht zu verachten.“ ich grinste, als Lina zu mir angetapst kam. Ich hob sie auf meinen Schoß und sie legte sich sofort hin. Spielen macht müde.
„Du hast sie nicht mal eine Stunde und schon verwöhnst du sie.“ schalt mich Kellan.
„Du bist ja nur neidisch, weil Kola nicht auf deinen Schoß passt.“

„Ach nein?“ er ging zu Kola, hob sie hoch, als ob sie nichts wiegen würde und setzte sich mit ihr auf dem Schoß wieder auf's Sofa.
„Okay, ich nehme es zurück, sie passt darauf.“


In den nächsten Tag
en spielte sich die Sache mit Lina immer mehr ein, oft genug nahm ich Kola eine kleine Runde mit. Und ich war stolz wie eine Mutter, dass Lina nur zwei Mal ins Haus pinkelte. Drei Tage vor Halloween kam Ashley vorbei und brachte unsere Outfits mit. Marlow und Lina passten hervorragend zusammen und hatten unglaublich viel Spaß.
Wenn Lina müde wurde, legte sich Marlow neben sie und passte auf sie auf.
Wir hatten natürlich keinerlei Mitspracherecht bei unseren Outfits. Kellan würde als Batman gehen und Naischel natürlich als Batgirl, jedenfalls hatte sie das vorgehabt aber sie hatte ein noch besseres Outfit gefunden – sie würde als sexy Vampir gehen. Ashley hatte ein unglaublich sexy rotes Kleid mit schwarzer Spitze für sie ausgesucht. Dazu ein paar Flügel sowie schwarze, tierisch hohe Stiefel. Ich wagte zu bezweifeln, dass sich Kellan lange beherrschen könnte, wenn er sie mit diesem Ausschnitt sehen würde. Nachdem sie uns dieses Outfit gezeigt hatte, wurde mit ein wenig Angst und Bange bei dem Gedanken daran, was wohl in dem Kleidersack sein würde, der auf mich wartete und den Ashley gerade öffnete.
„Nein, Ash, bei aller Liebe, DAS ziehe ich nicht an!“ war meine erste Reaktion.

„Wow, endlich mal ein Lebenszeichen von dir. Hat man schon lange nicht mehr gehört, es sei denn, du sprichst mit Lina.“

„Verarsch mich nicht, ich meine das ernst.“

„Ich auch. Was gefällt dir daran nicht?“
„Willst du das wirklich wissen?“
„Klar.“
„Es gefällt mir nicht, dass du das alles über meinen Kopf hinweg entscheidest. Vielleicht will ich gar nicht nach Vegas?“
„Ach, das ist dein Problem. Das Thema hatten wir schonmal und es gibt keine Diskussion.“ „Hallo? Du hörst dich an wie meine Mutter!“
„Na, irgendjemand muss dich ja wachrütteln und auf dich aufpassen.“
„Hmpf.“

„Also, warum willst du das nicht tragen?“ kam sie auf ihre Ursprungsfrage zurück.
„Es ist schön.“ Das war es wirklich. Ashley hatte ein schwarzes Kleid für mich ausgewählt, scheinbar sollte ich als Elfe gehen, das Kleid war kurz und schwarz und der Rock mir schwarzem Tüll umsäumt, der etwas ab stand und dem ganzen etwas märchenhaftes verlieh. Meine schlichten Ohrringe würden sicherlich gut dazu passen.
„Und wo ist dann dein Problem? Du wirst großartig aussehen.“
„Sicherlich nicht so wie du es dir gedacht hast.“

„Hm?“
„So“ ich deutete auf das Outfit „werde ich sicherlich nicht vor die Tür gehen. Ich ziehe mit Sicherheit keine Lederstiefen an!“
„Und ob du das wirst, sie passen einfach perfekt zu dir und dem Kleid.“
Ich musste meine Taktik ändern, so biss ich nur auf Granit.
„Oh Ashley... bitte, ich mag keine Stiefel. Zumindest nicht zu so einem Anlass und so einem Kleid.“ „Und wieso nicht, wenn ich fragen darf?“
„Ich möchte einfach ni
cht...so aussehen...
„Süße, du wirst super sexy aussehen.“

„Das ist es doch gerade, verdammt.“

„Neele, ehrlich, wir fliegen übermorgen nach Vegas und ich habe wirklich besseres zu tun, als jetzt zu diskutieren.“

„Bitte, dann halt nicht. Ich muss mit Lina raus.“ Die hatte ihren Namen bereits gehört und stand schwanzwedelnd vor mir.


Ashley hatte für die Hunde die Dogsitterin beauftragt, die sich immer um Marlow kümmerte, sodass wir uns um die Hunde keine Sorgen machen müssten, solange wir in Vegas waren. Sie verhielt sich mir gegenüber ganz normal, worüber ich sehr froh war. Da ich sowieso keine Lust auf die Halloween-Party hatte, wollte ich nicht auch noch Streit haben. Wir flogen einen Tag vor der Party nach Vegas und checkten im Hotel ein. Ashley hatte für mich alle möglichen Beauty-Termine vereinbart, sie war der Meinung, ich hätte mich gehen lassen. In Wahrheit war ich nur eine Weile nicht beim Friseur und im Nagelstudio gewesen, aber das interessierte sie nicht. An Halloween verbrachten Naischel und ich den ganzen Tag beim Stylisten, erst wurden wir frisiert, dann geschminkt. Anschließend verzogen wir uns auf unsere Zimmer und zogen uns um. Ich hatte die Abfahrt meines Taxis zum TAO extra so gelegt, dass ich nicht mit Ashley zusammenfahren müsste. Ich hoffte darauf, dass Ashley mir vor Publikum vielleicht nicht so eine Szene machen würde, wenn ich mit anderen Schuhen dort ankommen würde. Und ich war fest entschlossen, keine Stiefel anzuziehen. No way. Ich hatte mich für meine neuen Jimmy Choos entschieden, die dringend eingetragen werden mussten. Sie gingen die Wade hoch, waren zartblau und hatten ein tigerähnliches Muster. Ich hatte sie gesehen und einfach kaufen müssen.
Als ich vor dem TAO ankam, warteten die anderen bereits auf mich. Ashley und Kellan waren bereits dabei, gemeinsam vor der Wand zu posieren.
Zu meiner großen Überraschung wurde ich nicht nur von Naischel, sondern auch von dem breit grinsenden Trace begrüßt.

„Hey, ich dachte mir, ich leiste euch mal Gesellschaft.“
„Freut mich!“ ich lächelte, versuchte mir nicht anmerken zu lassen, wie unwohl ich mich eigentlich führte.
„Ladies, was haltet ihr von einem gemeinsamen Foto?“ Dass ich nicht viel davon hielt, interessierte leider niemanden.

halloween


Kaum hatten wir den Raum betreten, zog es die anderen zur Bar. Ich hatte mir nach dem Erlebnis in Bonn geschworen, keine Cocktails zu trinken und beschloss, mich erstmal ein wenig umzusehen. „Naischel?“ ich musste schreien, damit sie mich hörte. „Ich sehe mich mal ein wenig um, in Ordnung?“
„Oh, okay. Soll ich mitkommen?“ sie sah besorgt aus, ob ich nicht glaubwürdig
wirkte? Ich setzte ein Lächeln auf.
„Quatsch, ich bin doch kein kleines Kind mehr. Mir geht’s gut, ich will mich nur umgucken, das ist alles.“ sie wirkte nicht überzeugt, ließ mich aber ziehen.
Es war riesig, ich sah überall Menschen, die mir bekannt vorkamen. Kunststück, durch Ashley und Co. hatte ich mehr Menschen kennen gelernt, als in all den Jahren zuvor. Ich überlegte, ob ich mich ein wenig hinsetzen wollte, achtete nicht mehr darauf, wo ich hintrat und rannte prompt in einen Kerl hinein.
„Hola.“

„Tut mir leid, ich habe nicht aufgepasst, wo ich hingegangen bin, habe ich dir weh getan?“
„Nein, nein, ich habe auch nicht aufgepasst. Mich hat das Funkeln deiner Ohrringe abgelenkt.“ Normalerweise hätte ich das als dumme Anmache abgetan und wäre weitergelaufen, doch ich hatte nicht mit so etwas gerechnet. Dass ich auf so banale Weise daran erinnert werden würde, hatte ich nicht erwartet. An ihn. Er hatte mir diese Ohrringe geschenkt. Zu einer der Premieren. Sie sollen mit deinen Augen um die Wette strahlen, hatte er gesagt. Ich merkte, dass mir die Tränen in die Augen stiegen ohne, dass ich etwas dagegen tun konnte.
„Hey, hab ich was falsches gesagt?“ fragte er besorgt.

„Nein, ich muss nur weiter. Sorry nochmal.“ ich lief los, es war mir egal, wo ich hinrannte, ich wollte einfach nur weg. Irgendwie hatte ich es geschafft, nach draußen zu gelangen.
„Warte doch mal.“
Der Typ von eben war hinter mir, rasch versuchte ich, die Tränen wegzuwischen – erfolglos.
„Es ist nicht alles in Ordnung, oder?“
„Ist egal.“

„Glaube ich nic
ht.“
„Was interessiert es dich? Ich erzähle nicht jedem meine Lebensgeschichte.“

„Und wenn es mich aber interessiert? Einfach so?“
„Das kann ich echt nicht, du kennst mich nicht, ich kenne dich nicht und es ist langweilig und es wird dich wirklich nicht interessieren.“

„Du machst mich neugierig...“

„Das solltest du nicht sein, es ist nichts Großartiges.“
„Wenn ich in deine Augen sehe, ist es etwas Großartiges.“

„War.“

„War?“

„Es war etwas großartiges, was vorbei ist. Aus und vorbei.“ Zum ersten Mal realisierte ich diese Worte wirklich. Machte mir klar, was sie bedeuteten. Vorbei. Für immer. Eine Träne lief meine Wange hinunter.
„Du frisst das in dich hinein, stimmt's? Du hast niemanden, mit dem du darüber reden kannst.“
„Ich habe Freunde.“
„Und mit denen redest du darüber?“
„Nein.“

„Lass mich raten... weil sie da mit drin stecken und du sie nicht belasten willst?“
„Hm...“ ich nickte zögerlich.

„Manchmal hilft es, wenn man mit einem Außenstehenden darüber redet.“
„Ach ja?“

„Ich bin ein guter Zuhörer... glaube ich...“
Ich wusste nicht, was es war, doch ich hatte das Gefühl, ihm Vertrauen zu können. Den Rest des Abends verbrachte ich mit ihm. Ich wusste nicht, wer er war und doch tat es gut, ihm alles zu erzählen. Er war wirklich ein guter Zuhörer, er unterbrach mich nicht, fragte nicht zu viel nach. Irgendwann drifteten wir ab, sprachen über andere Dinge, alltägliche Dinge. Ich blieb standhaft, trank keinen Alkohol, naja gut okay, bis auf zwei Gläser Sekt. Mal gingen wir nach draußen, dann wieder saßen wir an der Bar oder tanzten auf der Tanzfläche. Er brachte mich zum Lachen, machte mit Komplimente, der Abstand zwischen uns verringerte sich immer mehr. Als der Morgen anbrach begannen meine Füße zu schmerzen. Er merkte, dass ich mich nicht mehr ganz so flüssig bewegte, wie am Anfang.
„Willst du nach Hause?“ fragte er und begleitete mich von der Tanzfläche.
„Ich weiß nicht... ich vermute, dass die anderen wohl nicht mehr da sind, ich werde sie anrufen müssen, weil ich ehrlich gesagt nicht mal weiß, wo unser Hotel ist.“
„Das Leben ist in der letzten Zeit ziemlich an dir vorbei
gegangen, oder?“
„Scheint so...“ musste ich zugeben.
„Du kannst sonst auch mit zu mir kommen... ich weiß, wo mein Hotel ist.“ er lächelte leicht.
Ich dachte kurz nach. Mir war klar, auf was das hinauslaufen würde.
„Meinst du?“

„Klar...“
Er rief uns ein Taxi und half mir in den Wagen. Hand in Hand betraten wir sein Hotel und er holte sich an der Rezeption seine Zimmerkarte.
„Einen schönen guten Morgen wünsche ich ihnen, Mr. Wesley.“ Ich ließ mir die Worte des Pagen durch den Kopf gehen... Wesley.... Während der Fahrt nach oben sah er mir in die Augen, ich war unfähig wegzusehen, während mein Hirn weiter arbeitete... Wesley... Als wir angekommen waren, wollte er mich aus dem Fahrstuhl schieben, doch ich hielt ihn zurück. „Du bist nicht Paul Wesley, oder?“ fragte ich.
„Kommt hin.“ war seine einzige Antwort. Er schob mich vor sich her.... Paul Wesley... Und ich dachte, ich hätte jemanden kennen gelernt, der mir keine Probleme machen würde.